Rechtsstreit

Rechtsstreit: Wer darf die Luther-Nudel machen?

Wittenberg - Die von vielen kritisch belächelte Luther-Nudel ist zum Zankapfel geworden. Die Wittenberger Erfinder streiten sich mit einem pfälzischen Nudelproduzenten um den Kopf des Reformators, der 2016 als Teigware aus Hartweizen zum Weichkochen auf den Markt geworfen worden ...

Von Irina Steinmann

Die von vielen kritisch belächelte Luther-Nudel ist zum Zankapfel geworden. Die Wittenberger Erfinder streiten sich mit einem pfälzischen Nudelproduzenten um den Kopf des Reformators, der 2016 als Teigware aus Hartweizen zum Weichkochen auf den Markt geworfen worden war.

Thomas Pforte von der Wittenberger Werbeagentur S. Pforte wirft einem Pfälzer Nudelfabrikanten vor, „unser Motiv zu verwenden“, widerrechtlich, versteht sich.

Die Angelegenheit wird demnächst wohl vor Gericht gehen, Pforte und seine Frau Silke haben eigenen Angaben zufolge einen Patentanwalt eingeschaltet und erwarten im Juni ihren Kontrahenten zum Verhandlungstermin in Leipzig. Es könnte ein Kampf David gegen Goliath werden, unterstreicht Pforte, denn es handele sich beim Herausforderer um den unangefochtenen Marktführer im lustigen Teigwaren-Segment Motivnudeln, die Gutting Pfalz-Nudel GmbH mit Sitz in Großfischlingen.

Pasta oder Nudel: Pfälzer Luther hat einen Steg weniger

Die Pfortes, die sich eigenen Angaben zufolge ihre Nudel sicherheitshalber in Wort und Bild und als Patent haben schützen lassen, wie Thomas Pforte der MZ bereits anlässlich der Markteinführung vor knapp einem Jahr berichtete, räumen ein, dass sie ursprünglich mit der Gutting Pfalz Nudel GmbH hatten ins Geschäft kommen wollen und zu diesem Zweck auch einen „Entwurf“ des Nudelkopfes nach Großfischlingen geschickt hatten.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, den Lutherkopf ins kochende Wasser zu werfen. Als Motivnudel aber ist es sein Schicksal, das ihm der Brunnen-Verlag bestimmt hat. Er hat die Pasta Martin Luther als „Bunter Nudelspaß“ in den Handel gebracht. Gelb, rot, grün gefärbt mit Pulver von Spinat, Paprika, Tomate, Karotte und Roter Bete warten die Lutherköpfe in der Klarsichttüte auf ihre Zubereitung. Der 200-Gramm-Beutel macht eine Person gut satt. Die Kochzeit wird mit acht Minuten angegeben. Man kann jedoch gut und gerne noch ein bis zwei Minuten dazu geben und muss keine weiche Nudel befürchten; auch bewahrt das Motiv im gekochten Zustand einigermaßen die Form. Beim Test schmeckte die Luther-Pasta mit einer klassischen Tomatensoße, besser präsentiert sie sich wohl aber in einem Nudelsalat oder in einer Suppe. Hier, wie auch bei vielen anderen Produkten, liefert die Verpackung zudem neben dem Lutherbildnis auch das passende Zitat: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red’, was wahr ist.“

Pasta Martin Luther, 200 g, ab 3,99 Euro, Bezug über www.brunnen-verlag.de.

Der Vertrag, so Thomas Pforte, sei aber nicht zustande gekommen, da man sich über die Rechte nicht habe einigen können.

Die Pfälzer Nudelmacher äußern sich derzeit angesichts des laufenden Gerichtsverfahrens erwartungsgemäß nicht zu der Angelegenheit. Man halte die Klage allerdings für „unbegründet“, heißt es seitens des Unternehmens.

Tatsächlich sehen sich beide Nudel-Varianten, Pfortes „Luther-Nudel“ und die „Pasta Martin Luther“ aus der Pfalz, welche als solche im Internet auch von anderen Anbietern wie etwa dem christlichen Brunnen-Verlag vertrieben wird, täuschend ähnlich.

Die „Nudel“ hat allerdings beispielsweise einen Steg mehr als die „Pasta“, was laut Pforte der Stabilität ersterer dient. Das Motiv, findet Thomas Pforte, sei aber trotzdem „dasselbe“. Auch damit dürften sich nun demnächst die Juristen beschäftigen.

Trotz Streit: Abverkauf läuft gut

Ungeachtet des Rechtsstreits zeigen sich die Wittenberger zufrieden mit der Aufnahme ihrer Luther-Nudel an den Kochtöpfen. „Es läuft“, sagt Pforte und verweist darauf, dass die erste Charge inzwischen „fast abverkauft“ ist.

In Kürze werde man bei seinem Nudelproduzenten bereits die nächsten 2,5 Tonnen ordern. Im Raum Wittenberg sowie in Halle sei man bei mehreren Edeka-Märkten gelistet, außerdem beim Großmarkt Hamberger.

Zu haben ist der Kopf für den Topf in der Lutherstadt selbst zudem an einschlägigen Orten wie Lutherhotel, Brauhaus und Touristen-Information aber auch in „Inas Sockenshop“ (wo’s außerdem die Socke zur Nudel gibt, aber das ist eine andere Geschichte...)

Ganz ohne Auswirkungen bleibt die Existenz des Herausforderers freilich nicht: Als sie in Eisenach mit ihrem Produkt vorstellig wurden, berichtet Thomas Pforte, da war die Luther-Pasta schon da...

Zu finden ist die Wittenberger Luther-Nudel auch auf der Homepage www.luther-nudel.de (mz)