1000 Menschen bei Klima-Camp

1000 Menschen bei Klima-Camp: Aktivisten wollen Kohlegrube bei Leipzig blockieren

Pödelwitz - Am Wochenende wird im Leipziger Süden erstmals ein sogenanntes Klima-Camp mit mehr als 1000 Teilnehmern stattfinden. Einzelne Umweltgruppen rufen dabei zu Sitzblockaden auf, „um in die Betriebsabläufe des Kohleunternehmens Mibrag“ und des Kraftwerkes Lippendorf ...

Von Steffen Höhne 26.07.2018, 05:00

Am Wochenende wird im Leipziger Süden erstmals ein sogenanntes Klima-Camp mit mehr als 1000 Teilnehmern stattfinden. Einzelne Umweltgruppen rufen dabei zu Sitzblockaden auf, „um in die Betriebsabläufe des Kohleunternehmens Mibrag“ und des Kraftwerkes Lippendorf einzugreifen.

„Wir hoffen, dass es friedlich bleibt, sind uns da aber nicht sicher“, sagte Mibrag-Chef Armin Eichholz. Die Polizei wird daher mit einem Großaufgebot vor Ort sein.

Das Klimacamp findet in dem Dorf Pödelwitz statt, das dem Mibrag-Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“ in einigen Jahren weichen soll. Die Mehrzahl der Einwohner wurde bereits umgesiedelt.

Etwa 30 Einwohner wehren sich jedoch gegen die Abbaggerung ihres Dorfes. „Für den Abbau von Braunkohle werden Menschen in der Region zwangsumgesiedelt und ganze Dörfer vernichtet“, sagte Klima-Camp-Sprecher Florian Teller.

Dabei sei Braunkohle der klimaschädlichste Energieträger. Das sei nicht länger hinzunehmen. In dem Klima-Camp soll es zahlreiche Diskussionsveranstaltungen geben.

Davon unabhängig will die Umweltgruppe „Kohle ersetzen“ vom 3. bis 5. August auch eine Aktion „Ziviler Ungehorsam“ durchführen. Dabei soll es unangemeldete Blockaden geben - etwa auf Zufahrtsstraßen.

„Ziel ist es nicht, auf das Betriebsgelände des Tagebaus oder des Kraftwerkes zu gehen“, so ein Sprecher der Gruppe. Die Mibrag und der Kraftwerksbetreiber Leag warnen vor unbefugtem Betreten. An Böschungen des Tagebaus und Starkstromleitungen herrsche große Gefahr, die von Laien oft unterschätzt werde, so Mibrag-Chef Eichholz.

Der Kohleförderer hat die Sorge, dass sich einzelne Aktivisten radikalisieren. Beim Klima-Camp 2016 im Lausitzer Revier blockierten Teilnehmer Gleise, besetzten Kohlebagger und versuchten sogar das Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ zu stürmen.

Ziel war es, die Produktion zu unterbrechen. Die Umweltgruppe „Ende Gelände“, die damals dazu aufrief, soll in Leipzig jedoch nicht dabei sein.

Die Polizeidirektion Leipzig hat nach eigenen Angaben für das Wochenende vorsorglich Unterstützung der sächsischen Bereitschaftspolizei angefordert. Die Beamten sollen vor Ort deeskalierend auftreten.

„Die Besetzung von Förderanlagen oder das Blockieren von Zufahrten werden aber keine Toleranz erfahren“, so Polizeisprecher Andreas Loepki. Auch die Mibrag hat sich vorbereitet: So wurden am Kraftwerk und im Tagebau an Kohlelagerplätzen die Vorräte aufgestockt, um mögliche Unterbrechungen der Förderung zu überbrücken.

Lippendorf versorgt große Teile Mitteldeutschlands mit Strom. Vorkehrungen wurden auch im benachbarten Tagebau Profen (Burgenlandkreis) und am Kraftwerk in Deuben getroffen. „Wir können nicht ausschließen, dass es auch dort zu Aktionen kommt“, so Eichholz. (mz)