Rudern um Gold

Rudern um Gold: Tabea Kuhnert reist zum Wettkampf nach Argentinien

Wittenberg - Tabea Kuhnert gewann bereits nationale und internationale Meisterschaften. Demnächst reist sie nach Argentinien.

Von Saskia Hotek 12.09.2018, 07:15

Vizeweltmeisterin, Europameisterin und deutsche Meisterin der U 19. An dem alten Ruder, welches ihr Bruder umgestaltet und im Elternhaus an der Wand befestigt hat, finden immer mehr Medaillen ihren Platz. Die Person hinter diesen großen Erfolgen: Tabea Kuhnert.

Die 18-Jährige, die in Rackith aufgewachsen ist, gehört zu den besten Ruder-Talenten in Deutschland. Schon früh begleitete sie ihre beiden Brüder in den Ruderclub nach Wittenberg. Ihr späterer Trainer leistete gute Überzeugungsarbeit, um Tabea Kuhnert für den Sport zu gewinnen. „Anfangs habe ich mich nicht getraut“, erinnert sich die heutige Leistungssportlerin.

Doch irgendwann reichte ihr das Zuschauen nicht mehr. Sie überwand ihre Zurückhaltung und begann schließlich 2007 mit dem Rudern. Ihr Bruder wechselte später zum SC Magdeburg. Tabea Kuhnert war fasziniert von der ganzen Atmosphäre und vor allem vom Internat.

„Ich will das unbedingt auch machen,“ lag die Schülerin damals ihren Eltern in den Ohren. Sie forderten ihre Tochter auf, sich ihren Plan noch einmal zu überlegen, aber für die Athletin stand der Entschluss, nach Magdeburg zu gehen, bereits fest. Bis heute bereut die Ruderin ihre Entscheidung nicht.

Seither absolviert sie neben der Schule ein straffes Trainingsprogramm: Zweimal am Tag, sechsmal in der Woche. Wenn der Unterricht erst 10 Uhr beginnt, startet die erste Einheit bereits um 7.30 Uhr. Ein anstrengender Alltag, in dem nicht viel Freizeit bleibt. „Meistens komme ich abends nach Hause und falle einfach nur ins Bett.“

Ihre Familie sieht die Schülerin in den Sommermonaten selten, da sie am Wochenende trainiert oder an Lehrgängen teilnimmt. Dafür findet sich im Winter mehr Zeit für Besuche in der Heimat. Aber die Winterpause hat noch nicht begonnen. Ein großes Ereignis steht im Oktober noch an: Die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires (Argentinien). Diese Wettkampf-Teilnahme musste sich Tabea Kuhnert lang erarbeiten, wurde aber auch mehrfach dafür belohnt.

Im April 2017 bei der 1. Rangliste der deutschen Junioren erreichte die junge Sportlerin überraschend den dritten Platz und qualifizierte sich damit für die U 19-Europameisterschaft einen Monat später in Krefeld. Hier gab sie ihre EM-Premiere im Doppelzweier und fuhr direkt zur Goldmedaille.

Als Europameisterin ging die Reise weiter zur U 19-Weltmeisterschaft in Litauen. Mit einem Rückstand von nur 0,45 Sekunden gewann ihr Doppelvierer die Silbermedaille. Stolz sagt die Ruderin: „Das ist bisher mein größter Erfolg.“

Als Vizeweltmeisterin kann sich die Leistungssportlerin nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. In diesem Jahr setzte sich Tabea Kuhnert das Ziel, im Einer bei der Weltmeisterschaft zu starten. Dazu musste sie ihr Können in mehreren Wettkämpfen unter Beweis stellen. Anfang Juni ging es deshalb nach Hamburg. Mit dem ersten Platz in der Juniorenregatta demonstrierte die 18-Jährige, dass sie die beste deutsche Ruderin ist.

„Mir fiel ein riesen Stein vom Herzen und ich habe geweint vor Freude.“ So viel bedeutete dieser Sieg. Um endgültig für die U 19-Nationalmannschaft nominiert zu werden, war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft notwendig. Tabea Kuhnert war sich bewusst, dass sie ihre Leistung auf den Punkt genau abrufen muss. Als Favoritin startete die junge Frau aus Rackith in die Rennen und dieser Rolle wurde sie gerecht. Sowohl im Einer als auch im Doppelvierer gewann sie die Goldmedaille. Jetzt stand dem Start im Einer bei der Weltmeisterschaft nichts mehr im Weg. In kräftezehrenden Rennen gelang ihr ein sehr bemerkenswerter fünfter Platz.

Nun laufen die letzten Vorbereitungen für den Saisonabschluss in Buenos Aires. Hier startet sie im Einer und kommt ihrem olympischen Traum ein Stück näher. Vielleicht erweitert Tabea Kuhnert ihre Medaillensammlung, die an dem alten Ruder hängt. (mz)