Gefährliche Gewächse

Gefährliche Gewächse: Nicht-heimische Pflanzen vermehren sich explosionsartig

Zeitz - Nicht-heimische Pflanzen vermehren sich explosionsartig und können das Ökosystem gefährden. Einige von ihnen verursachen gesundheitliche Probleme.

Von Sebastian Münster

Im Juni beginnt seine Zeit: Der Riesen-Bärenklau – auch Herkulesstaude genannt – fängt an zu blühen. Das meterhohe Gewächs mit dem dicken Stamm und den weißen Blüten gehört zu den für den Menschen gefährlichsten „invasiven Neophyten“, die der Natur in unseren Breiten zu schaffen machen. Wer mit ihm ohne Schutzkleidung in Kontakt kommt, ihn womöglich zu entfernen versucht, riskiert schwere Verbrennungen, denn sein Saft wirkt giftig (siehe „Verbrennungen durch Wiesengräser“).

Invasive Neophyten, das sind in der Region eigentlich nicht heimische Pflanzenarten, die bei ungehinderter Ausbreitung eine Gefahr für das Ökosystem darstellen. Zu ihrer Bekämpfung verpflichtet ist die Naturschutzbehörde des Burgenlandkreises nicht, heißt es auf MZ-Nachfrage. In Schutzgebieten werde aber generell versucht, die Ausbreitung problematischer Arten zu verhindern: Die meisten Bestände der Herkulesstaude, die eigentlich aus dem Kaukasus stammt, konnten in den vergangenen Jahren wirksam bekämpft werden, indem die Pflanzen ausgestochen werden, so die Behörde auf Anfrage. Bekannte Vorkommen gibt es demnach am Zeitzer Knittelholz, an der B 2 bei Droßdorf, am Elsterufer bei Minkwitz und auch in Geußnitz.

Probleme bereiten den Behörden im Schutzgebiet Elsteraue etwa das bunt blühende drüsige Springkraut, das sich explosionsartig vermehrt. „Gleiches gilt für den unkaputtbaren Staudenknöterich. Diese Gewächse sind nicht gefährlich für den Menschen, können allerdings der Natur erheblich schaden“, so KatrinSchneider. Die Diplom-Biologin leitet die Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts – kurz: Korina.

Karte im Internet: Jeder kann den Fund gefährlicher Gewächse melden

Das mit EU-Mitteln geförderte Projekt ist seinen Machern zufolge deutschlandweit einzigartig. „Wir wollen zunächst mal eine zuverlässige Datenlage zu problematischen Pflanzenarten schaffen.“ Im Burgenlandkreis gibt es aus Sicht der Expertin diesbezüglich noch viele Wissenslücken. „Wir würden uns hier wünschen, mehr Meldungen zu bekommen.“

Den Fund gefährlicher Gewächse kann prinzipiell jeder bei Korina melden. Auf einer Karte im Internet – dem sogenannten Fundatlas – sind die Stellen für jeden einsehbar vermerkt. Der jüngste Fund von Riesen-Bärenklau ist demnach im Mai in Luckenau passiert.

Den Machern von Korina geht es nach eigenem Bekunden darum, ein Bewusstsein für das weitgehend ungehinderte Ausbreiten so mancher Pflanze zu schaffen. Tatsächlich würden invasive Neophyten in Halle seit Gründung des Projekts vor acht Jahren häufiger bekämpft. „Die haben das mittlerweile im Griff“, attestiert die Biologin.

Riesen-Bärenklau und Staudenknöterich gehören zu invasiven Neophyten

Die Korina-Mitarbeiter klären auch Gartenbesitzer und Pflanzenfreunde über die Gefahren und ordentliche Entsorgung von sich aggressiv ausbreitenden Gewächsen auf. Denn nicht wenige Neophyten haben ihren Anfang in Gärten gemacht. Gefährlichstes Beispiel aus Korina Schneiders Sicht: Der japanische Staudenknöterich. Die schnell wuchernde Pflanze, die auch in der Elsteraue Probleme macht, war bei Gärtnern wegen ihrer Robustheit beliebt.

Eben die macht sie mittlerweile zur Plage, so die Diplom-Biologin. „Kleinste Reste können eine neue Pflanze bilden“, so Schneider. Die weit verzweigten Wurzeln müssen deshalb mühsam entfernt, die Pflanze komplett verbrannt werden. Wird sie stattdessen einfach auf den Kompost geworfen, wächst sie von dort weiter. Das hat mitunter teure Folgen. So sei mit Knöterich kontaminierte Erde bereits im Deichbau eingesetzt worden. Das Resultat: die Pflanze wuchert den viele Millionen Euro teuren Flutschutz zu. Die schlingenartigen Wurzeln befestigen das Erdreich aber nicht. Der Deich ist praktisch wirkungslos, weil viel zu unbefestigt. „So etwas muss dann teuer repariert werden“, schildert die Expertin.

Ein Lichtblick ist für die Diplom-Biologin die jüngst verabschiedete EU-Verordnung „über invasive und gebietsfremde Arten“. Mitte vergangenen Jahres hat die Europäische Union so auf einer Art Schwarzliste Tiere und Pflanzen definiert, deren Haltung, Import, Verkauf und Zucht seither beschränkt werden. Denn einige gefährliche Neophyten finden sich nach wie vor in Gartenmärkten. Bereits seit längerem weist der Vorstand des Regionalverbandes der Gartenfreunde „Weiße Elster“ seine knapp 3.000 Kleingärtner auf die Gefährlichkeit solcher Pflanzen hin, beispielsweise in Informationsblättern, so der stellvertretende Vorsitzende Klaus-Wilfried Ammer.   (mz)

Der Fund von invasiven Neophyten wie dem Riesen-Bärenklau kann im Internet oder über die gleichnamige Smartphone-App bei Korina gemeldet werden. Infos unter www.korina.info