Aufgaben zu schwer? Aufgaben zu schwer?: Ärger nach Abi-Korrektur nach bundesweiten Protesten

Magdeburg - Die Bundesländer halten ihr Versprechen gemeinsamer Standards für das Abitur immer noch nicht ein. Hamburg, Bremen und das Saarland haben nach Schülerprotesten über eine angeblich zu schwere Matheprüfung angekündigt, bessere Noten zu verteilen. Die anderen Länder hingegen bleiben bei der ursprünglichen Bewertung. In der Kultusministerkonferenz hat das jetzt zu Ärger geführt. Das Treffen in Wiesbaden endete am Freitag zwar mit einem Bekenntnis zu einheitlichen Regeln. Gelten soll das aber erst ab dem Jahr 2021.
Der diesjährige Noten-Nachschlag für die Schüler in drei Ländern stieß bei den anderen auf erheblichen Unmut. Die Kultusminister hatten sich 2012 vorgenommen, zumindest in den Hauptfächern Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch gleiche Aufgaben zu stellen.
Organisiert wird das durch eine Aufgabensammlung, aus der sich die Länder bedienen können. Allerdings dürfen sie Modifikationen vornehmen und damit den Schwierigkeitsgrad verändern. Zudem variiert die Prüfungsdauer je nach Land zwischen 240 und 300 Minuten. Der nun nachträglich veränderte Bewertungsmaßstab lässt von der versprochenen Gleichheit nicht mehr viel übrig.
Bildungsminister Tullner rügt Abweichungen vom gemeinsam verabredeten Weg
Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) rügte am Freitag Abweichungen vom gemeinsam verabredeten Weg. Die Zukunft liege „nicht in der Kleinstaaterei, sondern in der Intensivierung der Zusammenarbeit“, sagte er. Die Zusammenkunft in Wiesbaden habe das bestätigt.
„Es gab das klare Bekenntnis der Länder, die Modifikationen zu reduzieren und die Nutzung des Aufgabenpools bis 2021 verbindlich festzuschreiben.“ Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Hessens Ressortchef Alexander Lorz (CDU), kündigte genauere Richtlinien für die Nutzung der gemeinsamen Aufgaben an. Allerdings: Die Länder sind in Bildungsfragen souverän und können von Übereinkünften der Kultusministerkonferenz jederzeit abweichen.
Gegen die diesjährige Matheprüfung hatte es bundesweit Proteste und Petitionen von Schülern gegeben. Für die Prüfung in Sachsen-Anhalt weist das Bildungsministerium die Vorwürfe zurück. „Alle Aufgaben waren lösbar, sie stimmten mit dem Lehrplan und den Bildungsstandards überein“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die von Schülern vorgetragenen Beschwerden hätten sich teilweise widersprochen. Es gebe daher keinen Anlass, nachzubessern. Die Ergebnisse der Prüfung sollen in etwa vier Wochen vorliegen.
Landeselternrat glaubt den Versprechungen der Kultusminister nicht
Der Landesschülerrat hält die Kritik nur teilweise für ausgeräumt. Unlösbar seien die Aufgaben nicht gewesen, sagte der Vorsitzende, der Merseburger Abiturient Niklas Steinhoff. „Aber sie waren zu komplex für die Bearbeitungszeit. Das haben uns auch Lehrer bestätigt.“ Viele Schüler hätten deutlich schlechtere Noten erreicht als in den Zeugnissen, etliche müssten wegen einer Differenz von fünf und mehr Notenpunkten in eine Nachprüfung. „Wir haben weiter 16 verschiedene Abiture in Deutschland“, kritisierte Steinhoff. Die Länder müssten die gesamte Oberstufe unter ein gemeinsames Dach stellen, forderte er.
Der Landeselternrat glaubt den Versprechungen der Kultusminister nicht. „Für gemeinsame Prüfungen müsste man erst gemeinsame Voraussetzungen schaffen. Aber das Gegenteil passiert: Viele Länder kehren zur 13-jährigen Schulzeit zurück“, kritisierte Landeselternratsvorsitzender Matthias Rose. Auch bei der Stundenzahl gebe es Unterschiede: Leistungskurse würden zwischen vier und sechs Stunden wöchentlich unterrichtet. „Dass am Ende alle Schüler das Gleiche können, ist so gar nicht möglich.“ (mz)