Kampf gegen Naturgewalten

Wie Pörsten zukünftig Schlammlawinen verhindern will

Pörsten war vor zwei Jahren mehrmals von Unwettern betroffen. Warum die Landwirte mit ins Boot müssen.

Von Holger Zimmer
Die Freiwillige Feuerwehr aus Lützen hilft bei den Schlammlawiene in Pörsten. Foto: Holger Zimmer

Pörsten - Für Andreas Hieke geht das alles nicht schnell genug. Immerhin hatten sich Schlammlawinen vor zwei Jahren gleich mehrfach vom Berg, durch das Dorf und in Richtung des Flüsschens Rippach gewälzt. Da konnte die Ortsfeuerwehr, deren Chef Hieke ist, nur in stundenlangem Kampf die Schlacht gegen die nassen Erdmassen gewinnen. Damals sagte er: „Wir Feuerwehrleute fühlen uns verheizt.“

Kampf gegen Schlammlawinen: Feldbewirtschafter mit an einen Tisch

Der Katastrophe Herr geworden war man zudem nur, weil weitere Feuerwehren der Stadt Lützen vor Ort waren. In der nächsten Ortschaftsratssitzung sollen nun endlich auch die Feldbewirtschafter mit an einen Tisch, sollen beide Seiten gehört werden, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Im vergangenen Bauausschuss des Stadtrates informierte Wolfgang Heinrich von der Steinbacher-Consult GmbH über den Konzeptstand, wie er betonte. Der sei der Unteren Naturschutz- und außerdem der Wasserbehörde vorgestellt worden, „denn wir wollen nicht ins Blaue planen“. Die Feldflächen neigen sich zur Bahnlinie, so dass das Wasser in diese Richtung abfließt und durch die Bahnunterführungen auf der Landesstraße und dann bergab im Ortskern landet.

Kameraden aus Lützen säubern den Boden nach der Schlammflut.
Foto: Holger Zimmer

Wirksame Sofortmaßnahmen durch Rückhaltebecken

Hier fehlen Rückhaltebecken, Gräben und Kanalsysteme. Das führte laut Ortsbürgermeister Hans-Joachim Fuhrmann (SPD) dazu, dass die Wassermassen in früheren Jahren, aber besonders 2019 Straßen und Grundstücke fluteten. Die Frage ist, ob man mit den derzeit vorhandenen Abwassersystemen klar kommt. Die früheren Maßnahmen greifen aber längst nicht mehr.

So haben die Kieslaster den Weg auf der Anhöhe verbreitert und dafür gesorgt, dass Regenwasser nicht auf den Feldern bleibt, sondern in Sturzbächen in Richtung Ort fließt. Dabei kommt es zur Bodenerosion und die Erde schießt als Schlammlawine abwärts. Ein zugewucherter Graben verringert zwar die Fließgeschwindigkeit, reicht aber nicht aus. Keine Erosion gibt es dort, wo eine Streuobstwiese existiert.

Wolfgang Heinrich sieht dennoch wirksame Sofortmaßnahmen. So gibt es oberhalb der westlichen Bahnunterführung eine Fläche auf städtischem Grund und Boden. Hier wäre unkomplizierte Abhilfe möglich, könnte durchaus ein Rückhaltebecken entstehen. Auch Gräben könnten ausgebaut werden. Andere Möglichkeiten sieht der Planer in der Bewirtschaftung der Felder. Beim letzten Unwetter 2019 schoss das Wasser ungebremst bergab.

Maßnahmen im Kampf gegen Schlammlawinen kosten viel Geld

Das ließe sich mit der Aussaat beeinflussen. Andere Maßnahmen kosten hingegen einiges: So ein zweites Rückhaltebecken an der anderen Unterführung. Auch Gehölzstreifen und befestigte Wege sind möglich. Allerdings läuft das derzeitige Förderprogramm aus, soll aber in ähnlicher Form weitergeführt werden. Auf jeden Fall will man im Haushalt 2021 Geld zur Gegenfinanzierung berücksichtigen.

Der Lützener Bürgermeister Uwe Weiß (SPD) sieht Änderungsmöglichkeiten bei der Wahl der Fruchtfolge. Und was die Bewirtschaftung angeht, sei das sicher ein Problem. Denn wer quer zum Acker arbeitet, läuft Gefahr, dass der Traktor wegkippt. Aber vielleicht kann man während der Ortschaftsratssitzung einen Konsens finden. Ortschaftsrat ist am 6. Mai, 19 Uhr, in der Rippacher Schule. (mz)