Integrationsprojekt in Schleinitz

Integrationsprojekt in Schleinitz: Job, Umzug, Führerschein?

Schleinitz - Vom Leistungsempfänger zum Verdiener - das trifft auf Riya Sha und ihren Ehemann Rohan Patel zu. Die beiden kamen als Flüchtlinge aus Indien in den Burgenlandkreis, inzwischen haben beide einen Job und eine Wohnung, lernen fleißig Deutsch und Patel steht kurz vor der theoretischen Fahrschulprüfung. Damit gehören sie zu jenen 148 Teilnehmern eines Modellprojektes im Burgenlandkreis, das es Flüchtlingen und Asylbewerbern ermöglichen soll, eine Ausbildung oder Arbeit ...

Von Claudia Petasch

Vom Leistungsempfänger zum Verdiener - das trifft auf Riya Sha und ihren Ehemann Rohan Patel zu. Die beiden kamen als Flüchtlinge aus Indien in den Burgenlandkreis, inzwischen haben beide einen Job und eine Wohnung, lernen fleißig Deutsch und Patel steht kurz vor der theoretischen Fahrschulprüfung. Damit gehören sie zu jenen 148 Teilnehmern eines Modellprojektes im Burgenlandkreis, das es Flüchtlingen und Asylbewerbern ermöglichen soll, eine Ausbildung oder Arbeit aufzunehmen.

Markus Permesang, Geschäftsführer der Bagel Roto-Offset GmbH im Gewerbegebiet Schleinitz bei Osterfeld, hat dem Paar eine Chance gegeben, sich im Betrieb zu beweisen. Wohlweißlich, dass es neben der fachlichen auch eine sprachliche Barriere zu überwinden gibt. Aber er hat diesen Schritt nicht bereut. Auch wenn es für den Geschäftsführer erst einmal Mehrarbeit bedeutete, sich um das Paar zu kümmern. „Ich sehe es aber als eine Aufgabe, auch als eine zivilgesellschaftliche, an, sich bei der Integrationsarbeit zu engagieren“, sagt Permesang.

Schauen, ob sie zueinander passen

So hat er für ein erstes Treffen einen Bildband angefertigt, der das Unternehmen und den Betriebsalltag darstellt. Dann bot er beiden einen Praktikumsplatz im Rahmen des Projektes an. Das wiederum hält er für einen sehr wichtigen Aspekt für beide Seiten. Denn so können Unternehmen und Bewerber schauen, ob sie zueinander passen, ob die Arbeit geschafft wird, wie weit die Sprachkenntnisse reichen und ob die Asylbewerber in den betrieblichen Alltag integriert werden können.

„Beide sind sehr motiviert, alles zu verstehen“, sagt Permesang. So fiel es ihm nicht schwer, ihnen einen Arbeitsvertrag anzubieten. Das haben im gesamten Kreis schon 17 Frauen und Männer des Integrations-Projektes erreicht.

Riya Sha arbeitet nun in der Druckerei im Qualitätsmanagement und hat viel Spaß an der Arbeit. Anfangs stand ihr ein Kollege zur Seite, um sie anzulernen und ein wenig die sprachliche Hürde zu überbrücken. Inzwischen ist sie selbstständig tätig, vieles wird in Deutsch besprochen. Ihr Mann Patel arbeitet in Schichten. Geschäftsführer Permesang will ihm später eine Facharbeiterausbildung anbieten. Das Zeug dazu hat er: „Und wenn er die nötige Sprachkompetenzen hat, ist das möglich.“

Hilfsbereitschaft und Engagement

Er sagt auch ganz offen, dass die Einstellung der beiden nicht nur reine Hilfsbereitschaft und Engagement in Sachen Integration ist. Natürlich sieht er darin auch eine Chance für das Unternehmen, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Denn in den letzten Jahren seien wenig Bewerbungen - gerade von jungen Leuten - eingegangen. In dem jungen indischen Ehepaar habe er motivierte Mitarbeiter gefunden.

Der Burgenlandkreis ist seit einem Jahr Träger des Projektes „Berufliche Integration in Ausbildung und Arbeit von Asylbewerbern und Flüchtlingen“. Dieses wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Europäischen Sozialfond gefördert. Bisher haben im Kreis 148 Frauen und Männer an dem Projekt teilgenommen. 17 von ihnen konnten in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt werden, vier nahmen einen Minijob auf. Aktuell haben 60 Firmen und Einrichtungen im Kreis einen Praktikumsplatz im Rahmen des Projektes bereitgestellt, weitere haben ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärt. (Quelle: burgenlandkreis)

Nicht nur die Firma, sondern der Geschäftsführer ganz persönlich haben von der bisherigen Zusammenarbeit und dem anderen Kulturkreis profitiert. „Integration hört ja nicht am Betriebsgelände auf“, so Permesang. So ist zwischen den Dreien im Laufe der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis gewachsen.

Er lobt auch die gute Unterstützung aus der Kreisverwaltung, die Träger des Projektes ist. In der Behörde und bei den Projektpartnern habe er stets Hilfe erfahren. Nun soll das Paar noch in Osterfeld Fuß fassen. Dabei möchte der ehemalige Osterfelder Bürgermeister Gerd Seidel helfen und sie in der Stadt herumführen, mit Vereinen bekanntmachen. Vielleicht ist ja etwas dabei, was beiden gefallen könnte. Riya Sha malt zum Beispiel gern und Sport mögen beiden, vor allem Cricket. Vielleicht gibt es ja dann auch bald eine Osterfelder Cricket-Mannschaft. (mz)