Kinder, Kinder
Halle/MZ. - In Sachsen-Anhalt sind wieder mehr Kinder zur Welt gekommen. Das Statistische Landesamt registrierte im Jahr 2010 17 300 Geburten, 156 mehr als im Jahr davor. Der Bevölkerungsrückgang hat sich damit verlangsamt: 2010 verlor das Land 21 213 Einwohner, weniger als in den Vorjahren, wie aus dem neuen Statistischen Jahrbuch des Amtes hervorgeht. "Der Rückgang ist so gering wie nie. Das ist eine gute Nachricht", sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU).
Stahlknecht wies aber darauf hin, dass die Bevölkerung weiter schrumpfen werde, schon wegen der "ungünstigen Altersstruktur". Nach Angaben der Statistiker ist jeder vierte Einwohner Sachsen-Anhalts im Rentenalter, aber nur jeder zehnte ein Kind. Die Zahl der Sterbefälle - im vorigen Jahr 30 729 - liegt weit über der der Geburten. Die zweite Ursache für den Bevölkerungsschwund ist die Abwanderung: So verließen im Jahr 2010 44 800 Menschen das Land, aber nur 36 990 zogen zu. Der Trend setzt sich fort: Im ersten Halbjahr dieses Jahres verlor das Land 12 000 Einwohner. Derzeit leben rund 2,3 Millionen Menschen zwischen Altmark und Burgenland, über eine halbe Million weniger als 1990 - das entspricht der heutigen Einwohnerzahl von Halle, Magdeburg und Dessau zusammen.
Wer weggeht, zieht meist der Arbeit in den westlichen Bundesländern hinterher. Die Folgen für Sachsen-Anhalt sind gravierend: Laut Schätzungen fehlen dem Land bis zum Jahr 2016 jährlich 30 000 Facharbeiter. Mit einer Werbeoffensive will die Landesregierung deshalb Auswanderer zur Rückkehr bewegen. So soll etwa in Stuttgart im ersten Quartal kommenden Jahres ein Rückkehrer-Stammtisch stattfinden. In mehreren Innenstädten in Baden-Württemberg machte bereits ein Infomobil des Landes Station. Bei einer ähnlichen Aktion mit dem Titel "Pfiff" waren 3 000 Familien zurückgeholt worden. Dabei waren in einem Internetportal Stellen für Fachkräfte angeboten worden.
Bei potenziellen Rückkehrern und anderen Zuzugswilligen setzt das Land auch auf Betreuungsangebote für Kinder. Innenminister Stahlknecht hofft, damit vor allem junge Familien locken zu können: 56,1 Prozent der unter Dreijährigen im Land würden in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Im Vergleich aller Bundesländer sei das ein Spitzenplatz, so Stahlknecht, der von einem Standortvorteil sprach: "Möglicherweise ist das ein Anreiz für junge Familien, zu uns zu kommen." Am höchsten sind die Betreuungsquoten im Salzlandkreis, im Kreis Wittenberg, in der Börde, im Jerichower Land, im Burgenlandkreis, im Harz und im Saalekreis.