AfD-Basis schlägt zurück

AfD-Basis schlägt zurück: Drei prominente Rechtsaußen bei Wahl gedemütigt

Magdeburg - Wir allein gegen den Rest der Welt - unter diesem Motto versöhnen sich sonst selbst zerstrittenste AfD-Verbände.

Von Jan Schumann 10.06.2018, 19:45

Wir allein gegen den Rest der Welt - unter diesem Motto versöhnen sich sonst selbst zerstrittenste AfD-Verbände. Doch auch das hilft Frank Pasemann nicht mehr. Als der Bundestagsabgeordnete auf dem Parteitag in Magdeburg wütet, dass im Wahlkampf sein Auto von politischen Gegnern zerkratzt wurde, schallt von den Zuhörern ein höhnisches „Oooooooohhhhh“.

Es ist eine Demütigung für Pasemann, eine der bundesweit schillerndsten AfD-Figuren aus Sachsen-Anhalt. Der Höcke-Verbündete sitzt im Bundesvorstand, ist auch Landes-Schatzmeister. Doch in dieser Rolle steckt er am Samstag böse Tiefschläge von der Basis ein: Zwei Rechnungsprüfer bescheinigen ihm eine katastrophale Buchführung, fehlende Belege, eine unvollständige Jahresabrechnung. „Lügenspektakel!“, wirft ihm ein Mitglied vor, unterstreicht dies mit einem Stinkefinger Richtung Pasemann.

Der Magdeburger windet sich, nennt die Angriffe gegen sich „politisch motiviert“. Es hilft nicht. Der AfD-Landesvorstand wird nicht entlastet, bis zum nächsten Parteitag soll eine strenge Kassenprüfung erfolgen. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist es ein Debakel für Pasemann beim Heimspiel in Magdeburg, schließlich ist er auch im Bundesvorstand für die Kasse zuständig - als stellvertretender Schatzmeister. Wackelt der einflussreiche Posten nun aufgrund der Vorwürfe? Einige AfD-Mitglieder hoffen es.

Wahl von Martin Reichardt zum neuen Landeschef ist keine Überraschung

Perfekt wird die Demütigung, als der Parteitag am Abend die neue Landesspitze für Sachsen-Anhalts wählt. Statt Pasemann wird ausgerechnet die unbekannte Rechnungsprüferin Andreas Mähnert gewählt. Der Mann, der im Bundestag TV-wirksam über verhasste „Altparteien“ spotten will, bekommt in Magdeburg die volle Härte der Basis zu spüren.

Nicht überraschend ist hingegen die Wahl Martin Reichardts zum neuen Landeschef. Der Bundestags-Abgeordnete schwört die AfD darauf ein, stärkste politische Kraft in Sachsen-Anhalt zu werden. Die regierende Koalition aus CDU, SPD und Grünen nennt er „unheilige und widersinnige Allianz“, die vor dem Scheitern stehe. Seinem Vorgänger André Poggenburg dankt er: „Andre, du hast mit uns Geschichte geschrieben.“ Der Parteitag quittiert das mit Standing Ovations für Poggenburg. Er hatte nach einer Hetzrede am politischen Aschermittwoch abtreten müssen.

Indes kassieren neben Pasemann auch zwei weitere prominente AfD-Rechtsaußen Niederlagen. Die Landtagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt und Hans-Thomas Tillschneider fallen bei den Vorstandswahlen durch. Große Teile der Basis freuen sich diebisch, dass das Trio Pasemann-Schmidt-Tillschneider leer ausgeht: Den Drei wird nach gesagt, einen eigenen Machtblock in der AfD Sachsen-Anhalt aufbauen zu wollen. Die Basis reagiert allergisch. (mz)