LKA und Polizei in Sachsen-AnhaltVermisst: Was tun, wenn das eigene Kind plötzlich spurlos verschwindet? 

Tausende Menschen wurden laut Landeskriminalamt (LKA) im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt als vermisst gemeldet. Darunter: außerordentlich viele Kinder und Jugendliche. Was tun, wenn ein geliebter Mensch plötzlich verschwindet?

Von Luise Schendel Aktualisiert: 26.01.2023, 09:18
Wenn Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene und ältere Menschen in Sachsen-Anhalt vermisst werden, wissen viele Angehörige nicht, welche Kriterien für eine Vermisstenmeldung bei der Polizei vorliegen müssen. Symbolbild:
Wenn Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene und ältere Menschen in Sachsen-Anhalt vermisst werden, wissen viele Angehörige nicht, welche Kriterien für eine Vermisstenmeldung bei der Polizei vorliegen müssen. Symbolbild: pixabay

Magdeburg - Fast täglich sucht die Polizei in Sachsen-Anhalt nach Vermissten. Vor allem im Fall von vermissten Kindern und Jugendlichen geraten Angehörige schnell in Panik. Dann ist es wichtig, erst einmal Ruhe zu bewahren und zu wissen, wann und wo die Vermissten gemeldet werden müssen - und welche Voraussetzungen dafür vorliegen müssen.

Zunächst aber die gute Nachricht: Die meisten Vermissten werden wieder gefunden und kehren wohlbehalten nach Hause zurück. Dies belegt eine statistische Erhebung des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt (LKA). Darin zeigt sich: 2205 Menschen wurden im Jahr 2022 in dem Bundesland als vermisst gemeldet, darunter mit 1810 Meldungen deutlich mehr Kinder und Jugendliche. 2107 konnten nach Suche durch die Kriminalbeamten insgesamt wieder gefunden werden, heißt es von Seiten des LKA. Im Vergleich: Deutschlandweit werden jeden Tag 200 bis 300 Menschen als vermisst gemeldet.

Die Suche nach vermissten Menschen muss dabei bestimmte Kriterien erfüllen, wie ein Pressesprecher der Polizei Magdeburg und das Bundeskriminalamt (BKA) erklären. Wir haben die wichtigsten Hintergründe zusammengefasst.

Wer kann vermisst gemeldet werden?

Grundsätzlich jeder. Vermisstenmeldungen geht die Polizei allerdings nur in bestimmten Fällen nach. In diesen Fällen macht eine Meldung bei den Beamten Sinn, wenn:

- eine Person ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat
- ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt ist und
- eine Gefahr für Leib oder Leben (etwa bei einer Straftat, einem Unfall, Hilflosigkeit oder einer Selbsttötungsabsicht)

vorliegt.

Allerdings unterscheiden sich die Suche nach erwachsenen und minderjährigen Vermissten drastisch. Denn, so das BKA: "Erwachsene, die im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sind, haben das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen, auch ohne diesen Angehörigen oder Freunden mitzuteilen." Bestehe aber eine mögliche Gefahr für Leib und Leben suche die Polizei zunächst nach dem Aufenthaltsort des Vermissten und erfrage zunächst, ob die Weitergabe dieses Orts an die Meldenden erwünscht sei.

Anders sehe es bei Minderjährigen aus, wie es von Seiten des BKA heißt. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre dürften ihren Aufenthaltsort nicht selbst bestimmen. Bei ihnen werde grundsätzlich von einer Gefahr für Leib oder Leben ausgegangen. Sie würden für die Polizei bereits als vermisst gelten, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hätten und ihr Aufenthalt nicht bekannt sei.

Wo werden Vermisste gemeldet?

Zuständig für die Vermisstenmeldungen ist grundsätzlich die Polizei, dem übergeordnet kann der Vermisstenfall von dort aus auch an das Bundeskriminalamt (BKA) und, falls eine grenzüberschreitende Suche erforderlich wird, an Interpol weitergegeben werden.
Bei der "Vermisstenstelle" laufen folgende Aufgaben zusammen: die Fahndung nach Vermissten, die Identifizierung von unbekannten Leichen und die Identifizierung unbekannter hilfloser Personen. "Die Bearbeitung dieser drei Arbeitsfelder ist zusammengefasst, weil vermisste Personen in hilfloser Lage aufgefunden werden können oder die Identifizierung einer zunächst unbekannten Leiche aufgrund einer vorliegenden Vermissten-Meldung möglich wird", heißt es von Seiten des BKA.

Allerdings, schränkt Kevin Shaikh vom Polizeirevier Magdeburg ein, 
nehme jedes Polizeirevier Vermisstenanzeigen entgegen. "Ob ein Anzeigenerstatter das am Wohnort des Vermissten ansässige Polizeirevier kontaktiert oder ein anderes, beispielsweise dort, wo die Person zuletzt gesehen wurde, ist zunächst unerheblich." Die Polizeidienststellen verständigten sich in Vermisstenfällen miteinander und würden sich über das einsatztaktische Vorgehen abstimmen, so Shaikh weiter.

Wann kann ein Vermisster bei der Polizei gemeldet werden?

Jederzeit. Die häufig wiederholte Annahme, nach einem Vermissten werde erst 12 oder sogar 24 Stunden nach dem Bemerken seines Verschwindens gefahndet, erweist sich als falsch. Solch eine Vorschrift gibt es für die Beamten in Sachsen-Anhalt, aber auch bundesweit, nicht und gehört zu den sogenannten Urban Legends.