Sanierungspläne in RottaSanierungspläne in Rotta: Der alten Mühle neues Leben einhauchen

Rotta/MZ - „Es ist total irre. Ich bin hier früher mit meinen Kindern Schlittschuh gefahren und jetzt gehört mir alles - auch der Teich.“ Torsten Sielaff ist auch über ein Jahr nach dem Kauf der alten Gassmühle in Rotta fasziniert von dem, was für ihn und seine Frau Simone bald ein Zuhause werden ...

Von Sabine wesner 19.03.2013, 18:32

„Es ist total irre. Ich bin hier früher mit meinen Kindern Schlittschuh gefahren und jetzt gehört mir alles - auch der Teich.“ Torsten Sielaff ist auch über ein Jahr nach dem Kauf der alten Gassmühle in Rotta fasziniert von dem, was für ihn und seine Frau Simone bald ein Zuhause werden soll.

„In den vergangenen Monaten haben wir hier Unmengen an Müll, Schrott und Bauschutt heraus geholt und fast jedes Wochenende und den Urlaub hier verbracht“, erzählt das Paar, das im vergangenen August im eigens dafür umgebauten Kuhstall des verfallenen Vierseitenhofes Hochzeit feierte, von den umfangreichen Bauvorhaben, die es hier realisieren will.

Baustart für Wohnhaus

Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des künftigen Wohnhauses unmittelbar neben dem Mühlteich begonnen werden. Spätestens 2015 wollen die Sielaffs hier einziehen. „Wir haben keine Eile, wohnen nicht weit von hier in Uthausen. Aber die Lust, hierher zu ziehen, ist kaum zu toppen“, schwärmt das Paar von der traumhaften Natur des fast zwei Hektar großen Grundstücks zu dem neben den Gebäuden und dem Teich auch ein riesiger zur Streuobstwiese umgestalteter Garten, Teile des Mühlgrabens, ein altes Wagenhäuschen und viel Grünland gehören.

Dabei hielt sich die Begeisterung für das Objekt, zumindest was Simone Sielaff angeht, anfangs mehr als in Grenzen. „Ich sehe noch das lange Gesicht meiner Frau, als wir im Oktober 2010 das erste Mal hier waren und ich ihr von meiner Idee erzählte, den Hof, den man vor lauter Müll und Bauschutt gar nicht betreten konnte, wieder aufzubauen“, erinnert sich Sielaff daran, dass seine damalige Lebensgefährtin wohl schon ein bisschen an seinem Verstand gezweifelt habe.

„Das lange Gesicht und die richtig schlechte Laune sind längst vergessen. Meine Frau ist kaum noch zu bremsen, wenn es um den Ausbau des Hofes geht“, freut sich der Thüringer, der Anfang der 80er Jahre in Wittenberg seine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte und in Uthausen eine neue Heimat fand. „Mit meinen Söhnen war ich früher oft hier“, erzählt der 45-Jährige von Wanderungen und Ausflügen, die zur Gassmühle und dem Mühlteich führten. „Ich kenne das Objekt noch aus besseren Zeiten, als die Döhlers, Nachfahren des letzten Müllers, noch hier lebten“, sagt Sielaff, der seine zweite Frau, eine gelernte Krankenschwester, 1994 bei der Arbeit in der Klinik Bosse kennenlernte. „Das hier für uns aufzubauen und Spuren vergangener Generationen zu finden, macht einen solchen Spaß. Das ist besser als jeder Urlaub und jede Therapie“, sind sie sich sicher.

In insgesamt drei Bauabschnitten will das Paar dem Mühlenhof neues Leben einhauchen. „Den ehemaligen Vierseitenhof wollen wir erhalten. Dass die Mühle selbst schon eingestürzt ist, ist schlimm genug. Aber ein paar Mauern und den Keller, in dem sich noch einige Mühlsteine und etwas Kraftübertragungstechnik befinden, wollen wir auf jeden Fall für Besucher, die sich für die Geschichte interessieren, bewahren“, sagt Sielaff.

Das ehemalige Wohnhaus wird mit den Außenmauern im Erdgeschoss stehen bleiben und ein neues Dach bekommen. Darin sollen dann später Gästeparkplätze und Sanitäranlagen für die Besucher des Ausflugslokals geschaffen werden, das die Sielaffs im dritten Bauabschnitt und voraussichtlich erst in etwa zehn Jahren im einstigen Kuhstall ausbauen wollen.

Hier, wo seit der Hochzeit eine lange Tafel mit Bänken sowie gemütliche Sitzmöglichkeiten im urigen Ambiente des alten Stallgebäudes stehen, hofft Sielaff, demnächst Hörabende anbieten zu können. „Wir haben das mit unseren Gästen gemacht, die uns bei der Pflanzung der Obstbäume halfen, die wir uns zur Hochzeit für die Streuobstwiese gewünscht haben. Das war richtig toll“, schwärmt Sielaff, der dafür noch einen Anbieter sucht.

Wohnen neben dem Teich

„Das Winkelgebäude am Mühlteich wird mit 170 Quadratmeter ebenerdiger Wohnfläche unsere Hauptwohnung sein“, erklärt Sielaff die Pläne, für die sich das Paar einen erfahrenen Architekten mit ins Boot geholt hat. Auch für die Nutzung der ständig verfügbaren Energie im fließenden Mühlgraben - laut Sielaff sind das 200 bis 300 Liter Wasser pro Sekunde - gibt es inzwischen eine Genehmigung, hier mittels Turbine Energie zu erzeugen. „Aber der Mühlteich wird uns nicht nur Strom liefern, sondern über einen Wärmetauscher auch die Heizenergie für das Wohnhaus und die anderen Gebäude“, freut sich der Mühlenbesitzer.

Über dem künftigen Ausflugs-Café sollen einmal zwei bis drei Ferienwohnungen entstehen, denn der derzeit noch darin befindliche Heuboden und der Dachstuhl bieten sich geradezu an, eine ländliche Unterkunft zu schaffen, die gemütlich ist, historisch gewachsen und in einer naturnahen Umgebung. Weitere Unterkünfte plant Sielaff im westlichen Längsgebäude. Hier, im ehemaligen Schweinestall, sollen im zweiten Bauabschnitt vier Maisonetten-Wohnungen mit Sauna und Wellnessbereich Feriengästen Unterkünfte bieten.

Unterkünfte für Feriengäste

„Ich vermiete bereits ein kleines Ferienhaus in Uthausen, das ich doppelt und dreifach vermieten könnte“, erzählt Sielaff von der großen Nachfrage, die es dann hoffentlich auch für die Rottaer Unterkünfte gibt. Der Trockenspeicher, nicht nur das westlichste Gebäude des Hofes, sondern der Gemeinde Rotta, wird - obwohl es noch relativ gut erhalten aussieht - wohl abgerissen werden müssen. Ein langer Riss in der Giebelseite, der den nicht sehr tiefen und stark ausgespülten Fundamenten geschuldet ist, machen den Erhalt des Hauses, sehr aufwendig.

„Das was hier mit der historischen Gassmühle in Rotta passiert, wollen wir auch ein bisschen bekannt machen. Es ist unser Traumobjekt und Lebensaufgabe für die nächsten Jahrzehnte“, sagt Sielaff der eigens für die Mühle eine Homepage eingerichtet hat.