Predels Orgel erhält Innenleben zurück

Predel/MZ. - Joachim Jehmlich ist hoch qualifizierter Orgelbauer und was tat er? Er fuhrwerkte mit dem Staubsauger in der Hülle der Predeler Orgel herum, dass es eine Art hatte. Geradezu penibel säuberte er das Holzgehäuse, aus dem Orgelbaumeister Georg Wünning aus dem erzgebirgischen Großolbersdorf im Oktober alles ausgebaut hatte, was sich ausbauen ließ (die MZ berichtete). Die Orgel, 1699 vom Zipsendorfer Küster Gottfried Zehm und seinen Söhnen erbaut und zu Johannis 1700 eingeweiht, ist eine der ältesten Orgeln im mitteldeutschen Raum. Sie zu erhalten war nicht nur eine Herzensangelegenheit der Predeler ...

Von Maria Barsi 02.07.2008, 17:34

Joachim Jehmlich ist hoch qualifizierter Orgelbauer und was tat er? Er fuhrwerkte mit dem Staubsauger in der Hülle der Predeler Orgel herum, dass es eine Art hatte. Geradezu penibel säuberte er das Holzgehäuse, aus dem Orgelbaumeister Georg Wünning aus dem erzgebirgischen Großolbersdorf im Oktober alles ausgebaut hatte, was sich ausbauen ließ (die MZ berichtete). Die Orgel, 1699 vom Zipsendorfer Küster Gottfried Zehm und seinen Söhnen erbaut und zu Johannis 1700 eingeweiht, ist eine der ältesten Orgeln im mitteldeutschen Raum. Sie zu erhalten war nicht nur eine Herzensangelegenheit der Predeler Kirchengemeinde.

Über den Winter wurden in Wünnings Werkstatt die Orgelpfeifen restauriert und ergänzt. Auch das sei schon eine Sache für sich gewesen, erzählte der Orgelbaumeister. Die Prospektpfeifen zum Beispiel wurden den Originalen aus einer Zinn-Blei-Legierung nachgebaut. Die ursprünglichen Pfeifen nämlich habe die Gemeinde 1917 zum Einschmelzen abgeben müssen, als die Weltkrieger nach Metall schrien. In den zwanziger Jahren hatte man dann Zinnpfeifen einbauen lassen. Jetzt wurden zwei weitere Register nach Kenntnis von den Originalen nachgebaut. Um bei der Restaurierung und Sanierung so nahe als möglich an der ursprünglichen Orgel zu bleiben, wurde viel Aufwand betrieben, waren viele Schriftstücke zu wälzen, erzählte Wünning.

Eine Orgel jedoch ist weit mehr als die aus dem Orgelgehäuse herausblinkenden Pfeifen. Eine Herausforderung für die Orgelbauer war im Predeler Fall auch das Wellenbrett, das die Tastenbewegungen des Organisten auf die Tonventile der Windlade überträgt. Es war zu reinigen, das Lager war zu überarbeiten, Holzrisse mussten verleimt werden. Dabei stellte sich heraus, dass viele Einzelteile nicht mehr original waren. "Wir haben es dabei belassen, weil es dazu keine Vergleichsdaten mehr gibt", sagte Wünning bedauernd. "Leider gehen die Akten zu diesem Instrument nur bis 1925 zurück."

Sorgenkind war auch die aus Eichen- und Lindenholz gefertigte Windlade. Die Holzwürmer hatten vor allem die Lindenholzteile über Jahre zum Fressen gern gehabt. Nachdem die gefräßigen Untermieter den Kampf verloren hatten, tauschten die Orgelbauer trotzdem nur solche Holzteile aus, die aufgrund ihres schlechten Zustands die Stabilität der Windlade hätten beeinträchtigen können. Auch hier wurde so viel als möglich im Originalzustand belassen. Mit dem Wiedereinbau schließlich richtet sich Wünning unter anderem nach dem Wetter. Zurzeit passt es und er ist guten Mutes, dass das wertvolle alte Instrument zum Tümpelfest der Predeler wieder erklingen kann. Und jedenfalls schöner, als es selbst die älteren Predeler in Erinnerung haben.