Anschlag auf Kaserne

Anschlag auf Kaserne: Führt Spur ins Protestcamp?

Havelberg/MZ - Nach dem schwersten Anschlag auf die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt hat das Landeskriminalamt noch keine heiße Spur. Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung des Autos, das am Sonntag in einem Zeltlager von Bundeswehrgegner nahe des Gefechtsübungszentrum in Letzlingen (Altmarkkreis) sichergestellt wurde, steht noch aus, wie der Sprecher des Landeskriminalamtes, Stefan Brodtrück, sagte. Bei dem Brandanschlag auf die Bundeswehr in der Nacht zu Samstag waren 16 Fahrzeuge in Havelberg (Kreis Stendal) ausgebrannt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Wie die Täter auf das Gelände gelangt sind, wollte das Landeskriminalamt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht ...

Von Jan-Ole PRasse 29.07.2013, 12:25

Nach dem schwersten Anschlag auf die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt hat das Landeskriminalamt noch keine heiße Spur. Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung des Autos, das am Sonntag in einem Zeltlager von Bundeswehrgegner nahe des Gefechtsübungszentrum in Letzlingen (Altmarkkreis) sichergestellt wurde, steht noch aus, wie der Sprecher des Landeskriminalamtes, Stefan Brodtrück, sagte. Bei dem Brandanschlag auf die Bundeswehr in der Nacht zu Samstag waren 16 Fahrzeuge in Havelberg (Kreis Stendal) ausgebrannt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Wie die Täter auf das Gelände gelangt sind, wollte das Landeskriminalamt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Ob die Brandanschläge mit dem Protestcamp „War starts here“ vom 21. bis zum 28. Juli im Zusammenhang stehen, ist unklar. Zwischen Letzlingen und Havelberg liegen 91 Kilometer. „Es gibt eine räumliche und zeitliche Nähe“, sagte Brodtrück: „Wir ermitteln in alle Richtungen, prüfen aber natürlich einen eventuellen Zusammenhang mit den Campteilnehmer.“ Wie das Landeskriminalamt auf das Auto in dem Protestlager gekommen ist, wollte Brodtrück nicht sagen. Derzeit laufe aber kein Ermittlungsverfahren gegen den Fahrzeughalter.

Die Organisatoren des Zeltlagers wiesen jede Verbindung mit dem Brandanschlag auf die Bundeswehrfahrzeuge zurück. Von der Brandstiftung habe man erst am Samstagmittag erfahren, ihr Protest sei friedlich und gewaltfrei verlaufen. Allerdings zeigte der Sprecher des Camps, Farin Skemp, unverhohlen Verständnis für den Brandanschlag: „Es ist in unseren Augen nachvollziehbar, wenn sich Menschen für Sabotage als antimilitaristisches Mittel entscheiden und Abrüstung selbst in die Hand nehmen“, schrieb Skemp in einer Mitteilung auf der Internetseite des Camps.

Laut Polizeidirektion Nord sind während der siebentägigen Protestaktion gegen das Gefechtsübungszentrum 58 Strafverfahren eingeleitet worden. Vor der Einfahrt zum Bundeswehrgelände hat die Polizei Fußangeln, sogenannte Krähenfüße, gefunden. Auch sind Bahngleise des Gefechtsübungszentrums beschädigt worden. Zudem wurden mehrere Verkehrsschilder und ein Kriegerdenkmal mit Parolen beschmiert. Insgesamt waren rund 600 Beamte im Einsatz, an dem Protest beteiligten sich laut Polizei 250 Menschen.

Das Zeltlager ist in diesem Jahr zum zweiten Mal organisiert worden. Es richtet sich gegen das Gefechtsübungszentrum und vor allem gegen die geplanten Übungsstadt „Schnöggersburg“. Im vergangenen Jahr hatte es laut Verfassungsschutzbericht mehrere Farbbeutelanschläge gegeben.