Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen: Warum ein Siebenjähriger die Polizei ruft

Weissenfels - 2016 wurden im Burgenlandkreis bereits mehr als 90 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt gestellt.

Von Klaus-Dieter Kunick 27.11.2016, 07:00

Es ist erschütternd, was Birgt Peterz anlässlich des „Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen“ am Freitag berichtete: Ein siebenjähriger Junge rief mitten in der Nacht vollkommen verzweifelt die Polizei an, weil er dachte, dass „sein Papa seine Mama umbringt.“ Es war durchaus wahrnehmbar, dass den Anwesenden ob dieser grausamen Tat des Vaters der Atem stockte.

Doch das Schicksal des kleinen Jungen ist kein Einzelfall. Die Statistik belegt: Waren es im Vorjahr 77 Frauen und Kinder, die Schutz im Weißenfelser Frauenhaus suchten, sind es in diesem Jahr bereits 90 Frauen und Kinder. Bekannt ist mittlerweile auch, dass diese Gewalt kein Phänomen nur im Burgenlandkreis ist, sondern bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Rund 100.000 Frauen sind in der Bundesrepublik jährlich Opfer von Gewalt - sie werden vergewaltigt, geschlagen, erniedrigt, eingeschüchtert, verleumdet.

Passanten bleiben stehen

Es waren Zahlen und Missstände, die aufhorchen ließen. So gesehen war es kein Wunder, dass auf dem Marktplatz, am Rande des Weihnachtsmarktes, so mancher Passant stehenblieb und zuhörte, was Birgit Peterz zu sagen hatte: „Wir sagen nein zu Gewalt an Frauen, an Kindern, nein zu seelischer und körperlicher Grausamkeit in der Familie“, sprach die Leiterin des Weißenfelser Frauenhauses zu den etwa 20 Teilnehmern.

Dass die körperliche und seelische Gewalt nicht nur im Frauenhaus zu erleben ist, belegt auch die Polizei: „Von Januar bis September dieses Jahres gab es 92 Strafanzeigen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, unter anderem Körperverletzungsdelikte und Bedrohungen“, erklärte Gesine Kerwien. Es gab zudem 13 Strafanzeigen wegen Stalking (Nachstellungen).

Luftballons als Zeichen

„Über die Hälfte der Opfer wurden an die Interventionsstelle ,Häusliche Gewalt und Stalking’ vermittelt, wo sie Hilfe und Unterstützung, zum Beispiel bei der Antragstellung eines gerichtlichen Annäherungsverbotes erhalten haben“, ergänzte die Sprecherin des Polizeireviers Burgenlandkreis.

Um den Worten von Birgit Peterz Gewicht zu verleihen, wurde eine Fahne mit der Aufschrift „Frei leben - ohne Gewalt“ gehisst und es stiegen etwa 50 Luftballons in den Himmel, die ein sichtbares Zeichen gegen tägliche Gewalt an Mädchen und Frauen symbolisieren. 2015 wehten rund 6.300 solcher Fahnen im In- und Ausland, fügte Birgit Peterz hinzu. (mz)