Fehler bei Ergebnissen

Fehler bei Ergebnissen: Skandalöse Schnelltests an Utaschule

Naumburg - Die Posse rund um massenhaft falsch-positive Corona-Schnelltests in den Schulen unserer Region hat sich von einem höchst ärgerlichen Vorkommnis mittlerweile zum Skandal ausgeweitet. Vergangenen Donnerstag waren rund 30 Schüler und Pädagogen der Naumburger Uta-Grundschule untersucht ...

Von Harald Boltze 09.02.2021, 08:25

Die Posse rund um massenhaft falsch-positive Corona-Schnelltests in den Schulen unserer Region hat sich von einem höchst ärgerlichen Vorkommnis mittlerweile zum Skandal ausgeweitet. Vergangenen Donnerstag waren rund 30 Schüler und Pädagogen der Naumburger Uta-Grundschule untersucht worden.

Bis auf zwei fielen alle Schnelltests positiv aus, und die Schule wurde umgehend, auch für den Freitag, geschlossen. Die sich sofort anschließenden PCR-Tests bei den Betroffenen wurden am Wochenende ausgewertet. Und siehe da: Kein einziges positives Ergebnis hielt stand. PCR-negativ, durchweg. Warum dies ein Skandal ist? Weil man dies nicht mal mehr als überraschend bezeichnen kann. Bereits an der Bad Kösener Berg- sowie in Naumburg an der Jan-Hus- und der Salztorschule hatte es massenhaft Testergebnisse gegeben, die sich im Nachhinein als falsch-positiv herausstellten. Und diese Auflistung erhebt nicht mal Anspruch auf Vollständigkeit.

Schulleiterin zeigt sich verärgert

Die Leiterin der Utaschule, Garnet Meiß, zeigte sich gegenüber Tageblatt/MZ zwar erleichtert über die ausgebliebene Massen-Infektion, vor allem aber verärgert über den Vorfall: „Das hat zu einem heftigen organisatorischen und emotionalen Chaos geführt.“ Vor allem aber: Dutzende Familien wurden von Donnerstag bis Sonntag unter Quarantäne gestellt, darunter viele Eltern in systemrelevanten Berufen, die ihre Kinder in die Notbetreuung gebracht hatten. Wie gesagt: nicht zum ersten, sondern zum vierten Mal in der Domstadt.

Was das Besondere am aktuellen Fall ist? Alle Beteiligten wussten innerlich eigentlich schon vorher, dass es so kommen würde. Aus den Erfahrungen der Vorwochen heraus, aber auch wegen des Vorgangs am Donnerstag in der Utaschule ganz speziell. „Denn alle Schnelltests waren mit bloßem Auge ganz klar als negativ zu werten. Der dicke Strich war eindeutig. Der Rettungssanitäter hat dann aber mit seiner Lampe in das Positiv-Feld geleuchtet, wo ein zarter hellblauer Schimmer zu erkennen war. Und da sagte er uns, er habe die Anweisung, beim kleinsten Anzeichen auf ’positiv’ zu entscheiden“, so Schulleiterin Garnet Meiß gegenüber Tageblatt/MZ.

Fehlerhafte Chargen oder Auswertungsproblem?

Liegt es also vielleicht gar nicht daran, dass es fehlerhafte Chargen bei den Schnelltests gibt, wie zunächst im Dezember von Amtsärztin Ina Schmidt angenommen wurde? Liegt vielmehr ein Auswertungsproblem vor? Das würde erklären, warum Schnelltests, die deutschlandweit zwar nicht unumstritten sind, weil sie die versprochene Zuverlässigkeit von um die 90 Prozent nicht immer halten, bei den Tests an hiesigen Schulen lediglich eine Zuverlässigkeit im einstelligen Bereich aufweisen.

Beim Burgenlandkreis fand sich am Montag kein Verantwortlicher, der mit unserer Zeitung sprechen wollte. Wohl aber äußerte man sich schriftlich. So heißt es neben allerhand Selbstverständlichkeiten über die Gefahren der Pandemie: „Schnelltests sind für die Erkennung unverzichtbar. Die Anwendung erfolgt durch Fachpersonal.“ Zwar sei es richtig, dass es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen kann. „Bei den derzeit hohen Fallzahlen und begrenzten Laborleistungen“ sei der Einsatz der Schnelltests jedoch „unerlässlich“. Ein falsch-positiver Schnelltest sei „besser als eine nicht erkannte Infektion“. Ein Statement, das in der Sache nicht falsch, aber keinerlei Antwort auf die eklatante Fehler-Quote ist.

Rettungsdienst-Mitarbeiter geschult

Beim Johanniter-Rettungsdienst hielt man sich am Montag bedeckt. „Wir haben drei Mitarbeiter, die diese Schnelltests in Naumburg und Umgebung sehr gewissenhaft durchführen, und diese sind vom Gesundheitsamt entsprechend geschult worden“, so Marion Bretschneider vom Regionalvorstand. Klar ist: Es muss akut nach einer Lösung gesucht werden. „Die Teststrategie, so wie sie jetzt ist, ist höchst zweifelhaft“, sagt Garnet Meiß. Sie weiß: Die nächsten positiven Fälle in der Elternschaft werden kommen, und auch Kinder werden Symptome zeigen. Und dann: Wieder alle schnelltesten? Und wird es dann womöglich eine deutlich geringere Bereitschaft unter Pädagogen und Eltern geben, die freiwilligen Tests zu absolvieren? Schließlich droht eine erneute Quarantäne.

Doch es gibt auch gute Aspekte: Denn die Befürchtung, dass solche Vorkommnisse zu höherem Widerstand in der Bevölkerung führen, konnte Schulleiterin Meiß nicht beobachten. Im Gegenteil: „Bis auf eine Ausnahme waren alle Eltern, die mich kontaktiert haben, sehr freundlich und verständnisvoll. Sie haben nach ihren Ergebnissen gefragt und sich erleichtert gezeigt.“

Tests fließen nicht in die Statistik

Ach so: Und noch eine Befürchtung kann ausgeräumt werden. Die fehlerhaften Schnelltests fließen natürlich nach wie vor zu keinem Zeitpunkt in die Corona-Statistik und damit auch nicht in die Sieben-Tages-Inzidenz ein. Dazu bräuchte es eine PCR-Bestätigung. Die Ferienhort-Notbetreuung in der Utaschule ist am Dienstag übrigens wieder angelaufen. Am Montag war sie ausgefallen - wegen des Schnees, nicht wegen der Pandemie.