Haseloff fordert Unternehmer

Haseloff fordert Unternehmer: Höhere Löhne gegen Abwanderung aus Sachsen-Anhalt

Magdeburg - Angesichts des Fachkräftemangels und Abwanderung aus Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Wirtschaft in die Pflicht genommen.

Von Jan Schumann
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt in einem Fernsehstudio.
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt in einem Fernsehstudio. www.imago-images.de

Angesichts des Fachkräftemangels und Abwanderung aus Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Wirtschaft in die Pflicht genommen. Es gehe nicht, dass Unternehmer über Fachkräftemangel klagten, „und wenn sie dann da sind, werden sie nicht genommen“, sagte er am Montagabend in der MDR-Sendung „Fakt ist“.

„Da müssen sich die Arbeitgeber bewegen, bis hin zu Lohnhöhe“, sagte der Regierungschef. „Sonst wird es langfristig ein Problem geben in bestimmten Regionen. Da ist durchaus noch mehr drin.“ Haseloff sagte: „Da muss man um jeden einzelnen ringen.“ In der Sendung diskutierte der CDU-Politiker mit Gästen über Ab- und Zuwanderung im Bundesland.

Jüngst hatte Dresdner Ifo-Institut dargelegt, dass die Bevölkerungszahl Ostdeutschlands zuletzt auf den Stand von 1905 zurückgefallen war. In Westdeutschland kletterten die Zahlen indes.

Fachkräftemangel wird zum Problem: Unternehmen nun in der Pflicht

Zustimmung bekam Haseloff am Montag von Reint Gropp, Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts IWH in Halle. Einige Unternehmen hätten nach einer langen Phase hoher Arbeitslosigkeit im Land offenbar noch nicht verstanden, „dass sie sich jetzt um die Arbeitnehmer bemühen müssen“. Zugleich sagt Gropp über die Außendarstellung des Bundeslands: „Der schlechte Ruf ist international bekannt, das ist ein sehr großes Problem.“ Dies wirke sich unter anderem negativ auf die Personalsuche in der Forschung und an Universitäten aus, „die rekrutieren international“, so Gropp.

Auch Haseloff thematisierte Imageprobleme. „Wir müssen selbstbewusster werden, uns häufiger zu Wort melden.“ Er verknüpfte dies mit einer Medienkritik: Es sei auch die bundesweite Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, „Verständnis füreinander zu entwickeln“. Er sagte: „Wenn wir da kaum vorkommen – oder nur wenn da was schiefgegangen ist – dann ist das Image ganz schwer aufzuarbeiten.“ 

Mit Blick auf seine Enkelkinder in Westdeutschland sagte er: „Wenn meine Familie nur darauf angewiesen wäre, was da vor Ort im Fernsehen und in der Tagesschau kommt – oder was eben nicht kommt – dann wäre es um die Informationslage schlecht bestellt.“ Dabei seien die Lebensverhältnisse nicht gravierend unterschiedlich, betonte der Ministerpräsident. (mz)