„Oft hat sich die Situation einfach hochgeschaukelt“

Die Schlichterin von Wethautal

15 Jahre lang leitete die Wethauerin Margit Hess die Schiedsstelle der VG Wethautal. Jetzt stehen hier Neuwahlen für die Schiedsleute an.

Von Iris Richter
Margit Hess ist seit 15 Jahren Vorsitzende der Schiedsstelle in der Verbandsgemeinde Wethautal. Jetzt werden dort Schiedsleute gesucht. Foto: Iris Richter

Osterfeld - „Wir sprechen kein Recht, sondern wir helfen dabei, dass sich die Parteien einigen“, erklärt Margit Hess das Ziel der Arbeit einer Schiedsstelle. Seit 15 Jahren steht die 67-jährige Wethauerin dem dreiköpfigen Gremium in der Verbandsgemeinde Wethautal (VG) vor. Jetzt stehen in der VG Wahlen für neue Schiedsleute an, die in den kommenden fünf Jahren bei Zivil- und Nachbarschaftsstreitigkeiten schlichten sollen. Bis Ende Mai können sich interessierte Bewohner der VG um ein solches Ehrenamt bewerben.

Zwar steht Margit Hess nicht mehr zur Wahl, weil sie sich künftig unter anderem mehr um die Enkelbetreuung kümmern will. Doch die Arbeit in der Schiedsstelle hat ihr immer Spaß gemacht. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn eine Schlichtung geklappt hat“, sagt sie. In der zurückliegenden Legislaturperiode, die 2017 begann, hat sie mit ihren Mitstreitern insgesamt 14 Schlichtungsverfahren auf den Weg gebracht. Die Fälle, die auf dem Tisch der Schiedsstelle landen, seien sehr unterschiedlich. Da ging es um eine defekte Brille über deren Schadensersatz man sich nicht einigen konnte, störten sich Nachbarn an parkenden Autos, aber auch über Bäume, die über die Grundstücksgrenze ragten.

„Oft hat sich die Situation einfach hochgeschaukelt.“

Selbst ein Fall, bei dem ein Nachbar Katzenkot an die Mauer des Nachbargrundstück geschmissen hat, beschäftigte die Schiedsleute. „Oft hat sich die Situation einfach hochgeschaukelt. Wir bringen die Menschen zusammen und versuchen ihnen klar zumachen, dass es besser ist, einfach miteinander zu reden“, macht Margit Hess deutlich. Fast immer gelinge dies, nur in zwei Fälle mussten die Schiedsleute in der zurückliegenden Wahlperiode Erfolglosigkeit bescheinigen.

Alles rund um die Fälle von der Ladungsfrist bis zu den Schlichtungsgesprächen muss sorgsam dokumentiert werden, zeigt die Wethauerin dicke Ordner, die sich im Laufe der Zeit gefüllt haben. „Leider ist der bürokratische Aufwand über die Jahre größer, aber die Würdigung dieses Ehrenamtes geringer geworden“, bemängelt sie. Doch Unterstützung bekomme man vom Amtsgericht in Zeitz, das gleichzeitig Kontrollinstanz ist, aber auch vom Bund deutscher Schiedsmänner und -frauen. Es gibt auch Fortbildungsangebote, die gerade am Anfang der Tätigkeit sehr hilfreich seien.

„Ich wusste gar nicht, was mit der Schiedsstelle auf mich zukommt“

Die Wethauerin hatte sich vor 15 Jahren eigentlich als ehrenamtliche Schöffin am Strafgericht beworben. Als das nicht klappte, schlug man ihr eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Schiedsstelle vor. „Ich wusste gar nicht, was mit der Schiedsstelle auf mich zukommt, aber es ist schon toll zu sehen, was man bewirken kann, wenn man mit den Menschen redet“, sagt Margit Hess, die ursprünglich Lehrerin war, sich aber nach der Wende beruflich umorientiert und eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolviert hat. Bis zu ihrer Pensionierung 2019 arbeitete die Wethauerin in der Justizverwaltung der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg und das sehr gerne, wie sie betont.

In den vergangenen Monaten allerdings ist Margit Hess praktisch wieder ein bisschen zu ihren beruflichen Wurzeln zurückgekehrt. Denn coronabedingt hat sie ihre Enkel beim Homeschooling betreut. „Ich habe die Arbeit in der Schiedsstelle gerne gemacht, doch in den 15 Jahren ist einiges passiert. Ich habe vier Enkel bekommen, meine Kinder wohnen weiter weg. Da ist manches aufwendiger“, zählt sie auf. Trotzdem könnte sich Margit Hess, die sich in ihrer Freizeit gerne mit Walking und Fitnesstraining gesund hält, vorstellen, sich auch weiterhin irgendwo ehrenamtlich in ihrem Umfeld zu engagieren. (mz)