Stühlerücken im Rat

Darum wechselt Lützener Stadträtin von der SPD zu den Christdemokraten

Heike BergströmDie Stadträtin aus Lützen wechselt von der SPD- in die CDU-Fraktion. Welche emotionalen Gründe dahinter stecken.

Von Franz Ruch 12.11.2021, 14:30
Trägt Rot fortan nur noch aus modischen Gründen: Stadträtin Heike Bergström wechselt von der SPD- in die CDU-Fraktion .
Trägt Rot fortan nur noch aus modischen Gründen: Stadträtin Heike Bergström wechselt von der SPD- in die CDU-Fraktion . Foto: Franz Ruch

Lützen/MZ - „Wenn ich hinter einer Sache stehe, dann zu 150 Prozent“, sagt Heike Bergström. Die 55-jährige parteilose Lützener Stadträtin macht kein Hehl daraus, dass ihr politisches Engagement stark emotional geprägt ist. Obwohl in der sächsischen Nachbargemeinde Markranstädt geboren, sieht sie Lützen als ihre Heimat an.

Stadträtin in Lützen wechselt von der SPD zur CDU

Und an der hänge sie nun mal sehr, sagt sie. So führte nun ein in der Stadtpolitik hochemotional diskutiertes Thema zum Bruch. Im Streit um den neuen Edeka-Standort in der Kernstadt verlässt Heike Berg-ström die SPD-Fraktion und wechselt zur CDU. Sie fühlt sich von ihren ehemaligen Fraktionskollegen hintergangen.

Der mögliche Umzug des Edeka-Marktes in Lützen vom Norden der Stadt in den Süden ist längst zum Politikum geworden. Die Gegner des Umzugs kämpfen aktuell sogar vor dem Petitionsausschuss des Landtages für ihr Ziel. Unter ihnen ist auch Heike Bergström. Ihre ehemaligen Fraktionskollegen von der SPD hingegen nicht; sie sprachen sich im Stadtrat für die Umzugspläne aus. Wie passt das zusammen?

Zankapfel Edeka eine Herzensangelegenheit

„Mir wurde gesagt, dass es keinen Fraktionszwang gibt und ich selbst entscheiden kann“, sagt Heike Bergström. Doch bei einem Fraktionstreffen im Vorfeld einer Bauausschusssitzung - der Edeka-Umzug sollte wieder einmal Thema sein - sei sie von ihren Fraktionskollegen nicht ausreichend informiert worden. „Meine Mitstreiter wissen, wie wichtig mir das Thema ist und haben bewusst nichts gesagt. Und wenn einmal unehrlich gearbeitet wird, muss ich davon ausgehen, dass es wieder passiert“, sagt sie.

Der Edeka-Konflikt hängt für Heike Bergström an mehr, als an reinen Überlegungen zum Einzelhandel in der Stadt. Sollte der Edeka an die Schweßwitzer Straße ziehen, würden die dortigen Kinder, die etwa im benachbarten Freizeittreff „Kleine Blaue Maus“ spielen, durch den zusätzlichen Verkehr und den unübersichtlichen Kreuzungsbereich gefährdet werden, sagt sie. Bergström ist das auch aus persönlichen Gründen ein Herzensanliegen. Ihre Schwester ist in jungen Jahren bei einem Verkehrsunfall umgekommen.

Wechsel zu den Christdemokraten war kein Kalkül

Heike Bergström sitzt erst seit kurzem wieder im Lützener Stadtrat. Nachdem Nicole Rudolph umzugsbedingt ausgeschieden ist, rückte sie Ende August auf der SPD-Liste nach. Das erneute Stühlerücken in Richtung ihrer CDU-Wahlheimat verschiebt die Kräfteverhältnisse im Stadtrat: Die SPD-Fraktion hat nur noch zwei Sitze, die CDU/FDP-Fraktion jetzt sechs.

Kalkül sei das nicht gewesen, sagt sie. Doch „am richtigen Platz“ fühle sie sich dort allemal. Zum einen, wegen ihrer christlichen Ausrichtung und zum anderen, weil die meisten der dortigen Fraktionsmitglieder aus ihrer ersten Wahlheimat kommen - der Lützener Kernstadt.