Datenreport 2016

Datenreport 2016 der Bundeszentrale für politsche Bildung: Ost-Mütter arbeiten mehr

Halle (Saale) - Frauen mit Kindern sind im Osten doppelt so oft wie im Westen in Vollzeit beschäftigt

Von Anja Förtsch
Mütter im Osten arbeiten deutlich häufiger in Vollzeit als Mütter im Westen.
Mütter im Osten arbeiten deutlich häufiger in Vollzeit als Mütter im Westen. dpa

Ostdeutsche Mütter arbeiten mehr als doppelt so häufig in Vollzeit wie Mütter im Westen Deutschlands. Das geht aus dem Datenreport 2016 der Bundeszentrale für politische Bildung hervor.

Laut Arbeitsmarktexpertin Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) führen unterschiedliche Rollenbilder dazu, „dass Mütter in Westdeutschland deutlich häufiger nicht erwerbstätig sind und deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Mütter in Ostdeutschland“.

Jede zweite Mutter im Osten arbeitet Vollzeit

Mehr als jede zweite Mutter eines minderjährigen Kindes in Ostdeutschland ist in Vollzeit beschäftigt, also 30 Stunden pro Woche oder mehr. Im Westen des Landes ist das bei nicht einmal jeder vierten Mutter der Fall.

Dort sind Mütter häufiger in Teilzeit angestellt: 44 Prozent der westdeutschen Mütter sind maximal 29  Stunden pro Woche tätig, in Ostdeutschland sind es 18  Prozent der Mütter.

Ostdeutsche Mütter von Kleinkindern unter zwei Jahren sind sogar dreimal so häufig voll angestellt (31 Prozent) wie jene in den alten Bundesländern (zehn Prozent).

Bünning sieht in den Zahlen ein Nachwirken der Unterschiede zwischen der alten Bundesrepublik und der DDR. „In Westdeutschland wurde lange ein Familienmodell gefördert, in dem der Vater erwerbstätig ist und die Mutter sich vorrangig um Haushalt und Kinder kümmert“, sagt die Forscherin.

„In der DDR hingegen war Vollzeiterwerbstätigkeit sowohl für Mütter als auch für Väter die Normalität“. Das wirke sich bis heute aus. Entsprechend ist der Anteil der in Vollzeit angestellten Väter in Ost- und Westdeutschland nahezu gleich: In den neuen Bundesländern arbeiten 85 Prozent in Vollzeit, in den alten Ländern 90 Prozent.

„Für Väter war in beiden Teilen Deutschlands die Vollzeiterwerbstätigkeit das normale Modell und daran hat sich bis heute nicht viel geändert“, sagt Bünning.

Lohnniveau in den Neuen Ländern deutlich geringer

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): In einer Studie zum Thema sahen es laut Müller deutlich mehr Befragte aus den alten Bundesländern als negativ an, wenn Mütter einer Arbeit nachgehen.

Diese Meinung sei in den letzten Jahren zwar in ganz Deutschland rückläufig. „In Ostdeutschland sinkt sie aber deutlich schneller“, so der Ökonom. Zudem sieht Müller keine Anzeichen dafür, dass sich die Rollenbilder in den kommenden Jahren drastisch ändern werden.

Müller geht stattdessen davon aus, dass der Unterschied bei der der Erwerbstätigkeit von Müttern in den alten und neuen Bundesländern noch größer wird. Das sei nicht nur im Rollenbild der DDR begründet - bereits vor dem Zweiten Weltkrieg seien im heutigen Osten mehr Frauen voll erwerbstätig gewesen.

„Ein Grund kann auch sein, dass das Lohnniveau im Osten niedriger ist“, sagt Müller. Oftmals müssten in den neuen Ländern beide Partner für Einkommen sorgen, so der Experte.

Trotz des höheren Arbeitspensums liegt das Bruttoeinkommen im Osten im Schnitt noch immer deutlich unter dem der westdeutschen Länder.

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik erhalten westdeutsche Haushalte monatlich 2.672 Euro Löhne oder Gehälter - im Osten ist das mit lediglich 1.965 Euro rund ein Viertel weniger. (mz)