Mehr als nur Talent

Mehr als nur Talent: Zeitzer Kickerin Paula Höppner auf dem Weg in die Bundesliga?

Zeitz - Zum Beruf will Paula Höppner ihren Sport später einmal nicht machen. Nicht nur, weil sich damit wohl kaum Geld verdienen lässt. Sie betreibt ihn, weil „es einfach Spaß macht“, wie sie selbst sagt.

Von Olaf Wolf

Zum Beruf will Paula Höppner ihren Sport später einmal nicht machen. Nicht nur, weil sich damit wohl kaum Geld verdienen lässt. Sie betreibt ihn, weil „es einfach Spaß macht“, wie sie selbst sagt.

Fußball spielt die 14-jährige Gymnasiastin aus Würchwitz, einem kleinen Ort nahe der Landesgrenze zu Thüringen. Und das hatte bis vor kurzem so seine Vorteile, weiß sie zu berichten. „In Thüringen durfte man bis vor wenigen Tagen noch mit dem Team trainieren. Das war in Sachsen-Anhalt da schon nicht mehr möglich“, erklärt sie mit ernster Miene. Zweimal wöchentlich pendelte sie also ins rund 60 Kilometer entfernte Jena, um beim dortigen FC Carl Zeiss ihre Fußballschuhe zu schnüren. „Ich kann dort viel lernen. Das ist schon recht professionell“, sagt Paula über ihr Training bei den Jenensern.

Und so schlecht scheint Paula nicht zu sein. In der B-Juniorinnen-Mannschaft des FC Carl Zeiss kickt sie dort als Gastspielerin. Die spielen immerhin in der Bundesliga Nord/Nordost. Paula ist da eine der Jüngsten im Team. Ihr Heimatverein ist aber der 1.  FC Zeitz, stellt sie sofort klar. „Die haben leider keine Damenmannschaft. Daher spiele ich in Zeitz bei den C-Junioren mit den Jungs zusammen“, erzählt Paula Höppner. Rücksicht würden die Gegner aber nicht wirklich darauf nehmen, dass ein Mädchen mitspielt. „Aber ich kann auch ganz gut austeilen“, sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Bei den Zeitzern sieht man sie zumeist als rechte Außenverteidigerin, während sie in Jena auch zentral eingesetzt werde. „Meine Stärken“, erklärt sie nach kurzem Zögern, „sind meine gute Übersicht und dass ich Bälle gut verteilen kann.“

Fußball hat Tradition

Das Paula Höppner aus einer fußballbegeisterten Familie kommt, hat sich in Zeitz längst herumgesprochen. Bruder Richard kam vor knapp zwei Jahren vom ZFC Meuselwitz zum 1. FC Zeitz. Auch er ist meistens in der Abwehr anzutreffen. Doch nicht er war die treibende Kraft dafür, dass sich auch die um sechs Jahre jüngere Schwester die Fußballschuhe anzog. Mutter Karina war es, die ihre Tochter begeisterte. Die spielt seit vielen Jahren beim SV Spora in der dortigen Damenmannschaft, ist zudem Kapitänin.

„Sie hat mich schon in meinen frühen Jahren mit auf den Fußballplatz genommen“, weiß Paula noch. „Sie hat vorher getanzt und war beim Turnen. Wir wollten aber mal testen, wie sie sich bei Mannschaftssportarten so macht. Also haben wir sie beim 1. FC Zeitz angemeldet. Es hat ihr sofort Spaß gemacht und sie wollte dann nur noch Fußball spielen“, blickt Mutter Karina zurück. Doch damit nicht genug. Bereits Urgroßvater Fritz Höppner spielte in Zeitz Fußball. Mitte der 50er Jahre gehörte er zum erweiterten Kader der Ligamannschaft der BSG Chemie Zeitz, schaut heute noch gelegentlich seiner Enkelin und den Urenkeln beim Kicken zu.

Bei den Zeitzern wird sie seither von Angelika Frank trainiert. Die ist voll des Lobes über ihren Schützling. „Paula ist in der Mannschaft akzeptiert, nicht nur, weil sich das Team seit der Bambinizeit kennt. Die anderen wissen zu schätzen, was sie drauf hat“, sagt die Übungsleiterin. Und sie ergänzt: „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie später mal in der Bundesliga spielt. Sie hat auf jeden Fall das Zeug dazu.“ Der Club aus Jena scheint das offensichtlich ebenfalls erkannt zu haben. Und das sie dort trainiere, ist für den 1. FC Zeitz im Übrigen kein Problem.

Gemeinsames Fachsimpeln

Talent scheint also ob der familiären Gene vorhanden zu sein. Vor zwei Jahren wurde sie erstmalig zum Sichtungslehrgang für die Landesauswahl Sachsen-Anhalts eingeladen, war im vergangenen Jahr beim Lehrgang der U14 Sachsen-Anhalts mit in Duisburg. Das hat sich inzwischen auch in der Schule herumgesprochen. „Na ja, die Lehrer fragen schon ab und zu einmal, wie es so läuft“, erzählt sie nach kurzem Zögern.

Nur der Vater hält sich etwas aus dem Fußball heraus, ist selbst passionierter Tennisspieler. Es hänge aber auch mit dem Job des Papas zusammen. Der ist Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus der Baubranche, habe dafür wenig Zeit, meint die junge Fußballerin. Ob man zu Hause über Fußball rede? „Ja“, bestätigt Paula. Überhaupt schaue man, sofern sich die Zeit ergibt, auch gemeinsam den Profis beim Kicken im TV zu. Und natürlich werden auch die Länderspiele der Frauen aufmerksam verfolgt. „Da wird natürlich anschließend auch gefachsimpelt“, so Mutter Karina. Und man schaut auch mal hin, was denn die anderen so treiben. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Paula ihrer Mutter beim Sonntagsspiel zuschaut. Auch die Spiele des Bruder verfolge man, sofern es die Zeit zulässt. „Das geht aber nur ab und zu, da ich ja auch unterwegs bin“, erklärt die 14-Jährige. Da passiere es höchstens bei den Heimspielen in Jena oder in Zeitz, dass die Familie vor Ort sei. „Nein, zu den Auswärtsspielen fahren wir nicht mehr mit“, bestätigt Mutter Karina. Wohl auch, weil sie selbst irgendwo auf den Rasenplätzen unterwegs ist.

Nun ist wegen des erneuten Lockdowns erst einmal individuelles Training angesagt. Im heimischen Garten wird fleißig geübt. Einen individuellen Trainingsplan gab es sowohl aus Jena als auch aus Zeitz. Ihre Trainer müssen aber sich sicher keine Sorgen machen, dass Paula Höppner diese vernachlässigt. Denn gemeinsam mit Bruder Richard und Mutter Karina lässt es sich doch besser trainieren. Eines beschäftigt Paula schon jetzt: sie will so schnell wie möglich wieder auf den Trainingsplatz zurückkehren, um ihrem geliebten Sport wieder nachgehen zu können. (mz)