Teil einer bundesweiten Initiative

Theaterstück im Zeitzer Capitol soll zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs beitragen

Bundesweite Initiative „Trau dich“ macht im Zeitzer Capitol Station und will mit einem Theaterstück zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs beitragen.

Von Yvette Meinhardt 11.11.2021, 07:30
Die Berliner  Kompanie Kopfstand bringt das Theaterstück „Trau dich“ im Zeitzer Capitol auf die Bühne.
Die Berliner Kompanie Kopfstand bringt das Theaterstück „Trau dich“ im Zeitzer Capitol auf die Bühne. Foto:RenÉ Weimer

Zeitz/MZ - Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für den ersten Kuss? Wie fühlt man sich, wenn die beste Freundin vom Zungenkuss und Schmetterlingen im Bauch schwärmt, man selber aber dafür noch nicht bereit ist? In szenischem Spiel mit jugendlicher Sprache, cooler Musik und Videoeinspielungen bringt die Kompanie Kopfstand das Theaterstück „Trau dich“ im Zeitzer Capitol auf die Bühne.

Theaterstück im Zeitzer Capitol trägt zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs bei

Die Darsteller begeben sich in die Rolle der Kinder. Da ist zum Beispiel Alina (gespielt von Adrienn Baszó), die Angst vom ersten Kuss hat. Oder Vladimir (Helge Gutbrod), der von seiner Oma immer noch Purzelbäumchen genannt und bei jedem Besuch zu Boden geknutscht wird. Doch Vladimir will das eigentlich nicht mehr, aber wie sagt er das seiner Oma? Oder auch der Freund von Alinas Schwester, der dem Mächen körperlich zu nah kommt und die Grenzen zum sexuellen Missbrauch deutlich überschreitet. Aber soll sie das ihrer Schwester erzählen, die kurz vor der Hochzeit steht?

Das Stück trifft den Nerv des jungen Publikums im Saal. In zwei Vorstellungen sitzen rund 270 Mädchen und Jungen der ersten bis zur fünften Klasse im Capitol. Die vier Schauspieler auf der Bühne befragen die Schüler nach ihren Gedanken und schaffen so einen direkten Austausch zwischen Publikum und den dargestellten Rollen. Schon vor der Vorstellung wurden die Kinder zu ihren Gefühlen oder wem sie sich anvertrauen würden gefragt. Ihr Antworten wurden in die Performance einbezogen und damit eine emotionale Brücke geschlagen.

Bundesweiten Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundesfamilienministeriums

„Es war ein tolles Stück, gefühlvoll, lehrreich und kindgerecht“, sagt Christoph Wendt, Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium Zeitz. Drei fünfte Klassen des GSG waren dabei. „Auch in meiner Klasse gibt es erste Liebesbeziehungen, das Thema passt perfekt“, fährt Wendt fort. So wird das Thema die Schüler weiter begleiten und im Unterricht soll es noch einmal aufgegriffen werden.

Das Stück ist Bestandteil der gleichnamigen bundesweiten Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundesfamilienministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Seit 2013 gab es bundesweit 280 Aufführungen in elf Bundesländern. Zeitz ist im Landkreis bisher die einzige Station. Die nächsten Auftritte folgen in Quedlinburg, Stendal und Magdeburg.

Tabea Waldforst von der Bundeszentrale koordiniert nicht nur die Auftritte. Sie knüpft Kontakte zu einem Netzwerk verschiedener Institutionen, die Beratung und Hilfe anbieten. Dazu gehören in Zeitz zum Beispiel Sara Hoffmann von Pro Familia, Schulpsychologin Magdalena Beyer, Daniela Rackow vom Verein Wildwasser in Halle und Paul Lange vom Netzwerk „Schulerfolg sichern“ im Burgenlandkreis.

Zeitzer Beratungsstelle Pro Familia berät Betroffene

„Allein im Jahr 2020 gab es in Sachsen-Anhalt 506 Fälle von sexuellem Missbrauch in Sachsen-Anhalt. Doch das sind nur die angezeigten Fälle. Ich schätze, dass diese Zahl nur etwa fünf bis zehn Prozent der tatsächlichen Fälle widerspiegelt“, sagt Daniela Rackow vom Wildwasser Halle. Jener Verein richtet sich gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Frauen und bietet betroffenen Frauen, Jugendliche und Kindern professionelle Hilfe an. Zur Zeitzer Beratungsstelle Pro Familia gibt es gute Kontakte.

„Wir hatten in der Corona-Zeit zahlenmäßig einen Einbruch in der Beratung. Doch jetzt steigt die Zahl der Beratungen zu Schwangerschaftsfragen oder Gewalt in der Familie wieder an“, sagt Sara Hoffmann von Pro Familia. Die beiden Ansprechpartner werden den Kindern nach dem Stück direkt auf der Bühne vorgestellt. „In Zeitz findet ihr uns in der Paul-Rohland-Straße 2, das ist nicht weit weg vom Bahnhof“, sagt Hoffmann zu den Kindern. Auch die Eltern wurden zu diesem Thema sensibilisiert. Dazu fanden im Vorfeld des Theaters Elternabende und Workshops mit den Lehrern statt.