„Wir Jugendlichen langweilen uns zu Tode“

So soll der Jugendclub in Nessa wieder zum Leben erweckt werden

Lange Jahre passierte aufgrund von Wegzug wenig im Jugendclub der Einzugsgemeinde von Teuchern. Doch das soll sich nun ändern.

Von Meike Ruppe-Schmidt
Adelheid Lukas, Michael Schellenberg und Isabell Baller (v.l.) wollen den Jugendclub Nessa wieder beleben.
Adelheid Lukas, Michael Schellenberg und Isabell Baller (v.l.) wollen den Jugendclub Nessa wieder beleben. Foto: Peter Lisker

Nessa - Der Aufenthaltsraum mit Musikanlage war sein zweites Wohnzimmer. Im Hof feierte er Grillpartys mit Freunden. Und beim Spiel am Kickertisch hatte er immer Spaß. Für Michael Schellenberg war der Jugendclub in Nessa wie ein Zuhause. Doch in den letzten Jahren verwaisten die Räumlichkeiten immer mehr. „Die Leute wurden älter, viele zogen weg“, erklärt der 32-jährige Nessaer. „Am Ende saßen wir zu viert hier und dachten: Das war’s.“

Nessa braucht Jugendclub: „Wir Jugendlichen langweilen uns zu Tode“

Doch nun soll es doch weitergehen mit dem geliebten Club. Denn Ortsbürgermeisterin Adelheid Lukas (SPD) hat die Initiative ergriffen und vor mehreren Wochen einen Aufruf im Amtsblatt gestartet, in dem sie Nachfolger für den Jugendclub in Nessa suchte. Mit Erfolg: Inzwischen gibt es eine Gruppe von zehn Jugendlichen aus der ganzen Einheitsgemeinde, die den Treffpunkt wieder zum Leben erwecken wollen. Eine von ihnen ist Isabell Baller aus Trebnitz. „Wir haben keinen Ort mehr, an dem wir uns treffen können“, so die 17-jährige Gymnasiastin.

„Dies ist der letzte Jugendclub in der Gemeinde, der nicht abgemeldet wurde.“ Zudem seien Vereinstätigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie kaum möglich, Kinos und Schwimmbäder geschlossen. Abschlussfahrten und Tanzschulen finden nicht statt. „Wir Jugendlichen langweilen uns zu Tode“, so die 17-Jährige. Viele Altersgenossen würden in Lethargie und Resignation verfallen. Ein Eindruck, den Ortsbürgermeisterin Lukas teilt. „Ich sehe, wie die jungen Leuten auf Spielplätzen und Parkbänken herumhängen bei Wind und Wetter“, sagt sie. „Warum soll man ihnen keinen Platz bieten?“

Angebot für die Jugend: Grillabende, Mottopartys, zwangloses Beisammensein oder gegenseitige Lernhilfe

Einen Platz - und eine Aufgabe. Denn die jungen Leute wollen zunächst die Räumlichkeiten wieder auf Vordermann bringen - natürlich unter Einhaltung der Coronaverordnungen. „Die Wände benötigen einen frischen Anstrich, der Fußboden ist verschlissen“, so Lukas. „Auch die Sanitäranlagen müssten erneuert werden.“ Vieles will man in Eigenleistung anpacken. „Ich bin sicher, dass der Club auf diese Art wieder ein Magnet für junge Leute werden kann“, so Isabell Baller.

„Grillabende, Mottopartys, zwangloses Beisammensein oder auch gegenseitige Lernhilfe - das zieht bestimmt viele Jugendlichen aus der Region nach Nessa.“ Das Anwesen, auf dem sich außerdem noch Heimat-, Senioren-, Schallmeien- und Fußballverein sowie der Hort befinden, biete die perfekten Rahmenbedingungen, um hier eine Gemeinschaft entstehen zu lassen.

Stadt unterstützt Vorhaben, den Jugendclub wiederzubeleben

Sorge, dass es Probleme mit Drogen oder Lärm geben könnte, hat Lukas nicht. „So etwas kam hier in Nessa nie vor“, sagt sie. Und Isabell Baller meint: „Es liegt an uns, gegen diese Dinge eine klare Linie aufzuzeigen.“ Und: „Für uns ist das eine gute Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen.“

Ein Engagement, das man seitens der Stadt unterstützt. „Es ist ein richtiger Ansatz, der Jugend ein Angebot zu unterbreiten, um sie an die Region zu binden“, sagt Teucherns Bürgermeister Marcel Schneider (parteilos). Wie sehr man der Jugend dabei auch finanziell unter die Arme greifen kann, das hänge jedoch davon ab, wie sehr es der klamme Haushalt zulasse. Mit tatkräftiger Hilfe können die jungen Leute auf jeden Fall von den „Club-Oldies“ rechnen. Denn, so Michael Schellenberg: „Der Club ist und bleibt unser Herzstück.“ (mz)