Sprung in die Vergangenheit

Was Pärchen am Dreißigjährigen Krieg und dem Mittelalter begeistert

Manuela Kabisch und Thomas Weber reisen nicht nur in Napoleons Zeit. Was ihnen der Dreißigjährige Krieg und das Mittelalter gibt.

Von Holger Zimmer
Nach der Kranzniederlegung bei Rippach: Manuela Kabisch und Thomas Weber
Nach der Kranzniederlegung bei Rippach: Manuela Kabisch und Thomas Weber (Foto: Holger Zimmer)

Michlitz/MZ - Was die Darstellungen der Schlachten von Großgörschen und Leipzig 1813 mit Manuela Kabisch und Thomas Weber (beide 46) zu tun haben? Beide sind tief in der Geschichte verwurzelt, haben festgestellt, dass sie schon früher getrennt die gleichen Veranstaltungen besucht, der gleichen Leidenschaft gefrönt haben. Dann sind sie sich vor gut fünf Jahren über den Weg gelaufen und es hat gefunkt. Nun laufen sie gemeinsam über die historischen Schlachtfelder und durchs Leben. Er wohnt in Roßbach, das 1757 selbst Mittelpunkt einer Schlacht im Siebenjährigen Krieg war. Sie lebt in Michlitz bei Lützen, und dort muss am 1. Mai 1813 der Kanonendonner aus Rippach zu hören gewesen sein, einem Vorgefecht von Großgörschen.

Gemeinsam waren sie auch dabei, als jüngst am Denkmal oberhalb von Rippach des Todes des französischen Marschalls Bessieres vor 208 Jahren gedacht wurde. Sie als Marketenderin, er in der Uniform eines Füsilier-Infanterieregimentes, das auf der Seite Napoleons kämpfte. Als sie sich kennenlernten, haben sie beim Bier an einem Lagerfeuer entdeckt, das sie ähnliche Hobbys haben, bald aber auch, dass sie viel mehr verbindet.

Da hatte Thomas Weber längst seine Feuertaufe bestanden, war Mitglied des Vereins „Jena 1806“, der sich liebevoll um das Schlachtfeld zwischen Franzosen und Preußen bei Jena kümmert. Davon zeugen auch Gedenkstelen an den Feldern. „Es macht Spaß, dort mitzumischen.“ Doch es geht nicht nur ums Erinnern, sondern sie fühlen sich mit ihrer nach Originalen angefertigten historischen Kleidung richtig in die Vergangenheit versetzt. Dabei greifen sie selbst zu Nadel und Faden.

„Ich wollte zum 200. Jahrestag 2015 unbedingt bei der Darstellung im belgischen Waterloo dabei sein.“

Weber erzählt, dass für ihn der erste große Höhepunkt die Schlachtdarstellungen in Großgörschen waren. Danach gab es kein Halten mehr. „Ich wollte zum 200. Jahrestag 2015 unbedingt bei der Darstellung im belgischen Waterloo dabei sein.“ Man kenne ja nur die Szenen im gleichnamigen Film, doch die Wirklichkeit sah 1815 anders aus. Auf den Feldern stand das Getreide, dessen Verlust für die Bauern ein Desaster war. Die Darstellungen in der Neuzeit vor Ort haben Weber überwältigt und faszinierten ihn gleichermaßen.

Auf die Frage, dass so etwas nicht alle mögen, antwortete Thomas Weber: „Das ist für mich keine Kriegsverherrlichung. Wir legen Kränze nieder und pflegen die Denkmäler.“ Und zwar nicht nur die der Preußen, sondern der Gefallenen aus aller Herren Länder und der Zivilbevölkerung. Allerdings waren die Zeiten zwischendurch ganz andere. So wurde der 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig mit einem Volksfest gefeiert. Das war 1913 und ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg.

„Wir sind ganz nah dran am Original.“

Allerdings muss man hart verpackt sein. So führte eine der ersten gemeinsamen Reisen Manuela Kabisch und Thomas Weber nach Austerlitz in Tschechien, wo Napoleon am 2. Dezember 1805 Österreicher und Russen geschlagen hat. „Dort mussten sich die Darsteller ordentlich anziehen.“ Mehrere Strümpfe, Hosen und Pullover halfen. Dabei betont das Paar, dass das Gros der Bekleidung aus der eigenen Herstellung stammt. „Wir sind ganz nah dran am Original.“ Doch während andere im bitterkalten Winter in Zelten schliefen, „sind wir in eine Pension gegangen“. Es gebe aber auch Leute, die sich auf den Boden legten, um es den Soldaten von vor 216 Jahren gleichzutun. Man ist auch bei kleinen Biwaks wie bei Freyburg dabei, wo jeder jeden kennt. Sie waren aber auch an anderen Orten Europas und er sogar auf Malta. Dort segelte Napoleons Flotte 1805.

Sie ist Assistentin der Geschäftsleitung bei einem Betreuungsdienst in Leipzig, er Betreiber einer Autowerkstatt in Weißenfels. Wenn sie nun auch in die Viktorianische Zeit und die des Barock eintauchen oder das Flair auf Mittelaltermärkten atmen, ist das für sie Entspannung pur. An Feuerschalen kann man hier wie dort sitzen. Daneben schießt er auch mit einem Luntenschlossgewehr, einem Nachbau aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Und während sie für alte Dinge wie Bügeleisen schwärmt, schraubt er an seinem MGB-Pkw, der mit 43 Jahren nur unwesentlich jünger ist als er und mit dem er mit seiner Lebensgefährtin gern mal auf Tour geht.