Start der Kirschernte

Warum Gosecker Obstbauer bessere Erträge als in den Vorjahren erwartet

Auf der Obstplantage von Sylvio Diethe hat in Goseck die Ernte begonnen. Pflückt der Chef die Sauerkirschen im August wieder selbst?

Von Holger Zimmer
Gabriel Barbu  (im Bild) arbeitet mit seinen rumänischen Landsleuten auf der Obstplantage von Sylvio Diethe.
Gabriel Barbu (im Bild) arbeitet mit seinen rumänischen Landsleuten auf der Obstplantage von Sylvio Diethe. Foto: Holger Zimmer

Goseck/MZ - Drei Rumänen helfen derzeit in der Gosecker Obstplantage von Sylvio Diethe. Am Montagvormittag haben sie begonnen, die ersten Kirschen in die Körbe zu pflücken. Groß, saftig und fast komplett schwarz sind die reifen Früchte, die entweder im Hofladen im Gewerbegebiet Markröhlitz oder durch die Erzeuger- und Absatzgenossenschaft Saale-Obst Salzatal vermarktet werden. Die Sorte heißt Summit, was im Englischen „Gipfel“ bedeutet und die Kirschen sind es tatsächlich.

Diesjährige Kirschernte könnte Totalausfall 2015 vergessen lassen

Margareta und Gabriel Barbu sind um die 40 Jahre alt, der Dritte im Bunde, Stefan Nistor, Mitte 30. Das Trio aus Konstanza pflückt in der Kirschen- und der Apfelernte im Herbst für Diethe, der sich auf die Helfer aus Südosteuropa verlassen kann. Die Arbeit geht bei ihnen flott. Gabriel Barbu jobbt gern in Deutschland und war sogar schon mal für ein halbes Jahr in Hamburg. Ist die Erntezeit in Goseck ran, warten die Arbeitskräfte auf einen Anruf oder telefonieren selbst nach Deutschland.

Es könnte ein richtig gutes Jahr werden, meint Sylvio Diethe, und die schlechten Jahre vergessen machen. Und er verweist auf den Totalschaden, als Mitte August 2015 Hagel Sauerkirschen und Äpfel vernichtete. 2018 war es viel zu trocken und im vorigen Jahr hatte der Frost zu den Eisheiligen so zugeschlagen, dass die Aprikosen - so wie in diesem Jahr - gar nichts wurden und die Äpfel ein Totalausfall waren. Sie fielen viel zu klein aus und wurden vom Handel nicht abgenommen. „Mir blieb am Ende nur, Most daraus zu machen“, sagt Diethe.

Wetterkapriolen sorgen dafür, dass sich Erntebeginn für einzelne Sorten immer weiter nach vorn verschoben hat

Er arbeitet seit 1984 in der Plantage, die früher größer war und jetzt knappe 19 Hektar zählt. Als sich die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft nach der Wende vom Obstanbau trennte, machte er sich selbstständig. „Schließlich habe ich das von der Pike auf gelernt.“ Das ging auch viele Jahre gut, bis der verstärkte Klimawandel manches Jahr die Ernte minimierte. Mehrere Jahre sorgten Wetterkapriolen dafür, dass sich der Erntebeginn für die einzelnen Sorten immer weiter nach vorn verschoben hat.

Deshalb hat der Obstbauer vor Jahren mit dem Bau einer Bewässerung begonnen. Wurde dafür zunächst die ortseigene Wasserversorgung genutzt, ließ er nun mit Unterstützung von Saale-Obst einen 80 Meter tiefen Brunnen bohren, verlegte die Zubringerleitungen und die Schläuche, die für die Tröpfchenberieselung sorgen. Inzwischen werden tausende Bäume auf zwölf Hektar bewässert. Die letzten sieben Hektar kommen demnächst dran.

Obstbauer plant Investition von rund 10.000 Euro

Heißt das, dass im kommenden Jahr die gesamte Plantage bewässert werden kann? Sylvio Diethe bleit Realist und winkt ab. „In diesem Sommer wird das vorige Erntejahr finanziell abgerechnet. Und weil es ein schlechtes Jahr war, können wir keine großen Sprünge machen.“ Das heißt folgerichtig, dass Diethe erst investieren kann, wenn der sogenannte Rubel rollt. Vorausgesetzt natürlich, dass dieses Erntejahr hält, was es jetzt verspricht. Immerhin geht es um eine Investition von rund 10.000 Euro. Die ist wichtig, schließt aber nicht aus, dass noch Unwetter oder Hagel Schaden anrichten. „Wir können auf die Natur etwas Einfluss nehmen, mehr aber auch nicht.“

Dennoch bereut der Obstbauer, der in Uichteritz lebt, den Sprung in die Selbstständigkeit nicht. Doch derzeit ruckelt die Natur selbst zurecht, was sich durch Trockenperioden verschoben hat. In diesem Jahr hat die Kirschenernte jedenfalls erst wieder Ende Juni begonnen. Im Vorjahr begann sie zwei Wochen früher. Ob er in diesem Jahr die rund 300 Sauerkirschbäume zum Selbstpflücken freigibt oder das wieder selbst übernimmt, steht gegenwärtig noch nicht fest. Aber die Rumänen werden mit der Apfelernte das Plantagenjahr auf jeden Fall beenden.