Energie Energie: Kohlezug nach Tschechien bringt Ärger
THEISSEN/MZ. - Er nannte eine Menge von insgesamt 38 000 Tonnen, die im vorigen Jahr exportiert worden sei. Geisler sprach dabei von "ganz normaler Geschäftstätigkeit" und "Probelieferungen an potenzielle Kunden". Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) dagegen stufte den Kohleexport als "nicht unerheblich" ein.
Brisanz gewinnt der Vorgang vor dem Hintergrund, dass bei Lützen der Aufschluss eines weiteren Braunkohletagebaus sowie ein Kraftwerk bei Profen geplant ist. Bislang war stets davon ausgegangen worden, dass die dort geförderte Kohle in Mitteldeutschland verwertet wird. Damit war gegen starken Widerstand auch um die Akzeptanz für den Aufschluss bei Lützen geworben worden.
Den Neuaufschluss, so Haseloff, werde es nur geben, wenn in Profen ein Kraftwerk entstehe, das mit Lützener Kohle betrieben werde. Und wenn künftig überhaupt Kohle aus Mitteldeutschland nach Tschechien gehe, werde das keine aus Lützen sein, betonte er.
Nach Angaben von Geisler sind im vergangenen Jahr drei Kunden in Tschechien beliefert worden, darunter auch eines der Kraftwerke des Mibrag-Eigentümers CEZ. "Versuchsweise", wie Geisler sagte. Es gebe bisher keine Verträge. So geringe Mengen tauchten auch nicht im Geschäftsbericht auf. Er ließ dabei allerdings offen, ob künftig Kohle zur Verstromung nach Tschechien exportiert werden soll. Die Mibrag fördert jährlich rund 19 Millionen Tonnen Braunkohle.
Kreistagspolitiker und Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich gegen den geplanten Aufschluss bei Lützen wenden, sind hingegen hellhörig geworden. "Die Richtung ist klar ersichtlich", sagte Dorothee Berthold (Grüne), die beide Gruppen vertritt. Es werde der heimische Rohstoff hier der Verstromung und Veredlung etwa in der Chemieindustrie entzogen. Am Ende stehe dann, dass die vorhandenen Ressourcen eher aufgebraucht sind und erneut weitere Lagerstätten erschlossen werden. "Unsere Heimat wird weiter zerstört, obwohl wir hier die Kohle gar nicht brauchen", betonte sie.
Der Landrat des Burgenlandkreises, Harri Reiche (parteilos), zeigte sich hingegen zurückhaltend. Er gehe weiter davon aus, dass es nicht Ziel der Mibrag sei, in Mitteldeutschland geförderte Kohle in Tschechien zu verstromen. "Wir wollen, dass die Ressourcen hier verarbeitet werden." Im Dialog mit Geschäftsleitung und Eigentümern solle nun die weitere Kohlestrategie geklärt werden. Seiten 3 und 4