Retter im Anzug

Gefährliche Übung an der Saale

Die DLRG-Ortsgruppe hat mit Helfern aus Erfurt eine Übung auf der Saale durchgeführt. Warum das nicht ungefährlich ist und wie sich die Mitglieder selbst schützen müssen.

Von Holger Zimmer
DLRG-Rettung an der Oeblitzschleuse: Julia Langrock und Marc Jähnert (vorn v.li.) sowie Marvin Schmelling und Jannik Littman (hinten v.li.). (Foto: Holger Zimmer)

Weißenfels- Es sah spektakulär aus. Im Wasser trieb Julia Langrock unterhalb des Wasserkraftwerkes an der Oeblitzschleuse bei Goseck. Marc Jähnert schwamm durch die Strömung zu ihr und Jannik Littmann sowie Marvin Schmelling sicherten mit einer Leine den Rettungseinsatz ab. Das Quartett ist Mitglied der Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Weißenfels-Hohenmölsen.

Schwimmkurs als Einstieg

Vater Jörg Littmann war mit seinen beiden Jungen vor Jahren zum Schwimmenlernen ins Weißenfelser Hallenbad gegangen und dort mit der Gesellschaft in Kontakt gekommen. „Es ist auch heute noch so, dass die DLRG Kurse anbietet und man natürlich auf diesem Wege auch versucht, Mitglieder zu gewinnen.“ Inzwischen ist er selbst für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und seine Jungen - Jannik (20) und Erik (18) - mischen kräftig mit. Allerdings ist das inzwischen etwas schwierig, weil das Weißenfelser Bad saniert wird und man nach Merseburg ausweichen musste. Das hat etliche Mitglieder gekostet und Jörg Littmann sagt: „Wir hatten immerhin mal 130, jetzt liegen wir knapp unter der 100er Grenze.“ Wenn die Kinder nun gefahren werden müssen, ist es manchen eben zu weit. Da sei leider einiges weggebrochen.

Bei der Übung waren Mitglieder des Erfurter Stadtverbandes dabei.
(Foto: Holger Zimmer)

Die Corona-Pandemie macht es zudem nicht einfacher. Da ist es in dieser Zeit schwierig, Ausbildungen durchzuführen. Deshalb ist man glücklich gewesen, dass das Landratsamt für eine Übung grünes Licht gegeben hat. Sogar Kräfte vom Erfurter Stadtverband sind mit ihren Booten angereist. So gab es auch einen Einsatz bei Dunkelheit mit einer Suche. Denn einen Vermissten zu finden, wenn Gestrüpp bis auf die Wasserfläche ragt, ist nicht einfach. Da geht es um die Koordinierung eines Einsatzes mehrerer Boote und das richtige Ausleuchten. Und auch eine Rettungsaktion wie am Wasserkraftwerk will gelernt sein. Zumal, wenn die Wassertemperatur - wie jetzt - nur um die sechs oder sieben Grad liegt. Jannik Littmann, der gegenwärtig in der Halleschen Universität ein Lehramtsstudium bestreitet, hat da seine Erfahrungen. Das Wasser läuft in den Neoprenanzug, die Körpertemperatur sinkt und auf die Strömung muss aufgepasst werden. Immer aber wird ein solch gefährlicher Einsatz von zwei Mitgliedern vom Ufer beobachtet, die den Retter mit einem Seil absichern und dessen Rückkehr und die des Geretteten unterstützen. „Das ist vor allem eine körperliche Herausforderung“, sagt Jannik Littmann. Aber immerhin gehe es ja um die Rettung von Menschen.

Unterstützung in Bädern

Die Ursprünge der DLRG-Ortsgruppe Weißenfels-Hohenmölsen liegen am Mondsee, als der Badebetrieb 1995 angelaufen ist und Rettungsschwimmer gebraucht wurden. Jörg Littmann sagt aber, dass man dort zuletzt weniger aktiv war, aber vor allem den Betrieb in den Bädern Weißenfels und Lützen unterstützt hat. Das könnte man auch künftig tun, allerdings gebe es dazu noch keine Entscheidung. Daneben biete man Schwimmkurse an. Da geht es ums Seepferdchen als erste Stufe, aber auch um Bronze, Silber und Gold. Hinzu kommt die Ausbildung zum Rettungsschwimmer für ab 16-Jährige, die man brauche, wenn man in Bädern für die Sicherheit der Besucher zuständig ist. „Vor allem die Schwimmkurse sollen der Mitgliederwerbung dienen“, sagt Jörg Littmann.

Einfach sei es jedenfalls nicht, in Corona-Zeiten die Mitstreiter bei der Stange zu halten. Dennoch werden Dienste sowie Sanitätsausbildungen unter Beachtung der notwendigen Hygienevorschriften durchgeführt. Denn im Notfall muss der Einsatz klappen. Dafür war auch mal wieder eine Übung notwendig. (mz)