Forstarbeiten

Forstarbeiten: Das große Fällen in Eckartsberga

Eckartsberga - Von zahlreichen Fällarbeiten ist das diesjährige frühe Frühjahr in Eckartsberga geprägt. Lange bevor das erste zarte Grün sprießt, wurden an verschiedenen Stellen Bäume und Sträucher beseitigt - und das auf Anlass unterschiedlicher Auftraggeber. So waren es die Projekte der Stadt, der Verbandsgemeinde (VG) An der Finne in Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft An der Finne und des Forstbetriebs Süd des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt, die von den Einwohnern eher skeptisch beobachtet ...

Von Jana Kainz

Von zahlreichen Fällarbeiten ist das diesjährige frühe Frühjahr in Eckartsberga geprägt. Lange bevor das erste zarte Grün sprießt, wurden an verschiedenen Stellen Bäume und Sträucher beseitigt - und das auf Anlass unterschiedlicher Auftraggeber. So waren es die Projekte der Stadt, der Verbandsgemeinde (VG) An der Finne in Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft An der Finne und des Forstbetriebs Süd des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt, die von den Einwohnern eher skeptisch beobachtet wurden.

Magdalenengarten und Straßenrand

Während des regulären Astschnitts an der Bundesstraße, für den die Stadt zuständig ist, mussten in diesem Jahr sogar einige Bäume weggenommen werden. „Sie waren morsch“, erklärt Bürgermeisterin Marlis Vogel. Dicht an der B 87 gelegen ist der Magdalenengarten. Bis auf etwas Buschwerk hat sich der einst dicht bewachsene Hang während einer aktuellen Ausholzaktion in ein kahles Areal verwandelt. Marlis Vogel erklärt den radikalen Eingriff damit, dass die Tannen, die nur noch braune Nadeln trugen, von einer Laus befallen waren. Gleichzeitig wurden Efeu und Holunder beseitigt sowie die Büsche für die Verjüngung zurückgeschnitten.

Nach und nach soll im Magdalenengarten wieder angepflanzt werden. „Wenn Einwohner für einen auf ihrem Grundstück gefällten Baum zum Ausgleich etwas anpflanzen müssen, dann dort“, erklärt sie. Doch Tannen würden auf dem Hang nicht mehr in den Boden gesetzt. „Flieder, Forsythien oder anderes Buschwerk, alles, was leicht zu pflegen ist, kann gepflanzt werden“, so die Bürgermeisterin. Dabei müsse es sich nicht um Ausgleichsmaßnahmen handeln. Auf dem Hang könne untergebracht werden, was bei dem einen oder anderen im Garten zu viel wächst, schob sie hinterher.

Freie Sicht auf die Eckartsburg

Wesentlich umfangreicher fiel der fast beendete Holzeinschlag rund um die Eckartsburg aus. Aus touristischen Vermarktungsgründen hatte die VG veranlasst, die Bäume an den Hängen Richtung Stadt und Richtung Thüringen zu entfernen (wir berichteten). Von Weitem soll man wieder eine freie Sicht auf die gesamte, hoch über der Stadt thronenden Eckartsburg haben. In den vergangenen Jahren war nur noch ein Stück des Aussichtsturmes zu sehen gewesen. Seit Anfang Februar ist Michael Brehme mit wetterbedingten Unterbrechungen vor Ort. Er war der einzige, der sich mit seinem Ein-Mann-Forstbetrieb auf die Ausschreibung hin beworben hatte. „Das Gelände ist sehr schwierig“, erklärt er. An der komplizierten Hanglage fällt er die Bäume mit der Motorsäge per Hand und zieht sie mit seinem speziell ausgestatteten Traktor hinauf. Vor allem Kiefern und Eschen legte er um - so wie es der zuständige Revierförster forstwirtschaftlich vertreten kann. „Richtung Thüringen hätte die Verbandsgemeinde gern noch mehr Bäume weggenommen, aber das hätte sich mit dem Gesetz nicht vereinbart“, sagt Revierförster Andreas Kühn vom Betreuungsforstamt Naumburg, der im Revier Eckartsberga auch die Forstbetriebsgemeinschaft betreut. Zurückbleiben soll nach dieser Maßnahme kein kahles Areal. „In zwei, drei Jahren werden wir sehen, ob die natürliche Verjüngung ausreicht“, so Kühn. Zu hoffen sei es, denn auf dem steinigen Untergrund seien Anpflanzungen schwierig

Im Herbst wolle man laut VG-Ordnungsamtsleiter Maik Wittke schauen, ob noch etwas Holz weggenommen werden kann. Ausgleichspflanzungen seien nicht nötig, fügt er hinzu, weil es sich um einen Wald handelt. Gefällt wurden auch kranke Tannen unterhalb des Hanges in der Nähe von Privatgrundstücken. Nach Stürmen seien gelegentlich Bäume hinunter und auf die Grundstücke gerutscht.

Ein Auge hat das Umweltamt auf die Linden, die den Weg an der Burg säumen. Diese sollen stehen bleiben. Wittke meint jedoch, dass noch zu klären sei, ob man aus den Linden eine vom „Flair erhabene Kopfallee“ mache. Der Pflegeschnitt sei aber eine teure Sache, über die er mit dem Burgenlandkreis noch verhandeln müsse. Das angefallene Holz wird übrigens verkauft - als Säge-, Industrie- und Brennholz. Das so eingenommene Geld fließt in die Kasse der VG.

Wirtschaften im Ohrau

Aus wirtschaftlichen Gründen wurden seit November im sieben Hektar großen Landeswald im Ohrau von einer Spezialfirma Buchen, Eichen und Lärchen gefällt. „Wir müssen auch Geld erwirtschaften“, erklärt Stefan Fahr, Revierförster des Landeswaldreviers Burgenland, das zum Forstbetrieb Süd des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt gehört.

Aller zehn Jahre werde im Wald gemessen, wie viel Holz nachgewachsen ist. Der Zuwachs werde dann rausgeholt. Für das Ohrau-Areal war die Zeit wieder ran und die Berechnung habe ergeben, „dass 1400 Festmeter Holz eingeschlagen werden können“. 800 Festmeter sind es geworden. „Vielleicht habe ich mich eim Anzeichnen der Bäume verschätzt“, so Fahr. Wenn ein Baum sein Optimum erreicht habe, bei einer Buche sind das 160 Jahre, „versuchen wir, das Holz zu nutzen“, sagt er.

Was verkauft wird, wurde gestapelt. Was noch nahe des Friedhofes und am Hang an der Marienthaler Straße für Außenstehende wüst herumliegt, sei Brennholz und als solches verkauft. Die für die Forstmaschine aller 40 Meter angelegten und von Spaziergängern argwöhnisch begutachteten Rückegassen würden in zwei Jahren wieder zugewachsen sein, denn in einem Wald mit Buchenbestand regele das die Natur selbst recht schnell, erklärt er. Auch um den Trockenrasen nahe des Friedhofes, an dem Stämme abgelegt wurden, brauche man sich nicht zu sorgen. „Die Naturschutzbehörde hat sich für nächste Woche angekündigt“, so Fahr. Diese habe noch ganz andere Ansätze. Sie möchte gern, dass im Wald viel Totholz liegen bleibt.