Sechs Millionen Euro für Prestigeprojekt

Historischer Moment: Massengrab aus der Schlacht um Lützen erhält eigenes Museum

In Lützen gab es den Startschuss für den Erweiterungsbau. Welches Signal das Wirtschaftsministerium angesichts möglicher Kostensteigerungen sendet.

Von Holger Zimmer
Spatenstich für Erweiterungsbau: Götz Ulrich, Thomas Wünsch, Dirk Könnecke, Uwe Weiß,  Alfred Reichenberger, PeterZirkel, Maik  Reichel (v.li.)
Spatenstich für Erweiterungsbau: Götz Ulrich, Thomas Wünsch, Dirk Könnecke, Uwe Weiß, Alfred Reichenberger, PeterZirkel, Maik Reichel (v.li.) Foto: H. Zimmer

Lützen/MZ - Beim ersten Spatenstich der sieben Männer für den Erweiterungsbau der Lützener Gustav-Adolf-Gedenkstätte sorgten Historiendarsteller am Freitagmittag mit Dudelsäcken und Trommeln in der Kapelle für die musikalische Umrahmung. Sechs Millionen Euro werden in das Prestigeprojekt fließen. 5,37 Millionen Euro davon hatte das Wirtschaftsministerium Ende vergangenen Jahres bewilligt. Sie kommen aus dem Topf „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

Mittelpunkt der Ausstellung ist Massengrab

Allerdings hatte Ex-Bürgermeister Dietmar Könnecke in einem Statement orakelt, dass angesichts der Pandemie die Baupreise steigen werden. Eine Aussage, die Thomas Wünsch, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, relativierte: „Dann sind wir bereit nachzulegen.“ Schließlich werde mit dem Projekt für Sachsen-Anhalt geworben. Auf die Frage an Monika Trettner vom städtischen Bauamt, die das Projekt seit Jahren betreut, wann denn die Einweihung erfolgen wird, hob sie die Hände. Im Gespräch ist der 6. November 2022, dem 390. Jahrestag der Schlacht zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen. Dabei wurde Schwedenkönig Gustav II. Adolf getötet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht jenes Massengrab, in dem 47 Gefallene bestattet worden sind. Es wurde 2011 geborgen und im halleschen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie eingehend untersucht. Alfred Reichenberger vertrat bei der Zeremonie das Museum und er betonte, dass man durch Raubgräber auf das Feld aufmerksam gemacht worden war, die auch Kugeln zum Kauf angeboten hatten. Später stellte man fest, dass sogar 15- bis 16-Jährige zu den Soldaten gehörten. Da habe es nahegelegen, das Ganze als Mahnmal für die Sinnlosigkeit des Krieges zu betrachten. Dass aber bis zum Spatenstich zehn Jahre vergehen würden, war nicht zu ahnen.

Vor fünf Jahren wurde das Lützener Massengrab im halleschen Museum  für Vorgeschichte in einer Ausstellung gezeigt.
Vor fünf Jahren wurde das Lützener Massengrab im halleschen Museum für Vorgeschichte in einer Ausstellung gezeigt.
Foto: DPA

Viele Interessierte schauen gespannt nach Lützen

Auch Peter Zirkel, dessen Büro vor drei Jahren den Architektenwettbewerb zum Erweiterungsbau gewonnen hatte, sprach von jungen Kerlen, die spätestens Ende nächsten Jahres in fast sakraler Stimmung im Untergeschoss zu sehen sein werden. Pfarrer Armin Pra hofft auf ein Nachdenken bei den Besuchern, die Krieg nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen. Leider gebe es viele Konflikte in der Welt. „Da könnte der Besuch die Herzen öffnen und mehr Friedfertigkeit bescheren.“

 Das Siegermodell des Büros von Peter Zirkel
Das Siegermodell des Büros von Peter Zirkel
Foto: Museum Lützen

Nico Baumgärtel von der Grünen Brigade sagte: „Die meisten hofften damals, dass sie alles überstehen würden.“ Jedenfalls schauten viele Interessierte gespannt nach Lützen. So hatte der Urenkel von Oscar Ekman, der 1907 die zur Gedenkstätte gehörende Kapelle gestiftet hatte, seine Grüße ebenso übermittelt wie Ehrenbürgerin Inger Schuberth. Man darf gespannt sein, wer zur Einweihung kommt. Verdient hätte Lützen ja nach langer Zeit einen Besuch der schwedischen Königsfamilie.