Die Dritte ist gefragt

Warum sich nun viele Zeitzer impfen lassen

Mit Bus und stationärem Angebot haben die Zeitzer viele Möglichkeiten, sich Schutz gegen das Coronavirus zu holen. Warum auch der Druck immer größer wird.

Von Angelika Andräs 23.11.2021, 17:06
Die Impfstelle des Burgenlandkreises in Zeitz befindet sich in der neuen Katastrophenschutzhalle an der Friedensstraße. Geöffnet ist jeweils von Mittwoch bis Samstag.
Die Impfstelle des Burgenlandkreises in Zeitz befindet sich in der neuen Katastrophenschutzhalle an der Friedensstraße. Geöffnet ist jeweils von Mittwoch bis Samstag. Foto: Angelika Andräs

Zeitz/MZ - „Sind wir hier richtig beim Impfzentrum?“ Das Ehepaar schaut sich um und entdeckt den Aufsteller. Sie sind richtig an der Impfstelle des Burgenlandkreises in Zeitz, die in der neuen Katastrophenschutzhalle an der Friedensstraße eingerichtet wurde. Aufatmen. „Wir können uns nämlich zum Glück unsere dritte Impfung gegen das Coronavirus abholen“, sagt die Frau, „die sechs Monate sind um.“

Auf Druck des Arbeitgebers impfen lassen

Die dritte Impfung ist gefragt. Das ist eine Erkenntnis, die sich im Impfbus ebenso zeigt, wie in der Impfstelle, und die auch bei der Wochenendimpfaktion in der Pestalozzischule deutlich wurde. „Etwa zwei Drittel der Impfungen sind Booster-Impfungen“, bestätigte der Rettungsdienstleiter des DRK-Kreisverbandes Zeitz Andreas Lange. Einige Jüngere kommen aber auch. „Nicht freiwillig“, betont ein junger Mann.

„Ich muss mich wegen der Arbeit impfen lassen, ich arbeite in Bayern und mein Chef besteht auf einer Impfung, wenn man nicht genesen ist.“ Die Arbeit wolle er behalten, umso mehr als seine Familie im Sommer nach Bayern ziehen will. Also ist der 37-Jährige auf dem Weg in die Impfstelle. Warum er gegen das Impfen ist? Er zuckt mit den Schultern.

Einige Zeitzer erhalten Booster-Impfung

„Ich sehe es als Zwang und nicht wirklich nötig.“ Er räumt aber ein, dass ihn nicht nur der Druck des Arbeitgebers, sondern auch die rasant steigenden Zahlen der Corona-Infektionen zu dem Entschluss gebracht haben, sich schleunigst impfen zu lassen. Viele, meint er, spürten jetzt den Druck. „Das ist Impfpflicht durch die Hintertür.“

Eine Frau ist dazugekommen. Sie will ihre Mutter abholen, die auch gerade ihre Auffrischungsimpfung erhalten hat. „Wir sollten alle verdammt froh sein, dass wir uns impfen lassen können“, sagt Hannelore Krause. „Ich bin auch zweimal geimpft, mein Mann auch, und wir hoffen, dass wir uns bald die Dritte holen können.“ Vielleicht sei es ein Generationenproblem, meint Krause.

Am Impfbus gab es vor 14 Tagen noch lange Schlangen. Aufgrund der Nachfrage gibt es nun auch ein stationäres Angebot in Zeitz.
Am Impfbus gab es vor 14 Tagen noch lange Schlangen. Aufgrund der Nachfrage gibt es nun auch ein stationäres Angebot in Zeitz.
Foto: Torsten Gerbank

Druck für Ungeimpfte wird größer

Sie sei mit den Schutzimpfungen in der DDR aufgewachsen und sehe darin nur Vorteile. Ihre beiden Söhne, die in Bayern und Schleswig-Holstein leben, seien aber auch schon lange geimpft. „Es bringt uns doch Sicherheit. Und wir Geimpften haben auch Sie geschützt“, wendet sie sich an den jungen Mann. Ein weiteres Paar, vielleicht 40 Jahre alt, kommt. Auch sie wollen zur Erstimpfung. Auch bei ihnen ist die Arbeit der Grund. Und die regelmäßigen Besuche bei Verwandten.

„Wir kommen ja in Bayern nicht mal mehr in Gaststätten. Und wir hätten uns so oder so impfen lassen“, erzählt der Mann, „aber wir wollten erst mal warten. Und haben ehrlich gesagt auch gehofft, dass der ganze Mist inzwischen vorbei ist.“ Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat. Und genau das treibt auch manchen an, sich auf den Weg zur Katastrophenschutzhalle oder zum Impfbus zu machen. Von Mittwoch vergangener Woche bis Samstag wurden immerhin im gesamten Burgenlandkreis rund 6.500 Impfungen verabreicht, nennt die Pressestelle der Kreisverwaltung eine Zahl.

Schlagen werden kürzer - es hat sich eingespielt

Egal, was die Gründe sind, die Teams vom Zeitzer Impfzentrum und Impfbus freuen sich über jeden, dem sie den Piks verpassen können. Am ersten Tag in der neuen Impfstelle ließen sich in Zeitz 274 Bürger impfen. Wartezeit am vorigen Mittwoch war bis zu zwei Stunden, aber nicht mehr vier, wie beim Stopp des Impfbusses am Altmarkt vor 14 Tagen.

In den letzten Tagen wurden auch an der Katastrophenschutzhalle die Schlangen kürzer. Es hat sich eingespielt, das Angebot ist immer da. „Wir freuen uns, wenn es gut angenommen wird“, sagte Lange, besonders über die 15 bis 20 Prozent Erstimpfungen. Dafür sind die Impfteams auch gern unermüdlich im Einsatz.