Es rumort in Theißen

Es rumort in Theißen: Kritik an Plänen zum Einsatz von Strukturfördermitteln

Theißen - Freie Wähler Theißen üben Kritik an Plänen des Ortsbürgermeisters zum Einsatz von Strukturfördermitteln. Worum es dabei konkret geht.

Von Peter Zielinski

Im Theißener Ortschaftsrat rumort es. Natürlich geht es ums liebe Geld. Beziehungsweise, für was man wie viel bekommt. In der Mitteldeutschen Zeitung sprach Theißens Ortsbürgermeister Thomas Ham (parteilos) kürzlich von verschiedenen Projekten, die man mit den Geldern aus dem Strukturstärkungsgesetz angehen möchte. Diese Pläne haben aber den Ortschaftsrat Olaf Köstler und seine Kollegin Evelyn Dölz (beide Freie Wähler Theißen) gelinde gesagt irritiert.

„Wir haben in der Ortschaftsratssitzung vom 5. August 2020 eindeutig besprochen, welche Projekte für uns die oberste Priorität bei der Verwendung von Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz haben – und jetzt erzählt der Ortsbürgermeister in der Öffentlichkeit etwas völlig anderes“, sagt Köstler. „Die Verwaltung in Zeitz ist irritiert.“ Evelyne Dölz ergänzt: „Da war von der Sanierung der Schachtanlage Paul II keine Rede. Warum sollten wir viel Geld für zwei oder drei Arbeitsplätze, die in einem Museum entstehen werden, ausgeben?“

Für Ham ist Paul II mehr eine Art Gedankenspiel

Im Ortschaftsrat wurde vorher schon über das Projekt Paul II gesprochen. Einige Beteiligte vertraten die Meinung, es wäre für eine Sanierung viel zu spät. Thomas Ham, der Ortsbürgermeister, entgegnet: „Das Zeitzer Zekiwa-Werk ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch bei Paul II noch nicht zu spät sein könnte. Das sollten aber Fachleute ordentlich untersuchen.“ Für Ham ist Paul II mehr eine Art Gedankenspiel. „Ich will darauf aufmerksam machen, dass der Bund Haupteigentümer der Anlage ist. Teuchern und Theißen besitzen nur den kleineren Anteil.

Der Bund, vertreten durch die LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft), soll sich um Paul II kümmern.“ Ham stützt sich auf eine Anfrage an die Landesregierung, in der der Abgeordnete Rüdiger Erben (SPD) wissen wollte, welche denkmalschutzrechtliche Bedeutung die Grube Paul II habe. Die Landesregierung antwortete am 20. Januar 2020, dass die Schachtanlage unter anderem wegen des letzten erhaltenen Strebenfördergerüstes von 1915 in das Denkmalverzeichnis aufgenommen wurde.

„Wie kommt er auf die Idee?“

Eine weitere Idee, die bei der Fraktion der Freien Wähler auf Unverständnis stößt, ist, dass Thomas Ham einen Neubau der Kita in Theißen ins Spiel brachte. „Wie kommt er auf die Idee?“, entrüstet sich Köstler. „Wir haben mit den Rücklagen der Gemeinde, kurz bevor wir zur Stadt Zeitz kamen, den Kindergarten grundertüchtigt.“ Alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor steigendem Grundwasser in Folge des Tagebauendes seien ergriffen worden.

Darauf entgegnet Ortsbürgermeister Ham: „Der Grund, auf dem der Kindergarten steht, gehört zur ehemaligen Parkanlage des Rittergutes Reußen. Das Gebäude steht da, wo früher der Teich des Parks lag. Laut Gutachten ist der Grund nicht besonders tragfähig. Drei Gebäude wurden in jüngster Vergangenheit in der Straße Am Park bereits abgerissen, weil sie erhebliche Schäden hatten. Ich würde nicht weiter abwarten wollen, bis die Probleme da sind.“

„Ich kann schon verstehen, dass man darüber sprechen möchte.“

Das nächste Problem liegt nur ein paar Meter weiter. Das Haupthaus des Rittergutes Reußen. „Es ist zwar in Privatbesitz. Ich möchte trotzdem eine Sanierung anschieben und dem Eigentümer aufzeigen, welche Fördermöglichkeiten es gibt“, sagt Ham. Für Olaf Köstler ist das schwer zu verstehen, da es gar nicht klar sei, wer derzeit Eigentümer des Rittergutes ist. Bei der nächsten Ortschaftsratssitzung, die für den 16. Februar geplant ist, möchte Ham die verschiedenen Kritikpunkte zur Sprache bringen.

„Ich kann schon verstehen, dass man darüber sprechen möchte.“ Bezüglich des Förderprogramms ergänzt er: „Wir müssen alles einbringen, was geht. Entschieden wird an anderer Stelle. Laut Landesregierung gibt es aber genug Geld.“ Was geht und vor allem wie, sollten die Ortsbürgermeister in einer Telefonkonferenz mit dem Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU) am Mittwoch erfahren. (mz)