Kostensteigerung durch Mindestlohn

Kostensteigerung durch Mindestlohn: Fleisch und Brot bald teurer?

Zeitz - Der Mindestlohn ist auf 8,84 Euro gestiegen. Kleinere Betriebe haben zunehmend Mühe mit Preisen industrieller Konkurrenz Schritt zu halten.

Von Sebastian Münster

Kostensteigerungen werden nach Ansicht von Handwerksbetrieben des Fleischerei- und Bäckereigewerbes auch in diesem Jahr voraussichtlich zu höheren Preisen an der Theke führen. Das sagten Handwerksbetriebe auf MZ-Nachfrage. Der gesetzliche Mindestlohn ist zum Jahreswechsel um 34 Cent auf 8,84 Euro pro Stunde gestiegen. Das entspricht einer monatlichen Lohnsteigerung von rund 55 Euro.

Doch nicht nur die Lohnkosten könnten zu Preissteigerungen führen. Auch die Strompreise machten sich bemerkbar, so Matthias Grund, Inhaber des gleichnamigen Zeitzer Fleischereibetriebes mit 18 Mitarbeitern. Ab 2017 beträgt die EEG-Abgabe für den Ausbau erneuerbarer Energien 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Bislang waren es 6,35 Cent. Hinzu kommen gestiegene Verpackungskosten und die Teuerung beim Kraftstoff. Und auch die Händler, von denen Matthias Grund etwa das Schweinefleisch für seinen Produktionsbetrieb im ostthüringischen Großröda bezieht, hätten im vergangenen Sommer ihre Preise um 50 Cent je Kilogramm angezogen.

Einführung des Mindestlohnes im Januar 2015

Seit der Einführung des Mindestlohnes im Januar 2015 sind die Thekenpreise in den Filialen von Mattias Grund nach Schätzungen des Inhabers um durchschnittlich einen Euro gestiegen. Das wirke sich auch auf den Umsatz aus, so Grund. „Die meisten unserer Kunden sind Rentner. Die müssen natürlich auf den Preis schauen.“ Ein Gegner des Mindestlohns ist Matthias Grund nach eigenem Bekunden nicht. Der größte Teil seiner Mitarbeiter verdiene ohnehin mehr als das gesetzliche Minimum.

Ein noch deutlich dunkleres Bild zeichnet ein Bäcker der Region, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir kämpfen jeden Tag“, so der Betriebsinhaber. Die Kosten-Nutzen-Schere klaffe jedoch aus seiner Sicht immer weiter auseinander. Die Preise an der Verkaufstheke werden steigen müssen, ist sich der Bäcker sicher. Noch existenzbedrohender sei aber der fehlende Nachwuchs. Die Bäckerinnung des Kreises, die zuletzt vier Mitglieder hatte, sei in Auflösung. Einen Prüfungsausschuss gebe es nicht mehr. Weil die nötige Anzahl an Auszubildenden fehlt, müssen die wenigen Lehrlinge des Kreises zur Berufsschulbildung nach Dessau fahren.

Anpassungsprobleme beim Thema Mindestlohn

Anpassungsprobleme beim Thema Mindestlohn haben insbesondere Handwerksbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, teilt die  Handwerkskammer Halle mit. In ihrer  Vollversammlung befürchteten die Mitglieder bereits im vergangenen Jahr, dass die gesetzliche Mindesvergütungen „branchenspezifische Besonderheiten“ nicht im gleichen Maße berücksichtige, wie die bis dahin praktizierten Tarifpartnerschaften zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert nach wie vor, das es mangels ausreichender Kontrollen weiterhin zahlreiche Verstöße gegen das Mindestlohngesetz gebe. Beim für die Kontrollen zuständigen Hauptzollamt Magdeburg sind aktuelle Zahlen für das vergangene Jahr noch nicht verfügbar. 2015  hat die Behörde 11.750 Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt kontrolliert. 2.900 Ermittlungsverfahren wurden demnach eingeleitet. Der überwiegende Teil betraf Leistungsbetrug – also Arbeiten bei gleichzeitigem Empfang von Arbeitslosengeld – sowie die Unterschreitung des Mindestlohns. Wegen Mindestlohnverstößen wurden Verwarngelder in Höhe von insgesamt 810.000 Euro verhängt. (mz)