Bäume gepflanzt

Warum Klassentreffen der ehemaligen Viertklässler im Stadtwald Osterfeld stattfindet

2018 hat eine ehemalige Lehrerin mit ihren Schülern im Osterfelder Stadtwald Bäume gepflanzt. Warum sie mit ihren Ex-Viertklässlern nun vor Ort war.

Von Iris Richter
Schnell noch ein Foto hinter dem Zaun: Ehemalige Mitschülerinnen posieren  vor dem Schild, das an die Pflanzaktion erinnern soll.
Schnell noch ein Foto hinter dem Zaun: Ehemalige Mitschülerinnen posieren vor dem Schild, das an die Pflanzaktion erinnern soll. (Foto: Iris Richter)

Osterfeld/MZ - Es ist fast dreieinhalb Jahre her, da war Beate Heinicke mit 18 Grundschülern im Osterfelder Hain unterwegs. Der kleine Stadtwald liegt unterhalb der Grundschule der Kleinstadt, in der die heute 66-Jährige als Lehrerin gearbeitet hat. Damals spazierten die Mädchen und Jungen mit Hacke und Spaten bewaffnet in das grüne Areal der Stadt, um gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Bäume zu pflanzen. Nun mehr als drei Jahre später lud die naturverbundene Pädagogin ihre ehemaligen Viertklässler noch einmal in den Hain ein, um gemeinsam zu schauen, ob die Saat aufgegangen ist.

„Ich will damit erreichen, dass die Kinder sehen, was sie geschaffen haben, dass sie etwas für unsere Stadt aber auch für die Natur erreicht haben“, erklärt Beate Heinicke und erhofft sich damit auch einen erzieherischen Aspekt. Und die heutigen Siebtklässler, die mittlerweile in Schulen in Zeitz, Droyßig und Naumburg lernen, staunten nicht schlecht, wie gut ihre Bäumchen aufgegangen sind. „Erinnert ihr euch noch an unseren damaligen Heimatkundeunterricht, jeder hatte praktisch seinen Baum gepflanzt, vielleicht findet ihr euren wieder“, wandte sich die Pretzscherin denn auch an ihre ehemaligen Schüler. Die marschierten vorsichtig durchs Gelände, um ja keinen der jungen Bäume zu zerstören.

Unterschrift im Grünen: Auf einem kleinen Pappschild verewigen sich die an der damaligen Pflanzaktion beteiligten Jungen und Mädchen.
Unterschrift im Grünen: Auf einem kleinen Pappschild verewigen sich die an der damaligen Pflanzaktion beteiligten Jungen und Mädchen.
(Foto: Iris Richter)

„Ich hatte damals ganz dreckige Schuhe“

„Ich hatte damals ganz dreckige Schuhe“, ruft ein Mädchen lachend ihren Mitschülern ihre Erinnerung an die Pflanzaktion vor drei Jahren zu. Doch auch jetzt ist Achtsamkeit angesagt, denn der Boden ist durch die Regenfälle der vergangenen Tage, noch feucht und die Schatten der großen Bäume verhindern ein Abtrocknen. Denn in der Nähe des Moschelbaches hatte man damals einen idealen Standort für die 100 Buchensetzlinge, die gerade einmal dreißig Zentimeter hoch waren, gefunden.

Nicht nur weil dort, noch vor drei Jahre eine kahle Fläche war, da einige Bäume des alten Baumbestandes umgestürzt waren. Vielmehr half der feuchte Standort, den frischen Setzlingen auch beim Anwachsen, wenngleich Beate Heinicke gemeinsam mit ihrem Mann in den vergangenen Trockenjahren die Neuanpflanzung immer wieder mit Wasser versorgt hat.

 Beate Heinicke (l.) zeigt ihrer ehemaligen Klasse, dass die  damals gerade einmal dreißig Zentimetrer hohen Buchensetzlinge  gut vorangekommen sind.
Beate Heinicke (l.) zeigt ihrer ehemaligen Klasse, dass die damals gerade einmal dreißig Zentimetrer hohen Buchensetzlinge gut vorangekommen sind.
(Foto: Iris Richter)

„Die Initiative von Frau Heinicke ist wirklich toll“

Die Setzlinge hatte damals Günther Eisenschmidt, Revierförster aus Meineweh, der ebenfalls zum Klassentreffen im Grünen gekommen war, über das Forstamt besorgt. „Die Initiative von Frau Heinicke ist wirklich toll und man sieht hier ganz deutlich, wie sich die Natur erholt. Die Kinder waren damals Feuer und Flamme für das Bäumepflanzen“, spricht Eisenschmidt als Fachmann. Er freute sich, dass gut achtzig Prozent der Bäume angewachsen sind. Von diesen Bäumen würden letztlich die stärksten überleben. „Es ist wichtig, dass angepflanzt wird, aber auch, dass man der Natur die Gelegenheit gibt, sich selbst zu verjüngen“, sagt Eisenschmidt.

Gruppenbild mit jungen Buchen im Osterfelder Hain: Vor drei Jahren pflanzten die damaligen Viertklässler  gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin  Bäume an. Nun schauten sie sich an, ob  die Bäume angewachsen sind.
Gruppenbild mit jungen Buchen im Osterfelder Hain: Vor drei Jahren pflanzten die damaligen Viertklässler gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Bäume an. Nun schauten sie sich an, ob die Bäume angewachsen sind.
Foto: Iris Richter

Vieles ist bei der Pflanzaktion vor drei Jahren Hand in Hand gegangen. Zum einen hatte man das Umweltamt mit ins Boot geholt zum anderen die Stadt. Denn die finanzierte den Zaun rund um die Neuanpflanzung und ließ ihn durch die Stadtarbeiter auch aufstellen. Denn ein solcher Zaun ist nötig, um die Jungpflanzen vor Wildfraß zu schützen. In drei Jahren will Beate Heinicke ihre ehemaligen Schüler, kurz bevor die die 10. Klasse beenden, noch einmal zusammentrommeln, um gemeinsam die weitere Entwicklung der Bäume zu begutachten. „Letztlich geht es ja darum, für die Natur vor der Haustür etwas zu tun und nicht nur darüber zu reden“, so die 66-Jährige.