Marktbrunnen in Wittenberg

Marktbrunnen in Wittenberg: Er ist wieder da

Wittenberg - Kran hievt tonnenschwere neu gebaute Teile an den alten Standort.

Von Irina Steinmann 07.08.2017, 14:01

Punkt 12 Uhr lösen sich die Seile und entschweben, Wittenbergs prominenteste Leerstelle ist Geschichte. Seit dem Morgen hat der Maxikraft-Kran den Marktbrunnen Stück für Stück, sechs Teile insgesamt, an Ort und Stelle gesetzt, 6,5 Tonnen wiegt allein das Brunnenbecken.

Wie die vier Säulen und das prächtig verzierte „Dach“ darüber strahlt es mit dem makellos blauen Himmel um die Wette, 12,5 Tonnen Steinguss sind es insgesamt.

Kiebitze haben kein leichtes Spiel, neben dem Bauzaun stehen hier schließlich auch die Absperrungen für den Backstage-Bereich der Marktbühne. Aber sie sind da, die Schaulustigen mit Handy-Knipse. Und der Wittenberger Marktbrunnen hat, wie sich herausstellt, Fans bis hinunter nach Leipzig. Eigens deswegen, versichern Frank und Sabine Thielicke, haben sie sich auf den Weg in die Lutherstadt gemacht - und wegen ihres Nachbarn in Leipzig-Gohlis.

Dort, in der Werkstatt des Bildhauers und Restaurators Markus Gläser, hat als eine der ersten Wittenbergerinnen bereits letzten Freitag Angelika Grünhardt mit Verwandten den Brunnen gesehen - zufällig. Sie hätten ihren Augen nicht getraut, sagt Grünhardt, die an diesem Morgen auf den Markt gekommen ist, um sich bei Gläser mit einem Lutherfigürchen für den spontan ermöglichten Werkstattbesuch zu bedanken.

Gläser, den interessierte Wittenberger schon seit der Restaurierung der Reformatoren-Denkmale nebenan kennen, für die er die Baldachine gestaltete, hat den Marktbrunnen in den zurückliegenden 15 Monaten komplett neu gebaut. Viel war nicht mehr erhalten gewesen vom Original aus dem Jahr 1617; als Steinguss - ein Kunststein nach einer speziellen Mörtelrezeptur - entstand nach verbliebenen Reststücken und alten Bildern und Fotos ein Brunnen, der laut Gläser die ursprünglichen Proportionen wiedergewonnen hat und auch „Witterungsspuren“ aufweist.

Identifiziert und entsprechend gestaltet wurde ein Detail am Aufsatz, ein so genanntes Schotenwerk (ja, benannt nach der Erbse); es belege, dass im Renaissance-Wittenberg „innovativ“ gebaut wurde.

Fertig ist der 364.000 Euro teure neue Marktbrunnen mit der Aufstellung freilich noch nicht. Das gilt nicht nur für das fehlende Innenleben, sondern auch für sein Äußeres: Es wird bunt. Auf der Grundfarbe - gebrochenes Weiß - werden die Verzierungen in Rot, Grün, Blau und Gold erscheinen, wie in der Renaissance üblich. Voraussichtlich Ende August wird man das Gesamtergebnis betrachten können.

(mz)