Ehrenamt

Notfallseelsorge seit 15 Jahren Herzenssache

Seit 15 Jahren gibt es im Kirchenkreis Wittenberg die Notfallseelsorge. Ein Grund zum Feiern.

Von Corinna Nitz
Ilona Schäler (l.) und Ulrike Langrock gehören zum Notfallseelsorge-Team im Kirchenkreis Wittenberg. Die Initiative gibt es seit 15 Jahren. Das wurde jetzt im Rahmen einer Andacht mit Superintendentin Gabriele Metzner in der Stadtkirche gewürdigt.
Ilona Schäler (l.) und Ulrike Langrock gehören zum Notfallseelsorge-Team im Kirchenkreis Wittenberg. Die Initiative gibt es seit 15 Jahren. Das wurde jetzt im Rahmen einer Andacht mit Superintendentin Gabriele Metzner in der Stadtkirche gewürdigt. (Foto: Klitzsch)

Wittenberg - Mit einer Andacht in der Stadtkirche und anschließendem Empfang im Lutherhotel wurde am Montagabend das 15-jährige Bestehen der Notfallseelsorge (NFS) im Kirchenkreis Wittenberg gefeiert. In ihrer Ansprache würdigte Superintendentin Gabriele Metzner das Wirken der ehrenamtlich tätigen Helfer. Es brauche Menschen wie sie, „die einfach da sind“, egal wie schwer es ist, so die Theologin.

In größter Not

Wie schwer es sein kann, das wurde in sehr persönlichen Worten von Ilona Schäler deutlich. Die Krankenschwester, die in der Unfallchirurgie im Paul Gerhardt Stift arbeitet und sich von Anbeginn im Notfallseelsorge-Team engagiert, berichtete von einem besonderen Einsatz in diesem Jahr. Am frühen Morgen wurde sie von der Leitstelle zu einer Familie gebeten, die einen plötzlichen Säuglingstod zu beklagen hatte. Ein Ausnahmezustand, wie Schäler in der Stadtkirche erinnerte, die Rede war auch von größter Not.

Es lässt sich denken, dass dieser Einsatz zu den schwierigen gehörte. Weil aber die Arbeit in der Notfallseelsorge im Allgemeinen eine Herausforderung ist, werde sie, Ilona Schäler, manchmal gefragt, warum sie das nach so vielen Jahren immer noch macht. Was sie dann sagt? Zum Beispiel, dass es für sie eine „Herzenssache“ ist. Und auch, dass sie es kann. Was sie stärkt und trägt, sei der Austausch mit den Kollegen, sagt sie später zur MZ. Wichtig sei regelmäßige Supervision.

Nach Auskunft von Ulrike Langrock gibt es derzeit 13 Notfallseelsorger in dem von ihr geleiteten Team. Träger ist der Kirchenkreis, der wie berichtet unter anderem für die Neuausbildungen aufkommt. Vom Landkreis erhält das Kriseninterventionsteam Unterstützung beispielsweise für die Ausrüstung. Langrock, die gemeinsam mit Schäler im Rahmen der Andacht in der Stadtkirche auch eine Kerze für alle ehrenamtlich Tätigen entzündete, erklärte auf Nachfrage, dass man im Schnitt zu fünf Einsätzen pro Monat gerufen werde.

Hagemann musiziert

Die Gründe, warum das NFS-Team angefordert wird, sind vielfältig, auch die Polizei wird unterstützt. Von „engen Beziehungen“ und einer „engen, intensiven Zusammenarbeit“ sprach am Rande der Andacht Wittenbergs Polizeichefin Nadine Gößling. Demnach rufen sie die Notfallseelsorger „häufig für Sachverhalte, wenn Todesfälle vorliegen“. Das könnten tödliche Verkehrsunfälle sein, aber auch häusliche Suizide. „Wir sind froh und dankbar für jeden Fall, wo die Notfallseelsorge entlastet“, so Gößling.

Musikalisch gestaltet wurde die Andacht, an der neben anderen Vertreter von Stadt und Kreis teilgenommen haben, vom neuen Kantor der Stadtkirchengemeinde, Christoph Hagemann. (mz)