Sanierung möglich

Sanierung möglich: Millionensegen für das Zeitzer Schloss

Zeitz - Die Moritzburg in Zeitz wird in den kommenden Jahren weiter an Attraktivität gewinnen. Warum das für die Stadt praktisch ein Geschenk ist.

Von Torsten Gerbank 10.08.2017, 07:00

Schloss Moritzburg in Zeitz wird in den kommenden Jahren weiter an Attraktivität gewinnen. Es erhält ein Schaudepot, in dem zusätzlich zur Kinderwagenausstellung Hunderte Kinderwagen zu sehen sind. Des Weiteren werden Besucher im sogenannten äußeren Schlosshof, praktisch vor dem Dom, Fahrradboxen finden, das Marstall-Gebäude wird saniert und zu Teilen neu gebaut.

Es wird künftig nicht nur die Museumsverwaltung beherbergen, sondern auch Depoträume und Teile der stadtgeschichtlichen Sammlung aus dem zweiten Obergeschoss des Schlosses.

Sechs Millionen Euro fließen in das Zeitzer Schloss: Woher das Geld kommt

Insgesamt sind laut Stadtverwaltung Investitionen in einer Höhe von rund sechs Millionen Euro geplant, wovon ein Teil auch der Instandsetzung des Johannisteichs im Schlosspark dient.

Dabei muss die Stadt nicht einmal eigenes Geld aufwenden. Denn die Investitionen, so Pressesprecherin Susanne Janicke, werden zu 90 Prozent aus dem Förderprogramm Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) finanziert.

Ziel der GRW-Förderung ist die Entwicklung der touristischen Infrastruktur bei kommunal getragenen Museen im Landesinteresse. Die 600.000 Euro Eigenanteil, den die Stadt zahlen muss, bekommt sie vom Burgenlandkreis.

Burgenlandkreis steuert Anteil aus den Lützen-Millionen  bei

Der steuert das Geld aus den sogenannten Lützen-Millionen  bei. Kreis- und Finanzausschuss des Kreistages hatten sich am Montag auf die Verteilung des Geldes - immerhin 52 Millionen Euro - geeinigt.

Die Zustimmung des Kreistages, der Montag berät, dürfte sicher sein. „Die Stadt“, sagt Janicke, „freut sich außerordentlich, dass der Kreis das Geld zur Verfügung stellt.“ Sie spricht von einer riesigen Investition, die sich Zeitz ohne das Geld vom Kreis hätte „niemals leisten können, erst recht nicht im Bereich des Schlossensembles“.

Hintergrund des zusätzlichen Geldes, über das der Kreis in seinem Haushalt für das Jahr 2018 verfügen kann, sind Steuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe, die die Deutsche Bank der Stadt Lützen im vergangenen Jahr überwiesen hat.

Rund 150 Millionen Euro Gewerbesteuern hat das Geldhaus, das im Lützener Ortsteil Sössen ein Tochterunternehmen unterhält, 2016 bereits gezahlt. Der Landkreis profitiert nun an der von der Stadt zu zahlenden Umlage.

Insgesamt beträgt die Lützener Umlage sogar rund 95 Millionen Euro. Diese Summe wird allerdings noch reduziert, da die Zuweisungen des Landes und Ausgleichszahlungen des Bundes aufgrund der hohen Umlage sinken. Außerdem behält der Kreis einen Puffer für die zwei kommenden Haushalte, da abzusehen ist, dass die Kosten im Bereich des Jugend- und Sozialamtes drastisch steigen werden.

Es ergeben sich somit 52 Millionen für zusätzliche Projekte. Interessant ist natürlich die Frage, ob dies ein einmaliger Geldsegen für den Landkreis bleibt. Über eine weitere Finanzspritze aus Steuergeldern der Deutschen Bank in ähnlich üppiger Höhe läuft gerade eine juristische Auseinandersetzung.

Von dem Geld, das verteilt werden kann, profitieren nicht nur Zeitz und Schloss Moritzburg, sondern auch andere touristische Einrichtungen des Burgenlandkreises - 20 Millionen Euro fließen in Schulen.  (hbo/ag/ank)

Was die Stadt Zeitz nun mit dem Schlosskomplex vorhat

Insgesamt plant die Stadt im Schlosskomplex die konsequente Trennung von Ausstellungs- und Depotbereichen, „um weitere hochwertige museale Räume im Hauptgebäude des Schlosses für Ausstellungen und Museumspädagogik nutzen zu können“, sagt Janicke. Mit der Auslagerung der Büro- und Depoträume in einen modernen Neubau, solle zudem eine Betriebskosteneinsparung erreicht werden. Das heißt: Heizkosten sinken.

Konkret soll ein Schaudepot über dem Deutschen Kinderwagenmuseum im ersten Stock entstehen, um die Kinderwagensammlung in ihrer Gänze für Besucher erlebbar zu machen. Denn im Kinderwagenmuseum ist bisher nur ein Teil der vorhandenen Ausstellungsstücke zu sehen.

Um den Plan umzusetzen, muss allerdings eine statische Verstärkung der Decke zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss erfolgen. Denn Untersuchungen hatten ergeben, dass historische Deckenbalken Schäden aufweisen. Ferner sind denkmalgerechte und energieeffiziente Sanierung der Marstallgebäude und der Kasematten geplant.

Nach Teileinsturz: Marstallgebäude am Schloss soll saniert werden

Am Marstall war es nach Unwettern mit starkem Regen im August 2014 zu einem Teileinsturz gekommen. „Sowohl Marstall als auch Kasematten sind in ihrem Zustand gefährdet und stehen in ihrem Zustand in deutlichem Kontrast zu den sanierten Gebäuden mit ihren hochwertigen touristischen Angeboten“, so Janicke. Die Kasemattengewölbe sollen später als Ausstellungs- und museumspädagogischer Veranstaltungsraum genutzt werden.

„Der Raum, der als Besuchergarderobe vorgesehen ist, erhält eine Ausstattung mit Garderobenschränken, Sitzgelegenheiten und Schließfächern“, erklärt Janicke. Im Moment stehen Besuchern nur neun Taschenschließfächer im Kassenraum zur Verfügung. (mz)