Nach Sturm und Starkregen

Wassermassen und Schlamm überfluten viele Teile des Dreiländerecks

Innerhalb kurzer Zeit fällt im Dreiländereck eine Unmenge Regen. Mehrere Feuerwehren im Einsatz. Landwirte sind mit blauem Auge davongekommen.

Von Yvette Meinhardt
Starkregen in Minkwitz.
Starkregen in Minkwitz. (Foto: Heiko Müller)

Minkwitz - Schwarze Wolken zogen am Samstagabend über das Dreiländereck. Gegen 20 Uhr entlud sich ein mächtiges Gewitter mit Starkregen. Eine Unwetterschneiße zog sich von Meuselwitz (Thüringen) in Richtung Auligk (Sachsen) und Minkwitz (Sachsen-Anhalt).

Minkwitz leidet unter Wassermassen und Schlammlawinen

Der höchste Niederschlag wurden in Gatzen mit 122,2 Liter die Stunde gemessen. 19.57 Uhr schrillten die Sirenen der Feuerwehren in Minkwitz und Langendorf. „Ich saß gerade vor dem Fernseher und verfolgte das Eishockey-Finale. Zuerst war das Bild weg, da trat ich auf den Hof und stand schon im nächsten Augenblick knietief im Schlamm“, erzählt Alexander Grimm. Es ging alles ganz schnell. Dann alarmierte der Mann aus Minkwitz sofort die Feuerwehr: „Die Straße musste gesperrt werden.“

30 Kameraden waren mit sechs Fahrzeugen bis 1 Uhr in der Nacht zum Sonntag im Einsatz. „Das Wasser kam vom Feld geschossen, brachte Schlammlawinen mit und raste mit hoher Geschwindigkeit in die Minkwitzer Dorfstraße. Hier überflutete es mehrere Häuser samt ihrer Höfe, Garagen und Gärten“, fasst Stefan Krause, Wehrleiter von Minkwitz, die Ereignisse des Wochenendes zusammen. Sandsäcke wurden aufgestellt, Wasser weggepumpt, Keller leer gepumpt. Bis weit in Nacht waren die Freiwilligen im Einsatz. Am Sonntagmorgen standen viele von ihnen wieder bereit und halfen bis zum späten Nachmittag.

Am Montag sieht man Schlamm und Wasser auf dem Feld.
Am Montag sieht man Schlamm und Wasser auf dem Feld.
Foto: Meinhardt

Anwohner fassungslos über die Wasserfluten

„Der Feuerwehr gilt unser herzlicher Dank und großes Lob“, sagt Heiko Müller. Auch sein Hof stand unter Schlamm und Wasser. „Wir allein hätten gar nicht die Technik gehabt, um am Tag danach den Schlamm zu beseitigen“, erzählt Müller. Die Wiese ist noch immer von einer Schlammschicht überzogen, der Kartoffeldamm hat sich um eine Schicht aus einem Gemisch von Schlamm und Heu, kurzum Schwemmgut von den Feldern erhöht. Auch am Montag waten die Besitzer noch in festen Schuhen über den Hof und beseitigen die Schäden.

Fassungslos schaut Petra Heimerdinger drein. Auf ihrem Hof stehen Couch und Sessel im Freien. Sie räumt Geschirr aus den Schränken, weil diese auch noch raus müssen. „Ich wohne seit 1959 hier, doch so etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählt die 73-Jährige. Selbst zur Jahrhundertflut im Jahr 2013 war das Grundstück samt Fachwerkhaus verschont geblieben. Das Anwesen jener Familie liegt am tiefsten Punkt in der Minkwitzer Dorfstraße. „Ich war gerade im Garten, um vor dem aufziehenden Gewitter noch mal nach dem Rechten zu schauen. Als ich zurück kam, schoss das Wasser schon auf den Hof“, sagt Petra Heimerdinger.

Unter Flutlicht kämpfte die Feuerwehr am Samstagabend.
Unter Flutlicht kämpfte die Feuerwehr am Samstagabend.
Foto: Feuerwehr

„Natürlich brauchen wir Landwirte Wasser, aber nicht in dieser Form“

Ihr Mann und sie schleppten schnell noch ein paar Sandsäcke vor die Haustür, doch Wasser und Schlamm ließen sich davon nicht aufhalten. Sie schossen durch das Haus und durch den Stall, sammelten sich hinter dem Grundstück in einem kleinen Graben. „Die Feuerwehr und unsere Nachbarn haben uns sehr geholfen“, sagt die Seniorin. Doch die Arbeit geht auch am Montag weiter. Das Erdgeschoss muss geräumt werden.

Das Holz der Türen und Möbel ist inzwischen aufgequollen. Die nächsten Wochen wird das Ehepaar mit der Beseitigung der Schäden viel zu tun haben. 40 Kameraden der Feuerwehr Groitzsch waren ebenfalls im Einsatz. „Natürlich brauchen wir Landwirte Wasser, aber nicht in dieser Form. Der Boden kann Starkregen nicht aufnehmen“, sagt Rico Käßner von der Agrar GmbH Auligk. Die Landwirte seien noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. (mz)