Umwelt

Umwelt: Nitrat belastet Wasser der Saale

Naumburg - Der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz hat während einer Messfahrt im März 2017 festgestellt, dass die Nitratkonzentration in der Saale zu hoch ist. Untersucht wurde der Bereich vom Mittellauf bei Kaulsdorf in Thüringen bis zur Mündung der Saale in die Elbe bei Barby.

Von Franziska Fiedler
Wie gut sind die Werte? Harald Gülzow bei Arbeiten im Labormobil des VSR-Gewässerschutzes.

Der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz hat während einer Messfahrt im März 2017 festgestellt, dass die Nitratkonzentration in der Saale zu hoch ist. Untersucht wurde der Bereich vom Mittellauf bei Kaulsdorf in Thüringen bis zur Mündung der Saale in die Elbe bei Barby. Dabei fiel der gesamte beprobte Bereich negativ auf, informiert Vorstand Harald Gülzow in einer Pressemitteilung.

Bis Ende 2003 hieß der VSR-Gewässerschutz „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“. Dieser entstand Anfang der 1980er Jahre als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen am Rhein und Main. Auf Anregung der Bürger wurde das Untersuchungsgebiet ausgedehnt. Während früher die industriellen und kommunalen Einleitungen in die Flüsse Belastungen darstellten, haben sich die Probleme zu den diffusen Belastungen aus Grundwasser, Drainagen, Erosion und Abschwemmung verschoben. (ff)

Die Saale hat für die Nährstoffmenge in der Elbe eine große Bedeutung. Sie gehört zu einem der wasserreichsten Nebenflüsse. Deshalb sieht der Verein eine Nitratbelastung von 18 Milligramm pro Liter (mg/l) an der Saalemündung als sehr kritisch an. Die Saale ist stark daran beteiligt, dass die Elbe beim Zufluss in die Nordsee den Grenzwert von 12,3 mg/l Nitrat nicht einhalten kann. Dieser Wert ist als Ziel durch die Oberflächengewässerverordnung festgesetzt, um die Belastung der Nordsee zu verringern.

Besonders hoch ist die Belastung mit 26 mg/l Nitrat am Startpunkt der Messfahrt, Saalfeld in Thüringen. Der Zufluss der Ilm reduziert den Nitratwert im Raum Naumburg auf 21,8 mg/l. Die Unstrut verringert mit 14,6 mg/l Nitrat die Belastung in der Saale bei Weißenfels auf 18,5 mg/l. Bei der Messfahrt 2010 trug die Unstrut mit 23 mg/l noch sehr zur Belastung der Saale bei.

Der Ursache der hohen Konzentration geht der VSR-Gewässerschutz schon seit Jahren nach. Hauptgrund ist die intensive Landwirtschaft. Die Saale ist in vielen Bereichen von Ackerflächen umgeben. Auen, welche die Nährstoffe aus dem Saalewasser herausfiltern können, fehlen. So stellte die Umweltschutzorganisation bei ihren Messungen in weiten Bereichen stark nitratbelastetes Grundwasser fest. Dieses sickert der Saale zu und trägt zu einer erheblichen Nitratbelastung bei.

Die Amtsleiterin des Umweltamtes des Burgenlandkreises, Ariane Körner, bestätigt die Einschätzung der Wasserschutzorganisation: „Ursache für die hohen Nitratwerte im Grundwasser ist in erster Linie die stickstoffhaltige Düngung in der Landwirtschaft“. Reichert sich Nitrat im Grundwasser an, sei das in der Regel ein Hinweis auf eine falsche Düngung. Wird mehr Gülle oder Mineraldünger auf die Felder ausgebracht, als die Pflanzen aufnehmen können, sickert das überschüssige Nitrat bis ins Grundwasser, so Körner.

Mathias Weiland vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass die Nitratwerte im Bereich des Burgenlandkreises im Rahmen der Gewässerüberwachung regelmäßig untersucht werden. Dabei stellt er fest, dass sich zwei Grundwasserkörper im Bereich des Burgenlandkreises bezüglich Nitrat „im schlechten Zustand befinden“. Von 50 Messstellen überschreiten 20 den kritischen Wert von 37,5 mg/l Nitrat, bei dem nach EU-Grundwasserrichtlinie und der deutschen Grundwasserverordnung bereits Gegenmaßnahmen einzuleiten sind.

An Messstellen in Baumersroda, Freyburg, Gleina, Kretzschau, Memleben, Nebra, Leislau, Tromsdorf und Eckartsberga wird der Schwellenwert von 50 mg/l Nitrat sogar überschritten - teilweise auch mit steigendem Trend. „Im Einzugsgebiet dieser Messstellen sind Maßnahmen zur Verbesserung der Grundwassergüte notwendig“, so Weiland.

Um die Nitratbelastung im Grundwasser zu senken, sei ein Umdenken bei den Landwirten und landwirtschaftlichen Verbänden nötig, so Harald Gülzow.