Handball

Wittenberger Team ärgert Topfavorit Freiberg

Der SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz kann den Topfavoriten aus Freiberg mehr als eine Halbzeit ärgern. Jan Knabe im Kasten überzeugt.

Von Michael Hübner
SV-Torwart Jan Knabe pariert einen Wurf von Erik Riedel. Der SV verfügt  mit Christian Brandt über zwei hervorragende Schlussleute.
SV-Torwart Jan Knabe pariert einen Wurf von Erik Riedel. Der SV verfügt mit Christian Brandt über zwei hervorragende Schlussleute. (Foto: Sascha Graf)

Wittenberg - Das Fazit des Abends ist schnell erzählt: Der SV Wittenberg-Piesteritz ist in der Mitteldeutschen Oberliga der Handball-Männer wettbewerbsfähig. Allerdings hat der Topfavorit aus Freiberg am Ende noch standesgemäß mit 23:16 gewonnen. Doch der amtierende Vizemeister Mitteldeutschlands hat mehr als eine Halbzeit lang Mühe, sich gegen die engagiert und stark kämpfenden Gastgeber - vier Leistungsträger fehlen wegen Verletzung - durch zu setzen. „Auf diese Leistung lässt sich aufbauen“, sagt Jan Knabe.

Die Überraschung im Tor

Der 18-Jährige - der vor einem Jahr sein Debüt gegen Freiberg gegeben hat - steht völlig überraschend im SV-Kasten. Er habe „fünf Minuten vor dem Aufwärmen“ von der Personalentscheidung erfahren und „mich riesig gefreut“. „Das war ein Bauchgefühl“, erklärt SV-Trainer Armands Uscins. Die Entscheidung wird zum Volltreffer. Der junge Mann stiehlt seinem prominenten Gegenüber - das ist der 35-Jährige Tino Hensel - in der ersten Halbzeit die Show.

Der Youngster pariert sogar einen Siebenmeter von Nico Werner (25. Minute). Da kann allerdings Hensel mithalten. Den Grün-Weißen ist ja mit Pjotr Bielec, der jetzt in Radis spielt, der Spezialist abhanden gekommen. Und so geht Christian Schöne zum Punkt - und scheitert (13.). „Ich teile mir die Aufgabe mit Tomáš Pavlícek“, verrät Schöne den Saisonplan. Doch am Samstag steht der Bundesligaprofi - das ist der sensationell anmutende Königstransfer vom SV-Manager Patrick Pusch - nicht zur Verfügung, sondern auf der langen Verletztenliste.

Und so ist plötzlich guter Rat teuer. „Ich habe mich kurz mit Chris Hoffmann abgestimmt, und es noch mal probiert“, so Schöne, der das Vertrauen seines Teams rechtfertigt und trifft (21.). Insgesamt erzielt der Grün-Weiße vom Punkt fünf Treffer bei sechs Versuchen und wird bester Werfer der Gastgeber.

Das erste Oberliga-Tor für den SV erkämpft aber Pascal Beyer beim 1:1 (3.). Die erste Führung erzielt Lukas Knape beim 5:4 (16.). Im Vorjahr - auch da gastiert der Freiberg zum Auftakt in der Stadthalle - liegt die Uscins-Sieben zu diesem Zeitpunkt schon hoffnungslos 2:12 hinten. Der Außenseiter kann dieses Mal noch zwei Mal beim 6:5 durch Beyer (19.) und beim 7:6 durch Schöne (21.) vor der Pause in Front gehen. Karlo Buntic wirft zum kaum erhofften 9:9-Halbzeitstand.

Nach dem Wechsel erzielt Schöne beim 11:10 (36.) die letzte Führung. Danach erzwingt der haushohe Favorit die Vorentscheidung. Der Vizemeister nutzt die Zeitstrafen gegen Buntic und Hoffmann gnadenlos aus. In doppelter Unterzahl müssen die Grün-Weißen den 11:14-Rückstand hinnehmen (40.). Es gehört zur Chronistenpflicht: Die Schiedsrichter verhängen gegen die Gastgeber sechs Zeitstrafen, die Sachsen kommen mit einer einzigen davon. Was die Statistik aber nicht sagt, gerade in dieser kritischen Phase übersehen die Referees eine Tätlichkeit des Favoriten.

Ein klarer Ellenbogencheck wird nicht geahndet und das aus dem Angriff resultierende Tor zählt. Die berechtigten Proteste werden mit einer Gelben Karte für die Bank abgetan. In der Stadthalle, wo noch in der ersten Halbzeit der Funke der Begeisterung vom Parkett auf die Ränge überspringt, wird es ruhiger. Daran kann auch Maskottchen Luthi bei seinem ersten Einsatz - er verteilt Süßes an die Kinder - nichts ändern. Der Neue und Kevin Pachaly fordern das Publikum zu noch mehr Unterstützung auf. Hallensprecher Rene Peper animiert die Besucher mehrfach zum Sonderapplaus für Knabe. Der Favorit lässt sich davon nicht mehr beeindrucken.

Grünes Licht für die Fans

Am Samstag geht es für die Grün-Weißen zum Vorjahresdritten Pirna. Erstmals dürfen die SV-Anhänger - der Verband hat das Corona-Reiseverbot der Fans aufgehoben - eine Auswärtspartie in der Oberliga erleben. Der Bus fährt um 14.30 Uhr ab Stadthalle. Die Hin- und Rückfahrt kosten zehn Euro.

Pascal Hernig trifft für die Grün-Weißen zwei Mal.
Pascal Hernig trifft für die Grün-Weißen zwei Mal.
(Foto: Sascha Graf)