Abriss oder Kunst

Abriss oder Kunst: Was mit verlassenen Häusern passiert

Magdeburg - Sachsen-Anhalt kämpft mit dem Leerstand. Für etwa 37 000 Wohnungen in kommunaler oder genossenschaftlicher Trägerschaft gab es Ende 2015 keine Mieter, wie die zuständigen Verbände berichten. An manchen Straßenzügen in Magdeburg, Halle und anderen Orten sieht man auch ganze Gebäude, die seit Jahren unbewohnt sind. Was daraus werden ...

15.05.2016, 08:36
Holzbalken verschließen die Fenster eines historischen Renaissancehauses aus dem 16. Jahrhundert im Zentrum von Halle.
Holzbalken verschließen die Fenster eines historischen Renaissancehauses aus dem 16. Jahrhundert im Zentrum von Halle. dpa-Zentralbild

Sachsen-Anhalt kämpft mit dem Leerstand. Für etwa 37 000 Wohnungen in kommunaler oder genossenschaftlicher Trägerschaft gab es Ende 2015 keine Mieter, wie die zuständigen Verbände berichten. An manchen Straßenzügen in Magdeburg, Halle und anderen Orten sieht man auch ganze Gebäude, die seit Jahren unbewohnt sind. Was daraus werden könnte...

Abrissbaustelle

Man sieht es gerade am „Blauen Bock“ in Magdeburg. Dort wurden Bauzäune aufgestellt, um den ehemaligen Wohnblock aus DDR-Zeiten abzureißen. Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen haben allein seit 2000 rund 85 000 Wohnungen im Land platt gemacht. Für sie finden sich oft einfach keine Mieter mehr, weil sie in unbeliebten Gegenden liegen oder zu alt sind.

Wächterhaus

Der Deal geht so: Wenn sich für Eigentümer die Sanierung leerstehender Objekte nicht lohnt oder aus anderen Gründen nichts geschieht, kümmern sich Hauswächter um das Gebäude. Sie zahlen keine Miete, nur Betriebskosten - und schützen das Haus vor weiterem Verfall. In Halle gibt es mehrere Projekte, wie Stephan Schirrmeister vom Verein HausHalten Halle sagt. Zum Beispiel die „Goldene Rose“.

Kunst statt Leere

Verlassene Gebäude bedeuten Platz für Neues, oft auch für Kunst. Ein Beispiel ist das Projekt „Künstlerstadt Kalbe“. Das Team belebte mit Ausstellungen, Ateliers und Stipendien für junge Künstler etwa 15 leerstehende Häuser. Die Gebäude seien nun an Wohnungsunternehmen zurückgegeben worden, die wieder Interesse hätten, wieder Bewohner dafür zu finden, sagte Projektleiterin Corinna Köbele vom Verein, der als Ersatz ein leerstehendes Haus gekauft hat.

Gefahrenobjekt

Steht ein Gebäude leer, können Kommunen ohne Okay des Eigentümers wenig machen. Droht aber zum Beispiel Gefahr durch herabfallende Ziegel, wird der Besitzer aufgefordert, das Haus zu sichern, wie ein Sprecher der Stadt Magdeburg erklärt. Notfalls kann die Stadt auch Sicherungsarbeiten in Auftrag geben und sie ihm in Rechnung stellen. Das Haus wird gesichert, bleibt aber leer.

Neues Zuhause- Die Vermittlung

In der Hansestadt Salzwedel vermittelt Immobilienlotsin Ines Kahrens leere Gebäude an neue Besitzer. Das Projekt: 100 Häuser für 100 neue Eigentümer. In zehn Jahren wurden etwa 30 Gebäude erfolgreich vermittelt. Im Stadtkern stünden aber noch etwa 70 von 1000 Gebäuden leer, sagt Kahrens. Die Besitzer machen längst nicht alle mit bei der Vermittlungsaktion - derzeit werden 17 Häuser angeboten. „Es könnten mehr sein.“

Neues Zuhause II - Die Hausbesetzung

Anders als bei Wächterhäusern gibt es hier keine Abmachung, sondern Menschen besetzen das Gebäude einfach von selbst. In Sachsen-Anhalt sind Hausbesetzungen nach Angaben der verschiedenen Polizeidienststellen derzeit kein Thema.

Nichts

Mit manchen Immobilien passiert auch einfach - gar nichts. Sie stehen dann nicht nur vorübergehend leer, sondern mitunter viele Jahre. Manchmal holt sich die Natur dann das Terrain zurück, die Häuser wuchern zu. Oder das Wetter hinterlässt seine Spuren - falls es nicht schon der eine oder andere Mensch getan hat.

Sanierungsprojekt

Finden sich doch Bewohner, müssen Häuser oder Wohnungen oft erst flottgemacht werden. „Eine Sanierung ist eine Wundertüte“, sagt Giso Töpfer vom Baugewerbe-Verband Sachsen-Anhalt. Für ihre Handwerksbetriebe seien Sanierungsarbeiten ein wichtiges Geschäft. Bei alten Häusern wisse man aber oft nicht, was unter dem Putz stecke, ob nicht doch Mauerwerk oder Dachbalken zu alt seien. Das mache die Kosten für Investoren oft schwerer kalkulierbar als bei Neubauten - und manche entschieden sich dann für den Abriss. (dpa)