Freude und Enttäuschung

Wie Kandidaten und Politiker in Zeitz auf das Ergebnis der Landtagswahlen reagieren

Von Torsten Gerbank und Angelika Andräs
Symbolfoto Wahllokal
Symbolfoto Wahllokal (Foto: Angelika Andräs)

Zeitz - Spätestens um 1.28 Uhr Montagmorgen hatte Lothar Waehler Gewissheit. Da wurde auf den Internetseiten des Statistischen Landesamtes von Sachsen-Anhalt das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl im Wahlkreis 41 (Zeitz) bekanntgegeben. Und Waehler, der Kandidat der AfD, zum Sieger gekürt - vor Arnd Czapek von der CDU. Waehler ist damit der einzige Kandidat seiner Partei, der es auf direktem Weg in den Landtag geschafft hat. Bei der Landtagswahl 2016 waren es noch 15 AfD-Kandidaten, die so viele Erststimmen auf sich vereinten, dass sie direkt gewählt waren. Die Wahl Waehlers trifft in der Politik hierzulande allerdings vor allem auf eines: Auf Skepsis.

--> Kommentar zu den Landtagswahlen: Die falsche Wahl getroffen?

„Ich warne davor, die Wählerschaft zu stigmatisieren und zu beschimpfen“

Landrat Götz Ulrich (CDU) wird sehr deutlich und sagt, dass er von dem gewählten AfD-Abgeordneten keine positive Wirkung für Zeitz erwarte. „Ich jedenfalls habe bei keinem bisherigen AfD-Abgeordneten aus dem Burgenlandkreis irgendein Engagement für seinen Wahlkreis verspürt. Es kam wirklich nichts“, so Ulrich wörtlich. Er sagt aber auch, dass im Wahlkreis Zeitz „nicht auffällig mehr AfD“ gewählt worden sei als in vielen anderen Wahlkreisen in Sachsen-Anhalt. „Ich warne davor, die Wählerschaft zu stigmatisieren und zu beschimpfen“, so Ulrich. Bemerkenswert sei das starke Abschneiden von Andreas Exler (Freie Wähler). Und Ulrich sei der Meinung, dass die „demokratischen Abgeordneten aus den Nachbarwahlkreisen“ sich jetzt Zeitz annehmen müssten.

Auch der Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU) sieht den Erfolg Waehlers kritisch: „Auch wenn die CDU im Vergleich zu 2016 deutlich an Stimmen gewinnen konnte und die AfD Stimmen verloren hat, bin ich doch persönlich sehr über die Wahlergebnisse hier in Zeitz enttäuscht“, sagt er. Der CDU-Kandidat scheine nicht überzeugt zu haben, „anders kann ich mir das Wahlergebnis nicht erklären“. Es sei bedauerlich, dass in Zeitz der einzige AfD-Direktkandidat für den Landtag gewählt wurde „und wir dadurch die kommenden fünf Jahre wissentlich in Kauf nehmen, dass Zeitzer Interessen im Landtag nicht direkt vertreten werden.

Ergebnisse des Wahlkreises 41.
Ergebnisse des Wahlkreises 41.
Grafik: MZ

Denn eine Zusammenarbeit von CDU und AfD im Landtag wurde im Vorfeld bereits ausgeschlossen“, so Thieme. 2016 war im Wahlkreis Zeitz der damalige Landes-AfD-Chef André Poggenburg direkt in den Landtag gewählt worden. Blicke Thieme auf dessen Arbeit zurück, fielen ihm „für Zeitz keine nennenswerten Erfolge ein“.

Arnd Czapeks Ruf habe sehr gelitten

Czapek spricht von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Waehler und sagt: „Am Ende fehlten nur wenige Stimmen zum Erfolg. Ich sehe mich deshalb auch nicht gänzlich ohne jegliche Legitimation, mich auch in Zukunft weiter für unsere Heimatregion und die Belange der Menschen hier einzusetzen.“ Das allerdings verspricht auch Waehler. Er sagt zu den Zielen seiner Arbeit, dass der ehemalige Wirtschaftsstandort Zeitz wieder zu neuem Leben erweckt werden „und die alten Werte zurückgebracht werden“ müssen. Er werde sich täglich „für die schöne Region einsetzen“. Auch am Montagvormittag könne er seinen Erfolg kaum glauben. Er sagt aber auch: „Ich bin umso glücklicher, dass sich die harte Arbeit bewährt hat.“ Und er danke Freunden, Unterstützern und Wählern.

Ergebnisse des Wahlkreises 40.
Ergebnisse des Wahlkreises 40.
Grafik: MZ

Torsten Fulczynski sagt mit Blick auf das Gesamtergebnis, dass er sich freue, dass „die Rechten landesweit stark an Zuspruch eingebüßt haben“. Bedauerlich sei jedoch die Direktwahl eines AfD-Kandidaten in seinem Wahlkreis, so Fulczynski aus Hohenmölsen, der für die SPD ins Rennen gegangen war. Die SPD an sich könne mit ihrem Ergebnis nicht zufrieden sein. Über die aus seiner Sicht „guten Wahlergebnisse bei den Erststimmen“ in seiner Heimatstadt freue er sich. Er sehe sie als Bestätigung seiner bisherigen lokalpolitischen Arbeit.

Heiko Prüfe, Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, findet kritische Worte gegenüber der CDU. Der Sieg des AfD-Kandidaten sei praktisch auch ihr Verdienst. Ihr Kandidat Arnd Czapek sei zwar „ein guter Kerl“, er hätte zur Wahl aber nicht antreten sollen. Sein Ruf habe zu sehr gelitten im Zusammenhang mit dem Vorwurf Flutmittel unrechtmäßig eingesetzt zu haben und den daraus resultierenden Gerichtsverhandlungen. „Sensationell“ finde er das Abschneiden des Kandidaten der Freien Wähler. Mit dem eigenen Ergebnis sei er zufrieden, so Prüfe.

„Die Bürger der Region haben mit knapper Mehrheit Herrn Waehler als ihren Vertreter im Landtag bestimmt“

Katja Bahlmann ist bei allen Verlusten für ihre Partei Die Linke stolz, dass ihr Ergebnis fast das gleiche geworden ist wie 2016. Dafür danke sie ihren Wählern. „Das erneute Erringen eines Direktmandates durch die AfD als einziges im Land sehe ich als einen kritischen gesellschaftlichen Wandel und die Abkehr von sozialen und solidarischen Werten“, sagt sie, „die Gewinne für die konservativen Werte der CDU zeigen, dass wir endgültig in einer unsolidarischen Ellenbogengesellschaft angekommen sind, in der die wichtigen sozialen Fragen der Gesellschaft keine Bedeutung mehr haben werden.“

Andreas Exler freut sich über sein Ergebnis, das um ein Vielfaches besser ist, als das der Freien Wähler. Man habe sich also bewusst für ihn als Politiker entschieden. „Die Bürger der Region haben mit knapper Mehrheit Herrn Waehler als ihren Vertreter im Landtag bestimmt“, so Exler, „da Herr Waehler den Klimawandel und den daraus notwendigen Strukturwandel für unsere Region ablehnt, wird er aus meiner Sicht zum Strukturwandel hier bei uns wenig beitragen.“ FDP-Kandidat Carsten Sonntag sagte: „Ziel erreicht: Die Freien Demokraten sind zurück im Landtag.“ Sein Ergebnis in seiner Heimatgemeinde Elsteraue empfinde er als „überwältigend“. (mz)