ANSICHTSSACHE ANSICHTSSACHE: Winterzeit ist Elternzeit
Halle (Saale)/MZ. - Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen, hat man uns Ostdeutschen früher ans Herz gelegt. Und wir haben nur über den Mais, der die Wurst am Stengel sein sollte, gelacht. Heute wird das Zeug in Dosen gefüllt und verkauft wie geschnitten Brot. Es war eben nicht alles schlecht, die Sonne geht weiter im Osten auf und die Weisheit des Kreml ist gerade wieder bewiesen worden.
Im russischen Riesenreich werden ab morgen nämlich die Uhren anders gehen als im restlichen Europa, abgesehen vom ohnehin geltenden Zeitunterschied. Dem wird nun für das kommende halbe Jahr noch eine Stunde zugeschlagen, denn die Russen haben sich von der Winterzeit verabschiedet.
Das heißt, sie werden in der Nacht zum Sonntag nicht wie wir Deutschen eine Stunde zurückerstattet bekommen, sondern weiter der Sommerzeit folgen. Dies, so sagt Russlands Präsident Dmitri Medwedjew, bedeute weniger Stress für Mensch und Tier. Guter Mann, dieser Medwedjew, der hat ein Herz für sein Volk. Unsereiner hingegen wird wieder gnadenlos in das zwei Mal jährlich verordnete Wechselbad geworfen und muss sehen, was er mit der geschenkten Stunde anfangen soll.
Ausschlafen, werden Pragmatiker sagen. Oder länger tanzen, immerhin ist es eine Nacht zum Feiern. Wer indes sein Leben mit Kindern teilt, wird die Sache eher nüchtern sehen. Die lieben Kleinen stehen morgen garantiert um sechs auf der Matte. Und dann haben Sie Elternzeit.
Andreas Montag