Finnelauf in Billroda

Finnelauf in Billroda: Vom Moped ins Laufdress

Billroda - Am 4. Mai erlebt der Finnelauf seine 40. Auflage. Reinhard Nachtweide ist einer der Männer der ersten Stunde, die schon bei der Premiere der längst zur festen Tradition avancierten Laufveranstaltung dabei waren - am 18. Mai 1980. „Ich erinnere mich noch ziemlich genau. Und zwar zuallererst an den Schreck in der Morgenstunde, als plötzlich unsere Mitstreiterin Doris Karnstedt vom Organisationsteam fehlte“, berichtet der energiegeladene Mann, der in diesem Monat seinen 64. Geburtstag begeht. „Ach, die habe ich schnell ins Krankenhaus gebracht, denn sie muss unser Kind zur Welt bringen“, lautete daraufhin der trockene Spruch von Ehemann Herbert Karnstedt zur Erklärung. Das neugeborene Töchterchen Ilka ging als „Finnelauf-Kind“ in die Annalen ...

Von Andreas Löffler 13.04.2019, 08:16

Am 4. Mai erlebt der Finnelauf seine 40. Auflage. Reinhard Nachtweide ist einer der Männer der ersten Stunde, die schon bei der Premiere der längst zur festen Tradition avancierten Laufveranstaltung dabei waren - am 18. Mai 1980. „Ich erinnere mich noch ziemlich genau. Und zwar zuallererst an den Schreck in der Morgenstunde, als plötzlich unsere Mitstreiterin Doris Karnstedt vom Organisationsteam fehlte“, berichtet der energiegeladene Mann, der in diesem Monat seinen 64. Geburtstag begeht. „Ach, die habe ich schnell ins Krankenhaus gebracht, denn sie muss unser Kind zur Welt bringen“, lautete daraufhin der trockene Spruch von Ehemann Herbert Karnstedt zur Erklärung. Das neugeborene Töchterchen Ilka ging als „Finnelauf-Kind“ in die Annalen ein.

Verantwortung für Strecke

Auch daran, dass er selbst an dem Tag mächtig Stress hatte, kann sich Reinhard Nachtweide noch lebhaft entsinnen. „Ich war der Streckenverantwortliche und bin den Rundkurs vor Veranstaltungsbeginn noch einmal mit dem Moped abgefahren. Da ich aber selbst noch die 5-Kilometer-Strecke als Läufer in Angriff nehmen wollte, hieß es dann, nur fix das Moped abzustellen und direkt loszurennen. Die Erwärmung fiel aus“, erzählt er lachend.

Eher tragikomisch war der „Zwischenfall“, der sich ausgerechnet an der Spitze des Teilnehmerfeldes auf der damaligen 15-Kilometer-Hauptstrecke abspielte. „Ein Streckenposten hatte den in Führung liegenden Läufer auf der Almose in Rastenberg in eine falsche Richtung geleitet. Dem sind wir dann bestimmt 500 Meter mit dem Moskwitsch hinterher, um ihn wieder auf den richtigen Kurs zurückzubringen - leider hat es dann für ihn hinter Auftaktsieger Wolfgang Höhnig nur zum zweiten Rang gereicht“, bedauert Nachtweide das Malheur noch heute.

Doppelpensum für Teilnehmer

Für Erstaunen hätten seinerzeit zwei junge Männer aus Weißensee bei Sömmerda gesorgt, die mit Fahrrädern und Zelt anrückten. „Die waren am Vortag, also am 17. Mai, bereits beim Rennsteiglauf gestartet“, sagt Reinhard Nachtweide voller Anerkennung über das „Doppel-Pensum“. Der Rennsteiglauf ist auch das Stichwort, wenn es zu erklären gilt, wie es überhaupt zur Entstehung des Finnelaufes kam. „Hier in Billroda waren wir eigentlich alles Fußballer, hatten aber gemeinsam den Gedanken, noch mehr sportliche Aktivitäten herzuholen. Den Kyffhäuserlauf gab es schon, den Rennsteiglauf sowieso - aber hier in der Region fehlte seinerzeit eine größere volkssportliche Laufveranstaltung“, erläutert der Zeitzeuge, der bis heute für die Siegerehrungen zuständig ist. „2009 haben wir den organisatorischen Staffelstab an die jüngere Generation weitergegeben.“

Auffällig ist, dass unter den heutzutage an die 200 ehrenamtlichen Helfern, die die Veranstaltung absichern helfen, immer wieder ganze Familienclans vertreten sind - neben Nachtweides und den genannten Karnstedts beispielsweise auch die Meinhardts, Friedrichs und Gradias’. „Überhaupt ist der Finnelauf bis heute eine Laufveranstaltung mit einer außerordentlich familiären Atmosphäre geblieben. Das hat uns auch über die Durststrecke in den 1990er sowie Anfang der 2000-er-Jahre getragen und motiviert, weiterzumachen. Während wir zum Zeitpunkt Wende um die 650 Starter hatten, waren die Teilnehmerzahlen da auf um die 150 Aktive gesunken - mit nur 130 Läufern 2004 als Tiefpunkt.“

Schulen ins Boot geholt

Aber Reinhard Nachtweide und seine Mitstreiter beließen es nicht beim Bedauern, sondern veränderten und erweiterten das Konzept. „Wir haben beispielsweise die Grundschulen der Region mit Staffelwettbewerben ins Boot geholt, bieten Nordic Walking an und schicken die Allerkleinsten auf die Bambini-Strecke, auf der es einen in ein Fuchs-Kostüm gekleideten Läufer zu ,jagen gilt“, zählt Nachtweide auf.

Großen Zuspruchs erfreut sich auch der mit dem 25. Finnelauf vor 15 Jahren eingeführte Vortrag am Freitagabend vor der Laufveranstaltung. „Als ersten Gast hatten wir Waldemar Cierpinski hier. Die Trautmann-Brüder haben über ihre Erlebnisse bei Olympia in Sydney berichtet; und in diesem Jahr freuen wir uns auf Skisprung-Legende Jens Weißflog“, zählt Reinhard Nachtweide einige prominente Gäste auf.

Und wartet obendrein mit weiteren hübschen Schmonzetten aus fast vier Jahrzehnten Finnelauf auf. „Bei der zweiten Auflage 1981 nahmen auch Sowjetsoldaten aus der damaligen Garnision in Lossa teil. Ob man es glaubt oder nicht: Die sind in Uniform und mit Stiefeln auf die Laufstrecke gegangen“, schildert Nachtweide mit einem Schmunzeln. Selbiges ruft bei ihm auch die Erwähnung von Werner Bohne aus Lodersleben bei Querfurt hervor - „ein echtes Original, den wir den ,Mann mit dem Koffer’ nennen, weil er immer mit einem großen Koffer auf die Strecke ging und dergestalt bepackt natürlich auch immer als Letzter ins Ziel kam. ,Ich kenn’ doch die Strecke, ihr könnt schon nach Hause gehen’, hat er unseren Streckenposten immer vergnügt zugerufen“, so Nachtweide augenzwinkernd.