Reformationssommer in Wittenberg

Reformationssommer in Wittenberg: 4.000 Pfadfinder feiern mit Luther

Wittenberg - Im Alter von sieben Jahren ist Johannes Malinowski zu den Pfadfindern gegangen. Heute ist er 27 und immer noch dabei. Im Alltag arbeitet er als Zeitungsredakteur und engagiert sich ansonsten weiter ehrenamtlich für den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Der richtet vom 27. Juli bis zum 5. August in Wittenberg sein Bundeslager aus: Dass Malinowski mit vor Ort ist, versteht sich von ...

Von Corinna Nitz
Da wächst was: Im Norden von Wittenberg wird derzeit das Bundeslager der Pfadfinder aufgebaut.

Im Alter von sieben Jahren ist Johannes Malinowski zu den Pfadfindern gegangen. Heute ist er 27 und immer noch dabei. Im Alltag arbeitet er als Zeitungsredakteur und engagiert sich ansonsten weiter ehrenamtlich für den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Der richtet vom 27. Juli bis zum 5. August in Wittenberg sein Bundeslager aus: Dass Malinowski mit vor Ort ist, versteht sich von selbst.

Offene Tür für Besucher

4.000 junge Menschen zwischen 13 und 20 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet werden in dem Bundeslager erwartet, dessen Aufbau längst begonnen hat. Im Norden Wittenbergs entsteht etwas, das Malinowski als neuen Mikrokosmos bezeichnet - eine kleine Stadt am Rande der Stadt: 30 Hektar misst einer Mitteilung zufolge der Zeltplatz, 15 Kilometer Stangenholz werden für die Schwarzzelte verbaut, in denen die Pfadfinder unterkommen. 2.000 Quadratmeter hat das Festzelt (unter anderem für Verpflegung). Außerdem werden zwei Kilometer Stromleitungen und 1,5 Kilometer Frischwasserleitungen verlegt sowie 85 Dixi-Toiletten aufgestellt.

Das Bundeslager des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Wittenberg steht unter dem Motto „Weitblick“ und dauert vom 27. Juli bis 5. August. Es wird „nachhaltig“ betrieben, z. B. kommen Lebensmittel aus regionalem und saisonalem Anbau oder sind, wie es in einer Mitteilung heißt, fair gehandelt. Was die Gesundheit der 4.000 Teilnehmer betrifft, so werde ein eigenes Lagerhospital eingerichtet, in dem entsprechendes Fachpersonal tätig wird.

Für mögliche Krisenfälle sei ein Plan mit örtlichen Behörden entwickelt worden. Ein Krisenfall könnte ein Unwetter oder eine Warnung davor sein, die eine rasche Evakuierung erforderlich mache, wie das beim letzten Bundeslager 2014 der Fall war. Normalerweise finden Bundeslager alle vier Jahre statt. Wegen des Reformationsjubiläums 2017 wurde das nächste Treffen nun um ein Jahr vorverlegt. cni

„Allein das zu sehen, wie ein neuer kleiner Stadtteil entsteht, ist spannend“, sagt Malinowski und weist insoweit auf den Besuchertag am 30. Juli hin: Dann können sich interessierte Wittenberger und Gäste vor Ort selbst einen Eindruck verschaffen und schauen, wie so ein Bundeslager eigentlich funktioniert.

In der Programmgestaltung orientieren sich die Pfadfinder, natürlich, am Reformationsjubiläum. Der VCP ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend: „Es war immer klar, dass wir mit diesem Bundeslager nach Wittenberg gehen“, betont VCP-Generalsekretär Jan Behrendt gegenüber der MZ.

Thema, zum Beispiel bei Workshops, wird nun Martin Luthers Mut sein, genau da sieht Behrendt durchaus Parallelen auch zum Verband. Über Luthers Antrieb etwa, etwas zu verändern, sagt er: „Das ist auch unser Anspruch. Wir wollen Gesellschaft gestalten.“ In Wittenberg werden sie sich indes weniger mit der Vergangenheit beschäftigen, umso mehr mit der Zukunft - gegossen in eine Spielidee, bei der am Ende, also in 500 Jahren, tatsächlich die Welt gerettet werden muss.

Neben den Workshops werde es jeden Abend Bühnenprogramme zum Thema geben. Ziel sei eine Dokumentation, die beispielsweise auch bei Gruppentreffen nach dem Bundeslager verwendet werden könnte. Abgesehen von der Arbeit auf dem Gelände des Bundeslagers werden die Teilnehmer sich auch in der Stadt aufhalten und dort die Weltausstellung Reformation „Tore der Freiheit“ besuchen.

„Geruch nach Abenteuer“

Die Pfadfinder-Idee reicht zurück ins Jahr 1907 nach Großbritannien. Im VCP Deutschland engagieren sich heute 47.000 Mädchen und Jungen, weltweit sind gut 40 Millionen junge Menschen bei den Pfadfindern. Gründe dafür, dass die Organisation für junge Menschen attraktiv ist, gibt es laut Behrendt viele: Das Naturerlebnis etwa sei verbunden mit dem „Geruch nach Abenteuer“. Zudem „ist der Gemeinschaftsgedanke maximal spürbar“.

Auch bekommen Pfadfinder „früh Verantwortung übertragen“. Sie würden so „zu selbstbewussten jungen Menschen erzogen“. Von alledem abgesehen mache die Internationalität das Engagement spannend. Auch zum Bundeslager in Wittenberg werden 300 internationale Gäste unter anderem aus Schweden, Australien und Simbabwe erwartet.

Der Besuchertag für interessierte Wittenberger im Bundeslager der Pfadfinder am 30. Juli beginnt 11 Uhr mit einem Gottesdienst. Anschließend werden Führungen über den Platz angeboten. Zu den prominenten Gesprächspartnern im Verlauf des Bundeslagers gehören die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. (mz)