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Haseloff in Holland Haseloff in den Niederlanden: Holland im Fokus für Bauhaus- und Luther-Jubiläum

Von Jan Schumann 07.10.2016, 19:00
Bitte lächeln: Ministerpräsident Reiner Haseloff (r.) in Rotterdam
Bitte lächeln: Ministerpräsident Reiner Haseloff (r.) in Rotterdam Schumann

Rotterdam - Und nun auch noch die Massage-Duschköpfe. Im Badezimmer der Hauses Sonneveld zückt Reiner Haseloff (CDU) wieder sein Handy und hält drauf.

Es gibt viel zu entdecken und fotografieren in dieser Rotterdamer Villa - fertiggestellt 1934 - die Architekten als konserviertes Meisterwerk der Moderne bezeichnen: Ein Dutzend alter Telefone, die die Zimmer verbinden.

Die Grammophonanlage, die das ganze Haus beschallt. Den Schacht für Dreckwäsche in jeder Etage. Die Fensterfront, das Glas, der Stahl. „Sehr viel grüne Farbe hier drin“, sagt Haseloff zur niederländischen Tourbegleitung, als er aus dem Schlafzimmer kommt. Geschmäcker sind so eine Sache.

In den Niederlanden greift Sachsen-Anhalts Ministerpräsident oft zum Handy. Mit seiner Delegation ist er zwei Tage auf eng getakteter Werbetour, Kulturminister Rainer Robra reist mit.

Werbetrommel rühren für das Luther-Jahr

Sie haben große Pläne für Sachsen-Anhalt, es geht um Luther, es geht ums Bauhaus. Mit den zwei großen Jubiläen soll Sachsen-Anhalts Name im Ausland einen neuen Klang erhalten.

2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal, 2019 feiert das Bauhaus in Dessau hundertjähriges Bestehen. „Etwas Besseres kann sich ein Land nicht wünschen, als diese weltweite Aufmerksamkeit“, so Haseloff.

Und weil aus den Niederlande die meisten Touristen nach Sachsen-Anhalt kommen - im Jahr 2015 waren es 88.300 - bemüht sich die Magdeburger Staatskanzlei spürbar um den Nachbarn. Bereits 2015 gab es einen Besuch.

Auch, weil es diese kulturellen Schnittpunkte gibt: Was das Bauhaus für Deutschland, ist das Nieuwe Bouwen (Neues Bauen) für die Niederlande. Sichtbar ist das im Haus Sonneveld, vor allem aber in der Rotterdamer Van-Nelle-Fabrik, einer ehemaligen Tabak- und Kaffeeproduktion aus den 1920er Jahren.

Ausstellung soll Brücke von Rotterdam nach Dessau schlagen

Vieles von dem, was das Bauhaus ausmacht, findet sich hier: Form follows Function, viel Licht, keine Schnörkel. Beide gehören zum Unesco-Welterbe. Seit Freitag läuft in Rotterdam die gemeinsame Ausstellung „Simultanität der Moderne“ - sie soll eine Brücke von Dessau nach Rotterdam schlagen.

Die Idee dazu entstand 2013, einer der Väter war Bauhaus-Kurator Werner Möller, der die Delegation in Rotterdam begleitet. „Das Bauhaus und die Van-Nelle-Fabrik sind Leuchttürme der Moderne in ihren Städten“, sagt Möller nun in den lichtdurchfluteten Produktionshallen.

„International war das Bauhaus schon immer bedeutend. Es ist aber zum Teil schwer, diese Bedeutung in Sachsen-Anhalt selbst zu vermitteln.“ Geht es nach Haseloff, soll diese Skepsis bis 2019 perdu sein: „Auch durch das Bauhaus sind wir ein fester Bestandteil dieses Europas geworden“, sagt der Regierungschef.

Haseloff wird auf der Reise auch vom deutschen Botschafter in Den Haag empfangen. In dessen Residenz ist die Luther-Ausstellung „Das Original“ für erlesenes Publikum beider Staaten aufgebaut: Abgeordnete, Richter, Militärs, Marketing- und Tourismusexperten.

„Lange Verbindungen“ zwischen Sachsen-Anhalt und den Niederlanden beschwört Haseloff, etwa die Arbeit August Hermann Franckes, die gerade in den Niederlanden nachwirkte, als Waisenhäuser und Schulen nach halleschem Vorbild entstanden.

„Wer war August Hermann Francke?“, fragt ein niederländischer Telegraaf-Journalist. Heimspiel für den Katholiken Haseloff, in den Folgetagen werden die ersten niederländischen Zeitungen über seinen Besuch berichten.

Er zeigt auf ein Exponat, ein Ölgemälde mit den Porträts von Calvin, Luther und Melanchthon. „Das geht aber wieder zurück nach Wittenberg.“ Am Abend singt der eigens engagierte Stadtsingechor aus Halle in der Residenz. Der Ministerpräsident zückt sein Handy. (mz)