Einstiegsqualifizierung für Flüchtlinge

Einstiegsqualifizierung für Flüchtlinge im Burgenlandkreis: Lernen, arbeiten und bleiben

Weissenfels - Der Burgenlandkreis bietet Asylsuchenden eine Einstiegsqualifizierung an. Welche Erfahrungen Unternehmer damit machen.

Von Petra Wozny 09.04.2017, 06:00

„Ich will Leben in der Bude haben“, sagt Gregor Lorenz. Der 39-Jährige ist Geschäftsführer eines Autohauses in Weißenfels. Und er hat in der Tat Leben in seiner „Bude“. Drei Auszubildende verdienen sich ebenso ihre Sporen wie verschiedene Praktikanten. Darunter zum Beispiel Dawit Shimendi aus Eritrea.

„Natürlich gab es Vorbehalte, als ich dem Team erklärte, dass er fortan mit uns zusammenarbeitet“, schildert Lorenz. Mit dem kann man sich doch nicht unterhalten, habe es geheißen. Der versteht uns doch gar nicht. Und, wer weiß, was man sich mit dem in die Werkstatt holt, erinnert sich Lorenz.

Nach dem Praktikum wird Flüchtling aus Eritrea eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker in Weißenfels aufnehmen

Dawit hat in den letzten Monaten nicht nur mit seiner freundlichen Art, sondern vor allem mit seinem Fleiß , seiner Hilfsbereitschaft und den guten Deutschkenntnissen die Skeptiker eines Besseren belehrt. „Er wechselt Autoräder, misst den Ölstand, verrichtet einfache mechanische Arbeiten wie ein Auszubildender im ersten Lehrjahr“, schildert Kfz-Meister Enrico Stahr, der dem jungen Mann über die Schulter schaut. Nach dem Praktikum wird Dawit, der seit Februar 2016 einen Aufenthaltstitel hat, im Unternehmen von Gregor Lorenz eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker aufnehmen.

Der junge Mann strahlt. „Meine Frau Natsinet und ich bekommen im Juli ein Baby. Da möchte ich ein guter Vater mit Arbeit sein. Das wäre mir in meiner Heimat nicht gelungen“, zeigt sich der 23-Jährige überzeugt. Elf Jahre sei er dort zur Schule gegangen. Einen Berufsabschluss habe er nicht.

Burgenlandkreis ist nach Halle, Magdeburg und Dessau der erste Landkreis, der dieses geförderte Projekt Einstiegsqualifizierung++ mit der Agentur für Arbeit umsetzt

Nun gehört der Mann aus dem fernen Eritrea zu zwölf Asylsuchenden im Burgenlandkreis, die sich seit Anfang März im Projekt Einstiegsqualifizierung++ befinden. Die beiden Plus bedeuten plus Deutschunterricht und plus theoretische Berufsausbildung an der Berufsbildenden Schule Weißenfels.

Der Burgenlandkreis ist nach Halle, Magdeburg und Dessau der erste Landkreis, der dieses geförderte Projekt mit der Agentur für Arbeit umsetzt, erklärt Antje Bobach vom Wirtschaftsamt des Burgenlandkreises. Dort ist sie als Projektkoordinatorin für Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen eingesetzt. Die Teilnehmer kämen aus Syrien, Mali, Eritrea, Afghanistan und Malawi. „Manche sind schon gut ausgebildet, andere wiederum wenig qualifiziert. Doch alle sind sehr motiviert. Eine Ausbildung in Deutschland zeugt von Integrationswilligkeit und verschafft auch gute Chancen hier zu bleiben“, versichert Bobach.

Einstiegsqualifizierung für Flüchtlinge: Bei den Teilnehmern der Qualifizierung ist die Tätigkeitspalette breit

Bei den Teilnehmern der Qualifizierung ist die Tätigkeitspalette breit. Unternehmer fanden sich, die diese Schützlinge in der Küche von Gaststätten ebenso aufnahmen wie in der Autohäusern, im Lager oder auch in der Werbebranche. Aus den meisten Unternehmen, darunter zum Beispiel beim Logistiker Mayer GmbH in Zorbau, oder auch Wächter Ladenbau, ist über die neuen Mitarbeiter nur Gutes zu hören. Auch aus der Gaststätte „Bootshaus“ in Weißenfels. Hier arbeitet Bakdash Rahmani.

„Ich hatte schon Inder, Portugiesen und Litauer im Team. Berührungsängste kennen wir alle nicht. Ich denke, das spüren auch unsere Gäste“, schildert Bootshaus-Inhaber Maurice Tober. Doch nicht jeder Gast sei mit ihm einer Meinung - das weiß er auch. Bakdash, der in seiner Heimat Afghanistan seine Eltern bei einem Bombenangriff verloren hat und auch den Tod seines Bruders und Onkels beklagt, hat bei Tobers eine neue Familie gefunden. Seit November vergangenen Jahres läuft bereits sein Praktikum. Nun unter den besseren Bedingungen der Einstiegsqualifizierung. „Sein Deutsch ist wesentlich umfangreicher geworden“, lobt sein Chef. Und Bakdash erwidert: „Ich lerne hier, ich arbeite hier und ich möchte hier bleiben.“

Sein Abschiebeverfahren läuft jedoch, ist aus dem Integrations- und Ausländeramt zu hören. Etwa in einem Jahr ist wohl mit dem Urteil zu rechnen. Dann will der 19-Jährige bereits im ersten Lehrjahr zum Koch sein. „Der Ausbildungsvertrag ist schon von mir unterschrieben. Wir sehen das optimistisch“, sagt Gastwirt Tober. (mz)