Spielkartenfabrik Altenburg

Karl May spielt einen Grand

In Altenburg werden neue Skatkarten vorgestellt. Warum ein Kartensatz nach 58 Jahren doch noch seine Anerkennung findet.

Von Peter Zielinski 21.11.2022, 12:00
Die neue Skatkarten aus der Altenburger Fabrik
Die neue Skatkarten aus der Altenburger Fabrik Foto: Peter Zielinski

Altenburg/MZ - Man lernt ja nie aus. Wussten Sie, dass es neben dem amerikanischen, französischen auch das bayerische, fränkische, preußische, sächsische und das württembergische Blatt gibt? Der Unterschied liegt in den gestalterischen Eigenheiten eines jeden Kartenblatts. Da heißt es Schellen statt Karo oder Pik statt Grün. Die einen haben vier Farben, die anderen nur zwei. Rot für Karo und Herz sowie Schwarz für Pik und Kreuz. Und dann gab es noch die politischen Versuche, die Gestaltung der jeweiligen Weltanschauung anzupassen. Einen dieser Versuche aus dem Jahr 1964 hat die Altenburger Tourismus GmbH jetzt neu aufgelegt. Das waren aber nicht die einzigen Neuerscheinungen, die jüngst in Altenburg der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Ein weiteres Blatt hat das Leben und Werk Karl Mays zum Thema. Ein anderes zeigt Berliner Originale aus der Zeit um 1900, wie sie der Millieuzeichner Heinrich Zille gesehen haben könnte. Alle drei Kartenspiele sind in einer limitierten Auflage von 1.000 Stück erschienen. Doch zurück zum Kartenspiel von 1964. Der Altenburger Spielkartensammler Gerd Matthes erzählt die Geschichte des verunglückten Versuchs, ein neues Kartendesign zu etablieren. „Bedingt durch die vielen deutschen Kleinstaaten gab es noch bis in die 1960er Jahre regional unterschiedliche Spielkartenblätter. Hier in der Region spielte man das sächsische Blatt. Die DDR-Regierung strebte eine Vereinheitlichung an. Nicht zuletzt störte man sich seitens der Regierung auch an der verherrlichenden Darstellung des Königtums auf den Bildkarten.“ Doch sie hatte die Rechnung ohne die Kartenspieler gemacht. „Die Skatspieler waren von den komplett anders aussehenden Karten irritiert und wollten sich nicht an das neue Blatt gewöhnen. Nachdem die Verkaufszahlen des neuen Blatts eingebrochen waren, suchte man einen Kompromiss und gestaltete das noch heute gespielte Blatt“, so Matthes. Sammler und die junge Spielergeneration, die mittlerweile auf Dachböden und Flohmärkten auf der Suche nach dem verpönten „DDR-Spiel“ waren, sind nun der Anlass, es neu aufzulegen.

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