Behaupten und Schlichten

Konflikte richtig entschärfen: Kampfsportschule in Lützen bietet besondere Kurse an

Die Kampfsportschule „EWTO“ in Lützen bringt Kindern und Jugendlichen bei, wie Konflikte richtig entschärft werden. Was sie künftig noch vorhaben.

Von Franz Ruch 10.09.2021, 16:03
Der elfährige Jonas (links) und die achtjährige Mia (rechts) üben, wie man sich in Konfliktsituationen behauptet. Die Leiter der Kampfschule EWTO, Tom Karius und Kornelia Fröde, zeigen ihnen, wie es richtig geht.
Der elfährige Jonas (links) und die achtjährige Mia (rechts) üben, wie man sich in Konfliktsituationen behauptet. Die Leiter der Kampfschule EWTO, Tom Karius und Kornelia Fröde, zeigen ihnen, wie es richtig geht. (Foto: Franz Ruch)

Lützen/MZ - „Halt!“, ruft die achtjährige Mia und streckt ihre Hände demonstrativ dem elfjährigen Jonas entgegen. Der versucht, sie mit einem Fingerzeig einzuschüchtern, doch Mia bleibt standhaft. „Richtig so“, sagt Trainerin Kornelia Fröde und ermutigt die junge Lützenerin, sich gegenüber ihrem vermeintlichen Angreifer mit wachsamen Augen zu behaupten. Was sich hier in der Alten Kaufhalle in Lützen abspielt, ist keine echte Bedrohungssituation, sondern ein Rollenspiel. Das soll Kindern und Jugendlichen beibringen, wie sie sich in Konfliktsituationen richtig verhalten. Angeboten wird der Kurs von der Kampfsportschule „EWTO“ in Lützen, die sich Selbstverteidigung und Selbstbehauptung auf die Fahne geschrieben hat.

„EWTO“ steht dabei für den zugehörigen Dachverband, die Europäische Wing-Tsun-Organisation, die auch in Österreich und der Schweiz Schulen unterhält und auf der gleichnamigen chinesischen Kampfkunst basiert. Ein wesentlicher Teil davon ist die Selbstverteidigung. Doch beim EWTO-Angebot in Lützen geht es um mehr.

Der Schwerpunkt von Kornelia Fröde und Tom Karius, den Leitern der Lützener Kampfsportschule, liegt auf der Kinder- und Jugendarbeit. Die Themen sind Schutz vor Aggressionen und Mobbing bis hin zu sexualisierter Gewalt. „Alles Sachen, mit denen die Jugendlichen in ihrem Alltag in der Schule konfrontiert sind“, sagt Kornelia Fröde. So sei ein wichtiger erster Schritt, das Nein-Sagen zu lernen, sich selbst zu behaupten und Konfliktsituationen gezielt zu deeskalieren. „Wir zeigen den Kindern erstmal ihre innere Stärke“, so die Leiterin.

„Wie man sich verhält, wenn jemand einem den Weg versperrt“

Und das gehe am besten spielerisch, angeknüpft an die realen Alltagssituationen. „Wir üben zum Beispiel, wie man sich verhält, wenn jemand einem den Weg versperrt“, sagt Tom Karius. Den Schülern werde dann vermittelt, dass Abwarten eher zum Ziel führen kann, als mit blinder Aggression zu antworten.

Die Kurse bei EWTO in Lützen orientieren sich an Altersstufen. Aktuell gibt es die „Minis“ von fünf bis acht Jahren, die „Kids“ von neun bis 13 Jahren, eine Erwachsenengruppe, eine Seniorengruppe und eine separate Frauengruppe. Auch eine Jugendgruppe wolle man perspektivisch noch aufbauen, wenn der Bedarf groß genug ist. Bei den meisten der Gruppen gehe es vornehmlich um Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. Lediglich die Erwachsenengruppe fokussiere sich vollständig auf die traditionelle Wing-Tsun-Kampfkunsttechnik.

„Die Stadt Lützen hat uns am Anfang nicht ernst genommen“

Die EWTO-Schule existiert seit 2019 in Lützen, damals noch unter Leitung von Jens Nerlich, der eine entsprechende Schule in Zeitz leitet. Tom Karius und Kornelia Fröde lernten sich dort bei einem gemeinsamen Training kennen, zogen dann als Paar nach Lützen und leiten seit September auch offiziell die hiesige Schule. Anfänglich hätten beide hier noch Schwierigkeiten gehabt, sich zu behaupten. „Die Stadt Lützen hat uns am Anfang nicht ernst genommen“, sagt Kornelia Fröde. Doch nachdem gerade die separat angebotenen Gewaltpräventionskurse auf Anklang stießen, habe auch die Stadtverwaltung ihre Ohren gespitzt.

Aktuell geht es der EWTO darum, ihre momentan eher notdürftige Trainingsstätte in der alten Kaufhalle in adäquatere Räumlichkeiten zu verlagern. Dafür stehe man gerade in Gesprächen mit der Stadtverwaltung. Ferner sollen auch die Schulen stärker in den Fokus rücken. Die geplanten Gewaltpräventionskurse mit Schulkassen mussten bisher wegen Corona ausfallen.

Infos zum Angebot und zu Kurszeiten finden sich auf der Webseite selbstverteidigung.luetzen.org.