Wie lange der Prozess noch läuft

Gesteht der Angeklagte die Kindstötung in Naumburg?

Von Matthias Voss
Das Landgericht Halle verhandelt Tötung eines einjährigen Kindes in Naumburg
Das Landgericht Halle verhandelt Tötung eines einjährigen Kindes in Naumburg (Foto: dpa)

Halle (Saale)/Naumburg/MZ - Am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht in Halle wegen der Tötung eines einjährigen Kindes in Naumburg ist der 27-jährige Angeklagte von zwei Zeugen und einem Gutachter schwer belastet worden. Das brachte den Angeklagten, der bisher schwieg, dazu, über ein Geständnis nachzudenken. Nach der Absprache mit seinem Anwalt könnte dies am Donnerstag, 29. Juli, passieren. An dem Tag sollte eigentlich das Urteil gefällt werden. Doch durch die neue Entwicklung beraumte der Vorsitzende Richter der Strafkammer weitere Termine an. Der Abschluss des Prozesses soll nun Anfang September erfolgen.

Dreijährigen missbraucht

„Er redet sich immer raus, wenn was passiert ist und stand nie zu dem was er gemacht hatte“, wurde der Naumburger von einem 31-jährigen ehemaligen Kumpel charakterisiert. Dass die Freundschaft in die Brüche gegangen sei, habe aber vor allem daran gelegen, dass der Angeklagte seinen damals drei Jahre alten Sohn misshandelt und sexuell missbraucht habe, so der Zeuge. Ein Gutachter bestätigte später Spermaspuren des 27-Jährigen unter anderem am Bettzeug und an einem Plüschtier des vor gut fünf Jahren getöteten Einjährigen. Der Angeklagte war damals Lebensgefährte der Mutter. „Die sind harmonisch miteinander umgegangen. Aber gegenüber den Kindern wirkten beide manchmal gestresst“, so der Zeuge.

Der wichtigste Hinweis für das Gericht kam dann aber, als der 31-Jährige bezeugte, dass das getötete Kind einen Tag zuvor noch keine Verletzungen gehabt habe. „Er war ein bisschen quengelig und wirkte schlapp. Aber geweint hat er nicht, als ich ihn auf dem Arm hatte. Und blaue Flecken oder so konnte ich auch nicht feststellen“, so der Zeuge. Das war deswegen wichtig, weil die Kindsmutter den leiblichen Vater in Verdacht hatte. Doch der hatte den Einjährigen bereits Tage zuvor nicht mehr bei sich gehabt, wie am ersten Verhandlungstag bekannt wurde.

Frische Hämatome

Die nicht vorhandenen Verletzungen am Tag vor der Tötung, die durch Schläge oder starke Drücke in der Bauchgegend erfolgt sein soll, bestätigte die Kinderärztin. „Die Mutter war bei mir in der Sprechstunde. Ein kleineres Hämatom war vorhanden, aber sonst war alles normal. Der Kleine wirkte auch recht munter. Wenn mir was Schlimmeres aufgefallen wäre, hätte ich ihn sofort in die Klinik eingeliefert“, sagte die 59-Jährige. Am Todestag aber habe es frische Hämatome gegeben, deswegen habe sie auch die Polizei gerufen. „Als ich am frühen Morgen in die Klinik gekommen bin, war er schon leblos und wir konnten ihn nicht reanimieren. Der Tod muss schon in der Nacht eingetreten sein“, so die Ärztin.