Baustelle in der Neustraße in Wittenberg

Noch nicht neu

Fertigstellung der Wittenberger Neustraße verzögert sich weiter. Experte erläutert die Gründe. Stadt plant Streichung von Parkplätzen an der Schloßstraße.

Von Irina Steinmann
Weiterhin  gesperrt ist die Neustraße, Fußgänger können allerdings einseitig passieren.
Weiterhin gesperrt ist die Neustraße, Fußgänger können allerdings einseitig passieren. (Foto: Irina Steinmann)

Wittenberg - Die Fertigstellung der Wittenberger Neustraße verzögert sich weiter. Wie bereits seit Monaten hegen Absperrgitter die im vergangenen Herbst eingerichtete Baustelle an dem Straßenabschnitt zwischen Ampelkreuzung Lutherstraße und Kreisel Mauer-/Fleischerstraße ein; allein Fußgänger können, allerdings eingeschränkt, passieren. Einen „weiterhin quälend langsamen Fortschritt“, beklagt ein Anwohner, der sich deshalb per Mail an die MZ wandte.

Lieferschwierigkeiten

Zuletzt war seitens der Stadtverwaltung wie berichtet Ende August als geplanter Fertigstellungstermin genannt worden, zuvor Anfang August. Die Arbeiten hätten sich „verzögert“, räumt Uwe Branschke, amtierender Leiter des Fachbereichs „Öffentliches Bauen“, am Montag auf MZ-Nachfrage ein. Als Grund nannte er Probleme bei der Belieferung mit Materialien, die für den Einbau in den noch nicht fertigen Bereichen benötigt würden. Lieferschwierigkeiten sind eines der Probleme, mit denen Baufirmen und deren Auftraggeber derzeit vielfach zu tun haben (die MZ berichtete). Im Fall Neustraße handelt es sich laut Branschke um Betonplatten für den Gehweg und um die gusseisernen Gitter zum Schutz der Baumscheiben, auf die man lange habe warten müssen.

„Wir werden im Oktober fertig“, erklärte Branschke jetzt. Damit hätten die Arbeiten, deren Folgen für die Autofahrer wegen der Baustellenampel in die Lutherstraße hineinreichen, dann rund ein Jahr gedauert.

Es wurden und werden Fahrbahn, Gehwege, Bushaltestellen und auch die Parkflächen neu angelegt. Dies geschieht in diesem direkt an die Wallanlagen grenzenden und damit städtebaulich sensiblen Straßenstück. Um dessen Gestaltung war in den politischen Gremien heftig gerungen worden. Auch als die Bauarbeiten bereits begonnen hatten, ging die Debatte, in der es sich insbesondere um - nicht vorgesehene - Radwege und Tempo 30 drehte, weiter. Letzteres soll kommen, allein schon wegen des Schulgebäudes, das derzeit saniert und dann bald wieder genutzt wird, aber auch wegen der Wallanlagen und des Jugendclubs „Pferdestall“.

Plattenbänder gefährdet

Unterdessen wurde bekannt, dass die Stadtverwaltung beabsichtigt, an einem anderen Ort in der Altstadt, nämlich im Schlossbezirk, Parkplätze verschwinden zu lassen. Fünf öffentliche Stellplätze sind es, die bisher zeitlich befristet - eine Stunde - kostenlos genutzt werden durften. Als Grund wird die Sorge um das dort seinerzeit bei der Sanierung der Schloßstraße verlegte Plattenband genannt. Zudem habe die Erfahrung gezeigt, dass Autofahrer davon ausgingen, dass der gesamte Straßenabschnitt bis zur Amtsgerichtskreuzung zum Parken zur Verfügung stünde, dies sei aber nicht der Fall. „Hier kommt es immer wieder zu Fehlverhalten und Unmut der Verkehrsteilnehmer, da sie die Regelung nicht nachvollziehen können“, heißt es in der Beschlussvorlage, die der Fachbereich Stadtentwicklung erarbeitet hat. Das Plattenband sei „bautechnisch nicht für das Abstellen von Fahrzeugen geeignet“.

Der eigentliche Grund für das Einziehen der Parkplätze wird ebenfalls explizit genannt: Parkende Autos störten die „Aufenthaltsqualität“ am unangefochtenen Touristen-Magneten Schlosskirche. Andererseits seien Beeinträchtigungen für den Lieferverkehr und eventuelle Be- und Entladungen nicht zu erwarten und die Zahl der wegfallenden Plätze lediglich gering; verwiesen wird auf 1.540 öffentliche und zirka 1.420 private Parkmöglichkeiten „im unmittelbaren Altstadtbereich“. Schwerbehinderte mit Sondergenehmigungen zum Parken dürfen den verkehrsberuhigten Bereich weiterhin nutzen. Am kommenden Montag wird sich zunächst der Bauausschuss mit der Angelegenheit befassen.