Landesweingut

Landesweingut : Noch mal von vorn

Schulpforte - Diese Nachricht hatte niemand auf dem Radar: Kein Neubau des Landesweingutes in Schulpforte. Die Begründung: Unvorhersehbar schwierige Bodenverhältnisse auf dem einstigen Klostergelände, die zu einer Kostenexplosion führen. Die Aufsichtsräte des Weingutes und dessen Eigentümerin, der Landgesellschaft, haben deshalb beschlossen, den Neubau in Schulpforte nicht ...

Von Michael Heise 07.12.2018, 09:48

Diese Nachricht hatte niemand auf dem Radar: Kein Neubau des Landesweingutes in Schulpforte. Die Begründung: Unvorhersehbar schwierige Bodenverhältnisse auf dem einstigen Klostergelände, die zu einer Kostenexplosion führen. Die Aufsichtsräte des Weingutes und dessen Eigentümerin, der Landgesellschaft, haben deshalb beschlossen, den Neubau in Schulpforte nicht umzusetzen.

Planungstechnisch weit fortgeschritten war das Projekt, ein Architekturwettbewerb förderte zu Tage, wie Neubauten und Gelände aussehen sollen. Politische Gremien machten den Weg frei, nächste Woche sollte der Naumburger Gemeinderat letzte bauplanerische Hürden aus dem Weg räumen; und für das Landesweingut stand das sportliche Ziel, den Wein des Jahrgangs 2021 am neuen Standort abzufüllen. Das alles scheint nun für die Katz’. Oder doch nicht? An der Entscheidung, in Schulpforte nicht zu bauen, jedenfalls will keiner rütteln. Björn Probst, Geschäftsführer des Landesweingutes: „Nach den Ergebnissen der erneuten Bodenprüfung war klar, der Standort hat keine Perspektive.“ Eine schmerzliche Erkenntnis, meint er, aber eine, die man der Kosten wegen zu akzeptieren habe. „Eine andere Entscheidung wäre nicht zu vermitteln gewesen“, so Probst.

Der Plan, ein neues Landesweingut zu bauen, besteht aber weiterhin, daran will der Geschäftsführer keine Zweifel aufkommen lassen: „Der bisherige Standort in den Saalhäusern bietet keine wirtschaftliche Perspektive. Wir müssen uns verändern.“ Ins Gespräch kämen nun wieder bereits diskutierte Varianten und mögliche neue Ideen. Geprüft werden solle auch, inwiefern sich Teile des Siegermodells aus dem Architekturwettbewerb transferieren lassen. Und, so Probst: „Wir werden wie bisher mit unserer Vinothek in Schulpforte präsent sein, dort sind die Wurzeln des Betriebes.“

Bei der Stiftung Schulpforta, auf deren Gelände gebaut werden sollte, hört man das gern, macht aber keinen Hehl daraus, von der Absage kalt erwischt worden zu sein. „Es war von vornherein kein einfaches Projekt, im Gegenteil, es stand oft auf der Kippe. Umso schmerzlicher ist es, dass nach zähem Ringen allein der Kostenfaktor alles zunichte macht. Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus ist die Absage aber völlig richtig. Es nützt am Ende nichts, wenn es eine Immobilie gibt, die man nicht betreiben kann“, meint Prokurator Arndt Gerber. Er hofft nun, dass ein alter Gedanke wieder auflebt, und die Vinothek des Landesweingutes im ehemaligen Speicher eingerichtet wird. Größer, schöner, gekoppelt mit Gastronomie. Auch, dass ein Teil der Weingutsverwaltung einzieht, hält Gerber nicht für abwegig.

Oberbürgermeister Bernward Küper ist diese Woche von Staatsminister Rainer Robra, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Landesweingutes, von der „Sachlage“ informiert worden. „Als ich das gehört habe, war ich platt“, gibt Küper zu. Auch er betont, dass es ein schweres Ringen um das Projekt gegeben habe, die Finger immer wieder in die Wunde gelegt worden seien. Vor allem beim Umwelt- und Denkmalschutz. „Wir wussten auch, dass es mit dem Baugrund schwierig ist, aber nicht in dem Ausmaß, wie es jetzt bekannt wurde. Zum Schluss jedenfalls gab es ein sehr überzeugendes Konzept“, schätzt Küper ein. Der OB geht davon aus, dass jetzt alle möglichen Alternativen im Umfeld Bad Kösens zügig diskutiert werden.